Exklusiv-Umfrage So stehen deutsche Banken zur Kryptoverwahrung

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 8 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: BTC-ECHO

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Das Verwahrgeschäft für digitale Assets ist eines der Trendthemen 2020. Während manche FinTechs bereits Lösungen zur Token Custody entwickelt haben, scheint bei vielen Banken noch Misstrauen zu herrschen. Wir wollten es genauer wissen und haben direkt bei den deutschen Finanzinstituten nachgefragt. Wie sich deutsche Banken zum Kryptoverwahrgeschäft positionieren, erläutern wir anhand der ersten Reaktionen, die wir in unserer Banken-Umfrage erhalten haben.

Die Kryptoverwahrung ist für deutsche Banken theoretisch möglich. Doch haben sie auch Interesse? Wir haben nachgehakt, wie es um den Status quo der deutschen Banken zum Thema Kryptoverwahrung steht. Insgesamt haben uns bisher 20 Institute geantwortet.

Konkret wollten wir Folgendes von den Banken oder Finanzdienstleistern wissen:

  1. Wurde im Jahr 2019 das Kryptoverwahrgeschäft für Dritte bereits angeboten?
  2. Ist geplant, das Kryptoverwahrgeschäft für Dritte im Jahr 2020 anzubieten?
  3. Wird diese Dienstleistung als uninteressant oder als relevant eingestuft?

Kryptoverwahrung: Das waren die Reaktionen

Auch wenn wir noch nicht alle Antworten erhalten haben, liefern die ersten 20 Reaktionen bereits ein aufschlussreiches Bild. Insgesamt sind die Rückmeldungen zur Kryptoverwahrung eher positiv. Keine der bisherigen Antwortenden stuften das Thema als irrelevant oder uninteressant ein. Das Thema Token Custody scheint sich inzwischen also so weit etabliert zu haben, dass sich kein Institut mehr traut, das Thema als unbedeutenden Trend zu betrachten. Besonders interessant ist, dass das Bild in der Bankenlandschaft keineswegs so homogen ist, wie man vielleicht annehmen mag. So arbeiten einige Institute bereits an der Kryptoverwahrung, andere hingegen hegen keinerlei Ambitionen.

Börse Stuttgart, Commerzbank Gruppe und BNP Paribas geben sich souverän


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Wenig überraschend, auch wenn es sich nicht um eine Bank, sondern um eine Börse handelt, ist die Antwort der Börse Stuttgart. So schaffte es die Börse Stuttgart dank ihrer Ambitionen im Token-Handel immer wieder in die deutschen Krypto-Newssparten. Den großen Hoffnungen, die man auf die Börse Stuttgart legt, scheint die Börse geradlinig nachkommen zu wollen. So heißt es von Johannes Frevert (Börse Stuttgart):

In der Gruppe Börse Stuttgart übernimmt die eigens dafür gegründete Tochtergesellschaft Blocknox die treuhänderische Verwahrung von Kryptowährungen – seit Ende Januar 2019 für Nutzer der BISON-App sowie seit Ende September 2019 für Nutzer der Digital Exchange der Börse Stuttgart (BSDEX). Blocknox wird die Dienstleistung der Kryptoverwahrung auch 2020 weiterhin anbieten, die hierfür notwendige Erlaubnis der BaFin beantragen und auch zum Finanzdienstleister werden. Die Verwahrung ist nicht nur interessant, sondern ein integraler Bestandteil der durchgehenden Infrastruktur für digitale Assets, die die Gruppe Börse Stuttgart aufbaut.

Was die Blockchain-Technologie betrifft, zählt auch die Commerzbank Gruppe zu den aufgeschlosseneren Finanzinstituten der Bundesrepublik. Neben zahlreichen Blockchain-Pilotprojekten und der Tokenisierung von Buchgeld-Euros kann auch die Digitaleinheit der Commerzbank, der sogenannte Main Incubator, eine klare Bejahung der Token-Verwahrung aussprechen.

