QuadrigaCX: Updates zum Tod des Betreibers der Bitcoin-Börse & Verdacht auf Schneeballsystem

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QuadrigaCX: Updates zum Tod des Betreibers der Bitcoin-Börse & Verdacht auf Schneeballsystem

Der Fall der kanadischen Bitcoin-Börse QuadrigaCX warf in der vergangenen Woche einige Fragen auf. Der plötzlich verstorbene CEO Gerald „Gerry“ Cotten nahm offenbar ein wichtiges Geheimnis mit in sein Grab: die Private Keys für die Kryptowährungen der Nutzer. Nun bestehen erhebliche Zweifel, ob es diese Private Keys bzw. die Cold Wallet jemals gab und ob Cotten überhaupt tot ist. Zudem deutet einiges darauf hin, dass das Management der Bitcoin-Börse ein Schneeballsystem betrieben hat.

Der Tod von Gerald „Gerry“ Cotten hinterließ neben einer Witwe (Jennifer Robertson) und zwei Chihuahuas (Nitro und Gully) einige schwerwiegende Fragen. Die dringendste ist und bleibt die nach den Private Keys. Denn Cotten soll offenbar alleinigen Zugang zu diesen und damit als Einziger auch die Kontrolle über die auf der Börse eingelagerten Kryptowährungen gehabt haben. Mit diesen Private Keys hatte er wiederum die Möglichkeit, die Cold Wallets von QuadrigaCX zu öffnen. Durch seinen Tod schien also jeglicher Zugang zu diesen verlorengegangen. Das bedeutet letztlich auch den Verlust von Bitcoin, Litecoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen im Wert von etwa 144 Millionen US-Dollar. Neueste Erkenntnisse deuten nun daraufhin, dass es niemals eine Cold Wallet gab, außerdem bestehen Zweifel an der Echtheit des Todes von Gerald „Gerry“ Cotten.

Morbus Crohn, eine indische Stadt und der letzte Wille

Diese Zweifel sind nicht ganz unbegründet. So wurde zunächst bekannt, dass „Gerry“ kurz vor seinem Tode seinen letzten Willen verfasste und seiner Frau sämtliche Hinterlassenschaften überschrieb. Das geschah noch am 27. November 2018. Den Willen verfasste er in einem Privatkrankenhaus im indischen Jaipur, derselben Stadt, in der er zwei Wochen später sterben sollte. Die Region ist dafür bekannt, für gutes Geld gefälschte Todesurkunden auszustellen. Dennoch: Gerry Cotten litt an Morbus Crohn, einer Krankheit, die zum Tode führen kann und die ein Jahr nach Gründung von QuadrigaCX diagnostiziert wurde.

Nun sind zumindest zwei Dokumente aufgetaucht, die den Tod von Gerald Cotten bestätigen sollen. Eine Todesurkunde des J. A. Snow Funeral Home sowie ein behördliches Zertifikat der indischen Stadt Rajasthan, datieren den Tod von „Gerry“ auf den 9. Dezember 2018. Am diesem Tag soll er einen Herzstillstand erlitten haben. Kurzzeitig konnten ihn die Ärzte wohl noch wiederbeleben, der CEO von QuadrigaCX überlebte den zweiten Herzstillstand jedoch laut den Dokumenten nicht:

Trotz aller Bemühungen unserer Ärzte konnten sie den Patienten nicht wiederbeleben und erklärten ihn um 19:26 Uhr für tot. Bei der Behandlung des Patienten wurden alle üblichen medizinischen Verfahren und Richtlinien eingehalten. Die Informationen über seinen Tod wurden den zuständigen Behörden mitgeteilt.

Ob diese Dokumente nun echt sind oder nicht: Sie überschreiben sein ganzes Vermögen seiner Witwe und laut letztem Willen auch „Beschaffung, Zugriff, Änderung, Löschung und Kontrolle seiner Passwörter und anderer elektronischer Zugangsdaten“.


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Damit müsste seine Frau also den Zugang zu jener Cold Wallet haben, nachdem die Börse so eifrig suchen soll. Doch es deutet einiges daraufhin, dass es diesen Laptop voller ausgelagerter Bitcoin, Litecoin & Co. überhaupt nicht gibt.

