Berichten zufolge verpflichtet der Iran Reedereien ab sofort dazu, Gebühren für die Durchfahrt der Straße von Hormus in Bitcoin zu entrichten. Betroffen sind insbesondere Öl-Tanker, die das strategisch wichtige Nadelöhr passieren, durch das rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssigerdgasbedarfs fließen. Die Maut beträgt einen US-Dollar pro Barrel Öl. Für einen vollbeladenen Supertanker (VLCC) mit zwei Millionen Barrel Kapazität bedeutet dies eine Zahlung von rund zwei Millionen US-Dollar in BTC pro Passage.
Nach Bekanntwerden dieser Nachricht brach der Bitcoin-Kurs über die Marke von 72.000 US-Dollar aus. Analysten bewerten das Vorgehen als den bisher größten realen Anwendungsfall für Kryptowährungen im globalen Handel.
Auf X schreibt der Krypto-Analyste Anthony Pompliano: “Die Welt braucht einen digitalen, dezentralen, nicht-staatlichen und neutralen Vermögenswert, um den globalen Handel zwischen Ländern zu ermöglichen, die einander nicht vertrauen.”
Bitcoin als Infrastruktur gegen Sanktionen
Die Entscheidung der iranischen Behörden folgt operativen Notwendigkeiten. Da der Iran unter umfassenden Sanktionen steht, sind Dollar-Transaktionen über das SWIFT-System weitgehend blockiert. Bitcoin ermöglicht hingegen eine Abwicklung innerhalb von Sekunden, ist pseudonym und entzieht sich dem Zugriff traditioneller Finanzintermediäre. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben bereits ein System zur Prüfung und Begleitung der Schiffe formalisiert. Laut Berichten erhielten Kapitäne nach der Deklaration ihrer Fracht nur ein kurzes Zeitfenster für die Bitcoin-Transaktion, was Sanktionierungsversuche in Echtzeit technisch nahezu unmöglich macht.
Zuvor experimentierte der Iran bereits mit Stablecoins für die Abwicklung der Transitgebühren. Mit der nun fixierten Bitcoin-Pflicht nutzt das Land das Krypto-Netzwerk gezielt als Zahlungsarchitektur in einem Bereich, in dem das klassische Dollarsystem gezielt deaktiviert wurde. Ob Bitcoin damit langfristig zur primären Abrechnungseinheit für die Hormus-Passage aufsteigt, hängt auch von der Akzeptanz der internationalen Handelspartner ab.