So antwortet Kathrin Mateoschus vom Main Incubator, dass die Kryptoverwahrung bereits 2019 angeboten wurde und auch 2020 weiter angeboten wird.

Die BNP Paribas hat ebenfalls die Relevanz der Token Custody erkannt und möchte bald schon aufschließen, wie Dirk-Michael Mitter seitens der BNP Paribas verlauten lässt:

Als marktführende Verwahrstelle für Investmentfonds und als weltweit agierender Global Custodian ist es unsere Aufgabe, die Kapitalanlagen unserer institutionellen Kunden, wie Asset Manager, Banken, Versicherungen, Unternehmen, Pensionskassen, Versorgungswerke und Family Offices, sicher zu verwahren. Hierbei passen wir unser Angebot stetig weiter an die Bedürfnisse unserer Kunden an, unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen und mit Blick auf bereits erfolgte und kommende regulatorische Veränderungen. Zukünftig wird BNP Paribas Securities Services daher auch Lösungen anbieten für Kryptowerte als regulierte digitale Assets, insbesondere für Security Token, die auf einer Blockchain emittiert werden, und deren sichere Verwahrung für unsere Kunden ermöglichen.

Kryptoverwahrung: HSBC und Aareal Bank bringen sich in Stellung

Auch die Großbank HSBC und die im Bereich der Immobilienwirtschaft tätige Spezialbank Aareal Bank scheinen sich langsam in Stellung zu bringen. Interessant ist die Unterscheidung, die die HSBC hinsichtlich der digitalen Assets trifft. So untersucht man aktuell, wie die Verwahrung von tokenisierten Wertpapieren regulatorisch konform abgebildet werden kann. Ein Verwahrgeschäft für Kryptowährungen ist weiterhin allerdings nicht angestrebt.

Etwas weniger konkret äußert sich demgegenüber Daniel Höfelmann von der Aareal Bank:

In unserem konzerneigenen Innovation-Team haben wir bereits einen Proof of Concept durchgeführt, aus dem sich bereits vielversprechende Konzepte für die Praxis abgeleitet haben. In diesem Zusammenhang beobachten wir auch die Entwicklungen von Kryptoverwahrgeschäften. Derzeit gibt es im B2B-Umfeld, in dem wir aktiv sind, jedoch noch keine konkreten Kundenanforderungen zu Anwendungsszenarien. Das heißt aber nicht, dass sich das in Zukunft nicht ändern kann.

Was von den beiden Schwergewichten hinsichtlich Krypto-Dienstleistungen 2020 zu erwarten ist, muss man also noch abwarten. Im Blick sollte man die beiden Universalbanken auf jeden Fall haben.

Exklusive Privatbanken zeichnen gemischtes Bild beim Thema Kryptoverwahrung

Neben den großen Universalbanken, kann das Thema Kryptoverwahrung vor allem für Privatbanken mit vermögensverwaltendem Schwerpunkt interessant sein. Im Gegensatz zu den Bank-Konzernen können sie schneller auf neue Entwicklungen reagieren. So auch Julius Bär, die bereits im Februar 2019 ihre Partnerschaft mit der Schweizer SEBA Crypto AG bekanntgegeben hat. Über die SEBA kann damit auch Julius Bär ihren Kunden das Dienstleistungsgeschäft mit digitalen Assets anbieten.

Dass es sich dabei um eine Partnerschaft mit einem Schweizer Dienstleister handelt, verwundert wenig. In puncto Krypto-Regulierung und Offenheit ist die Schweiz zusammen mit dem Fürstentum Liechtenstein führend in Europa. Eine Privatbank, die in der Schweiz (Zürich) im Krypto-Verwahrgeschäft aktiv ist, ist beispielsweise die Falcon Bank. Im benachbarten Liechtenstein hat sich die Bank Frick wiederum einen Namen als Krypto-Bank gemacht. Deutschland kann also durchaus von seinen Nachbarn lernen.

Andere namhafte deutsche Privatbanken wie Donner & Reuschel oder die Berenberg Bank haben geäußert, dass es weder 2019 eine Kryptoverwahrung gab, noch dass eine für 2020 geplant sei.

