MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation)

Was ist MiCA?

  EU-Verordnung

MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) ist die Verordnung (EU) 2023/1114 und damit das erste umfassende EU-weite Regulierungswerk für Kryptomärkte. Sie gilt seit dem 30. Dezember 2024 vollständig in allen EU-Mitgliedstaaten. MiCA schafft einheitliche Zulassungsregeln für Krypto-Dienstleister (CASPs), stellt Anforderungen an Stablecoin-Emittenten und verpflichtet Token-Emittenten zur Veröffentlichung von Whitepapers.

Vollständige Bezeichnung
Markets in Crypto-Assets Regulation
Rechtsakt
Verordnung (EU) 2023/1114
Unterzeichnet
31. Mai 2023
Stablecoins anwendbar ab
30. Juni 2024
Vollständige Anwendung
30. Dezember 2024
Aufsichtsbehörden
EBA, ESMA, nationale Behörden

Entstehung und gesetzgeberischer Hintergrund

  • September 2020: Die Europäische Kommission veröffentlicht den MiCA-Entwurf als Teil des Digital Finance Package. Auslöser ist unter anderem das Projekt Libra (später Diem) von Facebook, das EU-Regulierer alarmiert hatte.
  • April 2023: Das Europäische Parlament nimmt MiCA mit großer Mehrheit an.
  • 31. Mai 2023: Unterzeichnung durch Rat und Parlament der EU.
  • 9. Juni 2023: Veröffentlichung im Amtsblatt der EU. MiCA tritt 20 Tage später in Kraft.
  • 30. Juni 2024: Titel III und IV (Regelungen für Stablecoins) treten in Kraft. Emittenten von Asset-Referenced Tokens (ARTs) und E-Geld-Token (EMTs) benötigen ab diesem Datum eine Zulassung.
  • Dezember 2024: Mehrere europäische Kryptobörsen delisten den Tether-Stablecoin USDT, da Tether keine MiCA-Zulassung als EMT beantragt hat.
  • 30. Dezember 2024: MiCA gilt vollständig. Krypto-Dienstleister (CASPs) benötigen eine Zulassung in einem EU-Mitgliedstaat.

Anwendungsbereich: Was MiCA regelt

MiCA regelt drei Kategorien von Krypto-Akteuren. Erstens: Token-Emittenten, die vor einer Ausgabe ein standardisiertes Whitepaper bei der zuständigen nationalen Behörde anmelden müssen. Zweitens: Emittenten von Stablecoins, die eine Zulassung als E-Geld-Institut (für Dollar- oder Euro-gebundene Token) oder als Emittent von Asset-Referenced Tokens benötigen. Drittens: Crypto-Asset-Service-Provider (CASPs), also Börsen, Walletanbieter, Verwahrdienstleister und Broker, die in einem EU-Land zugelassen werden müssen. Eine Zulassung in einem Mitgliedstaat gilt dank des EU-Passes EU-weit.

Ausschlüsse und Grauzonen

MiCA gilt nicht für alle Kryptoformen. Bitcoin selbst und andere dezentralisierte Kryptowährungen ohne identifizierbaren Emittenten unterliegen nicht den Emittentenpflichten von MiCA, da es keinen rechtlich verantwortlichen Herausgeber gibt. Für nicht-fungible Token (NFTs) gilt MiCA grundsätzlich nicht, es sei denn, sie werden serienmäßig ausgegeben und ähneln wirtschaftlich einem Finanzinstrument. DeFi-Protokolle (Decentralized Finance) werden von MiCA nicht explizit erfasst. Die Europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat angekündigt, Leitlinien zu DeFi zu erarbeiten. Krypto-Börsen und Verwahrdienstleister brauchen hingegen in jedem Fall eine CASP-Lizenz.

Auswirkungen auf Stablecoins: Der Fall Tether

Die Stablecoin-Regeln von MiCA hatten unmittelbare Marktauswirkungen. Tether, Emittent des weltweit größten Stablecoins USDT, beantragte keine Zulassung als E-Geld-Token nach MiCA. Infolgedessen delisteten führende europäische Kryptobörsen USDT im Dezember 2024. Circle hingegen erhielt für seinen USDC-Stablecoin frühzeitig eine EU-Zulassung als E-Geld-Institut. USDC ist damit einer der ersten großen Stablecoins mit MiCA-konformer Struktur in der EU und profitiert in Europa von einem regulatorischen Wettbewerbsvorteil gegenüber USDT.

