Geschichtsstunde Von Cypherpunks und Hashfunktionen: Bitcoin und seine Vorgänger

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Bitcoin (Symbolbild)

Quelle: Shutterstock

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Bitcoin ist nicht dem luftleeren Raum entsprungen. Vielmehr gab es eine Reihe von Innovationen, ohne die die Kryptowährung nie das Licht der Welt erblickt hätte. Wieso es Bitcoin ohne die Cypherpunks nie gegeben hätte.

Ein weitverbreiterter Irrtum im Bitcoin-Kosmos ist die Annahme, dass BTC so etwas wie das Myspace der Krypto-Szene ist. Ein revolutionäres Konzept zwar, aber aufgrund technischer Unzulänglichkeiten für den ganz großen Durchbruch ungeeignet. Daher, so das Argument, sei es nur eine Frage der Zeit, bis das digitale Gold Platz machen muss für das Facebook der Krypto-Welt.

Diese Argumentation verkennt einen entscheidenden Umstand: Bitcoin ist nicht dem luftleeren Raum entsprungen. Im Gegenteil, die Kryptowährung ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklung und im Kern die Zusammenführung von Technologien, die bereits im Vorfeld existiert haben. Ein Blick auf Bitcoins Entstehungsgeschichte.

Cypherpunk als Lebenseinstellung

„Privatsphäre ist für eine offene Gesellschaft im elektronischen Zeitalter notwendig. So beginnt das Manifest der Cypherpunks. Wer verstehen will, welch Geistes Kind Bitcoin ist, kommt um das Phänomen Cypherpunk nicht umhin. Gegründet 1992 von Eric Hughes, Timothy May und John Gilmore beschäftigten sich die Cypherpunks bei monatlichen Treffen in San Francisco mit dem Spannungsfeld aus moderner Computertechnologie und den Gefahren für die Privatheit, die aus technologischem Fortschritt erwachsen. Verschlüsselungstechniken waren aus Sicht der Cypherpunks eine mögliche Lösung des Dilemmas. Daher haben sie sich der Förderung privater Kommunikationskanäle durch Kryptographie verschrieben.


Dass dabei auch private Geldformen eine entscheidende Rolle gespielt haben, verrät ein Blick ins Manifest. Schließlich kommt in dem nur wenige Absätze umfassenden Schriftstück das Wort „Geld allein drei mal vor.

Wir, die Cypherpunks, haben uns dem Aufbau anonymer Systeme verschrieben. Wir verteidigen unsere Privatsphäre mit Kryptographie, mit anonymen Mailing-Systemen, mit digitalen Signaturen und mit elektronischem Geld.

The Cypherpunk Manifesto.

Adam Backs Hashcash

Erste Gehversuche in Richtung eines kryptographischen Kommunikationskanals unternahm Cypherphunk Adam Back 1997 mit der Entwicklung von Hashcash. Anders als es der Name vermuten lässt, war die Idee hinter Hashcash nicht die Etablierung eines digitalen Geldsystems, sondern eher, einen Hash-Algorithmus zu konzipieren, der E-Mail-Spam kostspielig macht. Dafür nutzte Back einen Hash-Algorithmus, der heute in aller Munde ist: Proof of Work.

Ein Algorithmus also, dessen Hash künstlicherweise teuer gemacht wird, wie es in der Beschreibung von Hashcash heißt. Satoshi Nakamoto hat also nicht wie gemeinhin angenommen einen eigenen Hash-Algorithmus konzipiert, sondern auf eine bestehende Technologie zurückgegriffen.

Wei Dais b-money

Einen Schritt weiter ging Wei Dai 1998 mit B-money. In seiner Nachricht an die Cypherpunk-Mailingliste stellte er Konzepte vor, die sich einige Jahre später auch im Bitcoin White Paper wiederfanden. So sprach Dai unter anderem von einem Protokoll, in dem jeder Teilnehmer eine Kopie der Datenbank über die Netto-Kontostände der Nutzer führt. Eine Idee, an der sich auch Satoshi orientiert hat – daher ist Dais Vorschlag auch als erste Referenz im Satoshi-White Paper geführt.

Nick Szabos Bitgold

Entweder handelt es sich bei Nick Szabo um Satoshi Nakamoto (wovon ein erheblicher Teil der Community mittlerweile ausgeht) oder Satoshi hat von Szabo abgeschrieben. Denn das 2005 veröffentlichte Papier zu Bitgold ähnelt dem Bitcoin-Konzept in fast allen relevanten Aspekten. So sollte für Bitgold auch Proof of Work zum Einsatz kommen, damit die Transaktionskette nicht veränderbar ist.

Ferner spricht Szabo immer wieder von „Trust“, also dem Vertrauen, das Menschen Institutionen wie Banken und der Zentralbank entgegenbringen müssen. Er bedient damit ein Narrativ, das auch im Bitcoin White Paper eine zentrale Rolle spielt. Sogar die Wortwahl weist gewisse Ähnlichkeiten auf.

In Kurzform lautet die Idee zu Bitgold wie folgt:

Es wäre schön, wenn es ein Protokoll gäbe, mit dem fälschungssicher kostspielige Bits online und mit minimaler Abhängigkeit von vertrauenswürdigen Dritten erstellt und dann sicher gespeichert, übertragen und mit ähnlich minimalem Vertrauen geprüft werden könnten. Bit-Gold.

Bitgold fand letztlich nicht den Weg in die Implementierung, gilt aber nach wie vor als direkter Vorläufer der Bitcoin-Architektur.

Das Bitcoin White Paper

Der Rest ist Geschichte. Am 31 Oktober 2008 veröffentlichte Satoshi Nakamoto das Bitcoin White Paper und beschreibt darin das Konzept für ein Peer-to-Peer Electronic Cash System. Wer genau hinschaut, erkennt, dass Bitcoin zu großen Teilen der Zusammenschluss bereits existierender Technologien wie etwa Proof of Work und SHA 256 zur Minimierung des notwendigen, nicht-technologischen Vertrauens in die Systemintegrität ist. Bitcoin ist also nicht das Myspace der Krypto-Welt, sondern bereits das Facebook.


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