Sparkassen und Volksbanken stehen am Seitenrand; Ausnahme bilden Landesbanken

Wenn es um Blockchain-Innovation außerhalb des Privatbankensektors geht, sind die Landesbanken BayernLB und LBBW durchaus nicht untätig. So hat die LBBW bereits mehrere Blockchain-Pilottests durchgeführt. Die BayernLB hatte Ende letzten Jahres mit einem Research Paper zu Bitcoin außerdem für Aufsehen gesorgt. So heißt es von der BayernLB:

Die BayernLB hat vor allem in ihrem Research Team eine hohe Kompetenz rund um die Kryptowährung Bitcoin und deren Bewertung aufgebaut. Kryptoverwahrgeschäft für Dritte haben wir bislang nicht angeboten – beobachten aber zusammen mit unserem Research Team aktuell die Entwicklungen rund um Kryptowährungen sehr aufmerksam.

Vonseiten der Sparkassen und Volksbanken haben sich die Kreissparkasse Köln, Hamburger Sparkasse oder Frankfurter Volksbank geäußert, keine konkreten Pläne für die zukünftige Verwahrung von digitalen Assets zu besitzen. Den einzelnen Instituten kann man dabei weniger einen Vorwurf machen. So wären hier vor allem die übergeordneten Verbände in der Pflicht, digitale Innovation voranzutreiben.

Regulatorisches Umfeld macht die Bankenumfrage besonders interessant

Während Verwahrer aus der Blockchain-Szene wie beispielsweise Finoa, solaris Digital Assets oder Plutoneo bereits 2019 Kryptoverwahrung betrieben haben und damit von einer Übergangsfrist profitieren, ist erst von wenigen traditionellen Finanzinstituten Aktivität in diesem Bereich bekannt.

Insbesondere durch die am 1. Januar in Kraft getretenen Krypto-Verwahrrichtlinien, die das Verwahrgeschäft lizenzpflichtig machen und unter die Aufsicht der BaFin stellen, ergibt sich die Frage, ob Banken entsprechende Vorbereitungen getroffen haben.

Unternehmen, die bereits 2019 die Verwahrung von digitalen Assets angeboten haben, profitieren 2020 von einer Übergangsfrist. Man spricht hier auch von dem sogenannten Grandfathering. Banken, die nun jedoch nachziehen wollen, müssen sich bei der Antragstellung gedulden.

Deutsche Bundesbank begrüßt Verwahrung von digitalen Assets

Vonseiten der Deutschen Bundesbank gibt man sich aufgeschlossen gegenüber der Kryptoverwahrung. Zwar hat die Bundesbank selbst kein Kryptoverwahrgeschäft, dennoch will man der Innovation keine Steine in den Weg legen, wie Susanne Kreutzer von der Deutschen Bundesbank mitteilt:

Aus Sicht der Bundesbank sind die Bestrebungen zur Tokenisierung von digitalen Vermögenswerten unter Nutzung der Blockchain-Technologie aufgrund der damit verbundenen Impulse für Innovation und Effizienz grundsätzlich zu begrüßen. Die Bundesbank wird die aktuellen Entwicklungen weiter eng begleiten. Richtschnur ihrer Bewertung wird dabei sein, dass die Sicherheit und Effizienz des Zahlungsverkehrs gewährleistet bleibt und auch die weiteren gesetzlichen Ziele, vorrangig die Geldwertstabilität sowie die Finanzstabilität, nicht kompromittiert werden. Als Zentralbank im Eurosystem hat die Bundesbank somit eine besondere Ausrichtung. Kryptoverwahrgeschäfte für Dritte wurden im Jahr 2019 nicht ausgeführt und sind auch für 2020 nicht geplant.

Dr. Sven Hildebrandt, Geschäftsführer der auf semiprofessionelle und professionelle Finanzmarktteilnehmer spezialisierten Blockchain-Beratung, gibt sich zuversichtlich:


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