Zweifel an der Existenz der Cold Wallet

Kraken-CEO Jesse Powell äußerte jüngst auf Twitter seine Zweifel am Geschehen rund um QuadrigaCX:

Es gab keinen Plan, weil es überhaupt keine Coins gab ODER es gab einen Plan und der war es, mit den Keys abzuhauen und eine Story über einen Laptop zu erfinden. Wie dem auch sei: Es besteht der starke Verdacht auf ein Mixen von Coins über die QuadrigaCoinEx-Wallets. Außerdem ist noch immer kein Cold Storage aufgetaucht. […]

Die Erkenntnisse des Blockchain-Analysten „Proof of Research“ erhärten diesen Verdacht.

Proof of Research sammelte seine Informationen, indem er die Wallet-Adressen ehemaliger QuadrigaCX-Kunden analysierte. Durch den Abgleich der verschiedenen Wallet-Adressen konnte er aufgrund der Transparenz der Blockchain einige Adressen ausmachen, die Quadriga offenbar verwendete, um ihre Bitcoin zu lagern und/oder zu versenden. Dafür verwendete er den WalletExplorer von Chainalysis. Dadurch konnte er letztlich bestätigen, dass QuadrigaCX offenbar nie eine Wallet hatte, die als Storage bzw. als Speicher diente. So lautet die Schlussfolgerung:

Die wichtigste Schlussfolgerung aus den Einzahlungsinformationen der Kunden ist, dass QuadrigaCX mehr als wahrscheinlich nie genug BTC besaß, um die Kundengelder zu verbuchen. Im nächsten Abschnitt spiegeln die Kundenauszahlungsinformationen im Zusammenhang mit BTC-Transaktionen an der Börse wider, dass QuadrigaCX eindeutig Zahlungen von Kunden umleitet, um Auszahlungsanfragen anderer Kunden an ihrer Börse zu erfüllen.

Quadriga betrieb ein Schneeballsystem

Das bedeutet: Nach aktuellen Informationen betrieb QuadrigaCX ein klassisches Schneeballsystem. Anstatt die Kryptowährungen also sicher auf jenem Laptop zu lagern, wurden sie an inzwischen unbekannte Adressen ausgelagert. Das bedeutet darüber hinaus, dass Quadriga CX lediglich von der aktuellen Liquidität lebte und kaum über eigene Rücklagen verfügte. Um Kunden auszubezahlen, verwendete man demnach offenbar immer nur jene Einlagen an Kryptowährungen, die andere Kunden aktuell eingezahlt hatten. Der Bericht legt zudem nahe, dass Quadriga den Zugang zu den Coins nicht verloren habe. Auch sei die Anzahl an Token, die tatsächlich im Besitz der Börse waren, sehr viel geringer, als ursprünglich gegenüber dem Gericht angegeben worden ist.


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Wie man den Analysen übrigens weiter entnehmen kann, steht QuadrigaCX momentan keinesfalls still. Offenbar werden seit geraumer Zeit (die letzten?) Kryptowährungen von der Börse wegtransportiert und ihre Spuren durch Mixer unkenntlich gemacht. Anders gesagt: Irgendjemand „rettet“ höchstwahrscheinlich die letzten Bitcoin, um sie vor etwaigen Ermittlungen zu schützen.

Behördenversagen

Abgesehen davon, dass hier einiges im Argen ist, stellt sich die Frage, wie das alles außerhalb des Behördenradars geschehen konnte. Denn die kanadische Bitcoin-Börse QuadrigaCX konnte offenbar relativ frei agieren. So ist QuadrigaCX zwar in British Colombia registriert. Jedoch hat es weder Büros, Bankkonten und außer einer Handvoll Vertragspartnern kaum Angestellte. Die Internetadresse war auf den Bahamas registriert, die auf Facebook ursprünglich gelistete Adresse verweist auf mietbare Briefkästen. Offenbar gab die Börsenaufsichtsbehörde von British Colombia zu, dass sie von der Börse seit dem Jahr 2017 wussten. Allerdings war die Börse offenbar nicht reguliert, weil sie weder „als Handelsplatz oder Börse“ unter kanadisches Gesetz fiel.

Wie die Sache auch ausgehen mag: Der frisch vereinte US-kanadische Blockchain-Verbund hat nun alle Hände voll zu tun.

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