Schweden: Blockchain-Katasteramt wird im März getestet

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In Schweden wird schon seit längerem, im Rahmen einer öffentlich-privaten Kooperation, versucht das Katasteramt über eine Blockchain zu organisieren. Nun soll es im März zu ersten konkreten Testdurchläufen kommen.



Geleitet wird das Projekt von der schwedischen Landvermessungsbehörde, die gemeinsam mit dem Startup ChromaWay und der Beratungsfirma Kairos Future sowie dem Telekommunikationsanbieter Telia zusammenarbeitet. Neu dazu gekommen sind zwei Banken, die sich auf Hypotheken spezialisiert haben – SBAB und Landshypotek.

Laut dem CEO des Startups ChromaWay, Henrik Hjelte, werden die Tests darauf abzielen die Plattform aus einer wirtschaftlichen, rechtlichen und sicherheitstechnischen Perspektive zu analysieren. Gleichzeitig soll es der Öffentlichkeit möglich sein die Bedienoberfläche zu beurteilen.

„Zwar werden im März noch keine echten Daten live gehen, allerdings werden wir gut simulieren können, wie es mit echten Daten aussehen würde und ob eine Integration mit anderen Dienstleistung funktioniert.“

Bei einem erfolgreichen abschließen der Tests soll die Plattform auf Open Source umgestellt werden. Sollte dies gelingen, dann hätte Schweden das weltweit erste funktionierende Blockchain-Katasteramt.

Allerdings bestehen gegenwärtig noch Schwierigkeiten einen gemeinsamen Standard, für den Zugang zum Blockchain-Netzwerk, zu finden. Vorerst wird daher nur mit der Technologie von ChromaWay gearbeitet, ohne Einbeziehung der IT-Systeme der Hypothekenbanken.

Auch andere Regierungen, insbesondere die von Honduras und Georgien, planen ein Katasteramt auf der Blockchain. Allerdings hat man von diesen Ländern bislang kaum etwas konkretes dazu gehört.

Kommentar von Sven Wagenknecht, BTC-ECHO:

Auch wenn Schweden nicht zu den Ländern gehört, die es dringend nötig hätten ein effizienteres und transparenteres Katasteramt zu führen, so kann Schweden eine wichtige Vorbildfunktion für andere Länder einnehmen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Länder wie Honduras und Georgien ein großes Interesse an einem Blockchain-Katasteramt haben. Im Gegensatz zu Schweden haben diese Länder mit hoher Korruption, mangelnder Effizienz sowie Transparenz zu kämpfen. Die Eigentumsverhältnisse sind oftmals nur unzureichend dokumentiert und missbräuchliche Landübertragungen, auch seitens der Regierung, sind nicht unüblich.

Entsprechend hilfreich wäre eine „Blockchain-Mustervorlage“ für die Länder, die nicht über das Know-How Schwedens verfügen. Vor allem die ärmere Bevölkerung in den ländlicheren Regionen, wo die Eigentumsverhältnisse oftmals ungeklärt sind und Enteignungen daher jederzeit umgesetzt werden können, könnte durch ein öffentlich einsehbares Blockchain-Register profitieren.

BTC-ECHO

Englische Originalversion von Pete Rizzo via CoinDesk

Über Sven Wagenknecht

Sven WagenknechtSven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO und verantwortet neben der redaktionellen Planung auch den Bereich Business Development. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Bildquellen

  • Travel, land: © Xuejun li - Fotolia.com

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