Häufige Fragen zu MiCA

Was ist MiCA?

MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) ist die Verordnung (EU) 2023/1114 und das erste umfassende EU-weite Regulierungswerk für Kryptomärkte. Sie gilt seit dem 30. Dezember 2024 vollständig in allen EU-Mitgliedstaaten und regelt Krypto-Dienstleister, Stablecoin-Emittenten und Token-Ausgaben.

Seit wann gilt MiCA?

MiCA wurde am 9. Juni 2023 im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Die Stablecoin-Regeln (Titel III und IV) traten am 30. Juni 2024 in Kraft. Die vollständige Anwendung für alle Krypto-Dienstleister erfolgte am 30. Dezember 2024.

Was ist ein CASP nach MiCA?

CASP steht für Crypto-Asset-Service-Provider. Darunter fallen Unternehmen, die Kryptowährungen verwahren, handeln, tauschen, übertragen oder Beratungsdienstleistungen rund um digitale Assets anbieten. CASPs benötigen nach MiCA eine Zulassung in einem EU-Mitgliedstaat. Eine nationale Lizenz gilt dank des EU-Passes in der gesamten Europäischen Union.

Gilt MiCA auch für Bitcoin?

Die Token-Zulassungspflicht von MiCA gilt nicht für Bitcoin und andere dezentralisierte Kryptowährungen ohne identifizierbaren Emittenten, da es keinen rechtlich verantwortlichen Herausgeber gibt. CASPs, die Bitcoin handeln oder verwahren, benötigen aber dennoch eine MiCA-Zulassung als Dienstleister.

Warum wurde Tether (USDT) in Europa von Börsen entfernt?

Tether beantragte keine Zulassung als E-Geld-Token nach MiCA. Da Tether keine MiCA-konforme EU-Zulassung erlangt hatte, sahen sich viele europäische Kryptobörsen veranlasst, USDT ab Dezember 2024 zu delisten. USDC von Circle ist MiCA-konform und wird weiterhin gehandelt.

Was regelt MiCA für NFTs?

MiCA gilt grundsätzlich nicht für einzigartige, nicht-fungible Token (NFTs). Werden NFTs jedoch serienmäßig ausgegeben oder ähneln sie wirtschaftlich einem Finanzinstrument oder Stablecoin, können sie unter MiCA fallen. ESMA hat angekündigt, präzisierende Leitlinien zu veröffentlichen.

Welche Behörden überwachen MiCA?

Die Aufsicht über MiCA ist aufgeteilt: Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) überwacht bedeutende Stablecoin-Emittenten. Die Europäische Wertpapieraufsicht (ESMA) koordiniert die CASP-Aufsicht und erarbeitet technische Standards. Die eigentliche Zulassung und laufende Aufsicht der meisten CASPs liegt bei den nationalen Behörden, in Deutschland der BaFin.

Was bedeutet der EU-Pass für Krypto-Börsen unter MiCA?

Der EU-Pass ermöglicht es CASPs, mit einer einzigen nationalen Zulassung in allen EU-Mitgliedstaaten tätig zu sein. Ein Unternehmen, das in Deutschland eine BaFin-Zulassung erhält, kann damit ohne weitere nationale Genehmigungen auch in Frankreich, Spanien oder den Niederlanden Krypto-Dienstleistungen anbieten. Das vereinfacht die EU-weite Expansion erheblich.

Gilt MiCA auch für DeFi-Protokolle?

Vollständig dezentralisierte Protokolle ohne identifizierbaren Betreiber sind nach aktuellem Stand nicht direkt von MiCA erfasst. Die ESMA arbeitet an Leitlinien, um die Grenze zwischen reguliertem und nicht reguliertem DeFi zu klären. Protokolle mit einem zentralen Betreiber oder einer Governance-Struktur könnten jedoch unter die CASP-Definition fallen.