Token sei Dank? Wie das Silicon Valley die Wall Street angreift

Unternehmen wie Google, Apple und Meta haben es auf das Geschäft der Banken abgesehen. Wie sie versuchen sich Stück ein vom Kuchen zu sichern. Ein Ausschnitt aus dem Buch: Geld – Die nächsten 10 Jahre.

Sven Wagenknecht
Teilen

Beitragsbild: Shutterstock

| Meta und andere Internetkonzerne aus dem Silicon Valley schielen auf den Finanzsektor ab

Bereits heute bieten alle großen Internet- und Tech-Konzerne wie Google, Apple, Samsung oder Amazon Bezahllösungen an, die das Einkaufserlebnis beim Internetshopping besonders bequem machen sollen. Wenn wir nicht zur beliebten Kreditkarte greifen, dann kommen in aller Regel PayPal oder die Bezahllösungen der genannten Akteure zum Einsatz. Stablecoins und Wallets sind der nächste konsequente Schritt der bestehenden Bezahlangebote.

Statt der alten Finanzinfrastruktur wird eine neue etabliert – die Token-Infrastruktur. Es passt zum Zeitgeist, das Smartphone-Banking, die Echtzeitabwicklung und 1-Klick-Lösungen weiter auszubauen. Für die Internetkonzerne ist dies eine riesige Chance, da sie ihre Stärken ausspielen können, sobald es zu digitalen Bezahlvorgängen mit dem Smartphone kommt. Die Funktion, als Zahlungsdienstleister zu fungieren, dient dabei nur als Mittel zum Zweck.

Soll bedeuten: Es geht weniger darum, mit den Transaktionen Geld zu verdienen, wie es gegenwärtig bei den Banken und Kreditkartenanbietern der Fall ist. Im Fokus steht vielmehr der effiziente Vertrieb eigener Produkte oder die Werbeschaltung für andere Unternehmen. Schließlich ist Werbung die Haupteinnahmequelle von Meta oder Google. Entsprechend groß ist hier der Anreiz, das Klick- beziehungsweise Kaufverhalten der Nutzerschaft maximal zu optimieren.

Silicon Valley: Auf das Ökosystem kommt es an

Die Wertschöpfung im Zahlungsverkehrssektor entfernt sich damit immer stärker von der eigentlichen Transaktion, deren Kosten immer weiter sinken – und damit auch die Margen der Finanzintermediäre. Schließlich sind die Dienstleistungen von Meta oder auch Google umsonst, da der Nutzer oder die Nutzerin selbst das Produkt darstellt. Die Verweildauer und Klicks der Nutzer und Nutzerinnen machen Meta und Google zu den größten Vertriebsplattformen der Welt. Im Idealfall verlassen Nutzer und Nutzerinnen das Plattformökosystem nicht mehr. Selbst dann nicht, wenn er auf vollkommen fremden Anbieterseiten unterwegs ist, aber zur Verifizierung oder zum Bezahlen auf die Dienste der aufgeführten großen Plattformkonzerne zugreift.

Dieser “Ökosystemansatz”, wie ihn die Plattformökonomie forciert, wird durch Token-Infrastrukturen weiter ausgebaut. Nutzer und Nutzerinnen können so durch Anreizsysteme wie Cashback oder “Punkte sammeln” für Rabatte sowie Dienstleistungen und Waren noch stärker an das eigene Netzwerk gebunden werden. Auch kann man sie in begrenztem Maße an dem Netzwerk partizipieren lassen, indem man an die Token bestimmte Zugangsberechtigungen knüpft oder gar die Nutzer und Nutzerinnen an der Netzwerkprosperität beteiligt.

Der Fantasie der Programmierer sind nur wenige Grenzen gesetzt. Mit Blick auf die Privatsphäre machen derartige Konzernwährungen die Nutzer und Nutzerinnen gegenüber den Unternehmen und den Staaten allerdings gläserner als je zuvor.

Jetzt weiterlesen
Geld – Die nächsten 10 Jahre: Wie der digitale Euro, die Krypto-Ökonomie und der Machtkampf zwischen China und den USA unser Finanzsystem revolutionieren
Du möchtest Kryptowährungen handeln?
Auf Bitpanda kannst du über 200 Kryptowährungen, sowie Edelmetalle handeln. Eine Plattform, sowohl für Einsteiger als auch erfahrene Investoren.
Zum Anbieter