Von rund 5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf mehr als 26 Milliarden US-Dollar im März 2026. Allein seit Ende 2024 hat sich das Volumen tokenisierter Real World Assets außerhalb von Stablecoins damit nahezu verdoppelt. Noch beeindruckender wird das Bild mit Stablecoins. Sie bringen den gesamten On-Chain-RWA-Markt inzwischen auf rund 300 Milliarden US-Dollar und erreichten 2025 ein Transaktionsvolumen von 33 Billionen US-Dollar. Während der restliche Krypto-Markt stagniert, entwickelt sich die Tokenisierung realer Vermögenswerte zu einem der wenigen Segmente mit echter Adoption.
“Distributed Value” vs. “Represented Value”
Wer sich mit Real World Assets beschäftigt, stößt schnell auf sehr unterschiedliche Marktgrößen. Das liegt vor allem daran, dass viele Dashboards zwei Kategorien vermischen. Gemeint sind “Distributed Value” und “Represented Value”.
Der Distributed Value beschreibt jene Vermögenswerte, die tatsächlich öffentlich auf einer Blockchain ausgegeben wurden, in Wallets liegen und innerhalb der jeweiligen Regeln transferierbar sind. Diese Kategorie ist für den Krypto-Markt besonders relevant, weil sie echte On-Chain-Nutzung, potenzielle Sekundärliquidität und DeFi-Kompatibilität widerspiegelt.
Der Represented Value ist deutlich größer, funktioniert aber anders. Hier werden Vermögenswerte On-Chain abgebildet oder registriert, häufig über institutionelle oder permissioned Netzwerke. Daraus entstehen aber nicht automatisch frei handelbare Token.
Der Distributed Value des RWA-Markts ohne Stablecoins liegt derzeit bei rund 27 Milliarden US-Dollar. Der Represented Value liegt bei über 342 Milliarden US-Dollar.
Stablecoins dominieren den Markt
So stark das Wachstum des RWA-Markts außerhalb von Stablecoins auch wirkt, das Schwergewicht des Marktes sind weiterhin Stablecoins. Sie machen mit ca. 300 Milliarden US-Dollar rund 92 Prozent aller tokenisierten Real World Assets aus.
Noch eindrucksvoller ist der Blick auf die Nutzung. 2025 erreichte das Transaktionsvolumen von Stablecoins rund 33 Billionen US-Dollar. Das ist ein Plus von 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im vierten Quartal 2025 wurden Stablecoin-Transaktionen im Wert von 11 Billionen US-Dollar abgewickelt.
USDT und USDC driften auseinander
Besonders spannend ist derzeit die Entwicklung an der Spitze des Marktes. Zum ersten Mal bewegen sich die beiden Stablecoin-Schwergewichte Tether und Circle strukturell in entgegengesetzte Richtungen.
USDT von Tether bleibt mit rund 174 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung zwar die Nummer eins, steht aber zunehmend unter Druck. USDC von Circle kommt mittlerweile auf 76,24 Milliarden US-Dollar und wächst weiter. Im Jahresvergleich liegt das Plus bei 72 Prozent. Circle profitiert dabei von regulatorischer Anschlussfähigkeit, starker institutioneller Distribution und wachsender Multi-Chain-Präsenz.
Der Kern dieser Entwicklung liegt in der Regulierung. In Europa ist MiCA inzwischen voll wirksam. Unter den zehn größten Stablecoins erfüllt nach den vorliegenden Angaben nur USDC die MiCA-Anforderungen vollständig. Das verschiebt die Marktstruktur. USDT dominiert weiterhin unregulierte Märkte, während USDC sich als bevorzugter Stablecoin in regulierten Umfeldern etabliert.
RWA-Markt außerhalb von Stablecoins
Der größte Bereich des RWA-Markts außerhalb von Stablecoins sind inzwischen tokenisierte US-Staatsanleihen und Geldmarktfonds. Das Segment ist auf rund 10 Milliarden US-Dollar angewachsen und gehört damit klar zu den erfolgreichsten Bereichen.
Die Logik dahinter ist einfach. Institutionelle Anleger suchen liquide, risikoarme und verzinste Instrumente, die sich digital und nahezu in Echtzeit abwickeln lassen. Zu den größten Angeboten gehört BlackRocks BUIDL mit 2,53 Milliarden US-Dollar Assets under Management. Das Produkt gilt als größter tokenisierter Fonds am Markt und hat bereits mehr als 100 Millionen US-Dollar an tatsächlichen Treasury-Erträgen an On-Chain-Investoren ausgeschüttet. USYC von Circle beziehungsweise Hashnote liegt bei rund 1,90 Milliarden US-Dollar und konnte BUIDL Anfang 2026 zeitweise überholen.
Maple treibt Wachstum von Private Credit
Neben Staatsanleihen zeigt sich das Wachstum auch in anderen Kategorien. Besonders groß ist weiterhin Private Credit. Dieses Segment macht mehr als 5 Milliarden US-Dollar aus und steht damit für einen erheblichen Teil des RWA-Markts außerhalb von Stablecoins. Plattformen wie Centrifuge oder Goldfinch gehören hier zu den zentralen Akteuren, dominiert wird das Feld jedoch von Maple Finance. Das Krypto-Projekt konnte im vergangenen Jahr ein massives Wachstum verzeichnen.
Gleichzeitig bündelt sich in diesem Bereich aber auch das Risiko. Denn wo Kredit geschaffen wird, gibt es Ausfälle, Restrukturierungen und operative Gegenparteirisiken. Die Tokenisierung ändert nichts daran, dass schlechte Kreditqualität auch On-Chain problematisch bleibt. Bislang ist der Sektor jedoch bemerkenswert stabil.
Rohstoffe und Aktien als Wachstumsfelder
Vor dem Hintergrund der extremen Edelmetall-Rallye ist es wenig verwunderlich, dass auch Rohstoffe wachsen. Tether Gold und Paxos Gold dominieren das Segment. Die gesamte Kategorie tokenisierter Commodities liegt bei rund 7,6 Milliarden US-Dollar.
Noch klein, aber strategisch hochinteressant, sind tokenisierte Aktien. Der Bereich liegt derzeit bei rund 1 Milliarde US-Dollar. Im Verhältnis zum globalen Aktienmarkt ist das verschwindend gering, doch das Momentum nimmt deutlich zu. Die US-Börsenaufsicht SEC hat nun eine Regeländerung genehmigt, die es der Nasdaq erlaubt, den Handel mit tokenisierten Aktien zu unterstützen. Teilnehmer eines Pilotprogramms der Depository Trust Company können Aktiengeschäfte so künftig in tokenisierter Form abwickeln, wobei dieselben Orderbücher, dieselbe Ausführungspriorität und dieselben Aktionärsrechte wie bei klassischen Wertpapieren gelten.
Das ist ein wichtiger Schritt, weil tokenisierte Aktien bislang meist nur über spezialisierte Plattformen und häufig außerhalb des US-Marktes zugänglich waren. Wenn große Börsen und zentrale Marktinfrastruktur beginnen, solche Produkte in regulierte Abläufe einzubetten, rückt der RWA-Sektor noch stärker in den Fokus institutioneller Investoren.
Ethereum und Canton dominieren
Auch bei der Frage, auf welchen Netzwerken RWAs liegen, zeigt sich eine klare Zweiteilung. Beim Represented Value dominiert Canton mit großem Abstand. Das Netzwerk ist auf institutionelle Anwendungsfälle ausgelegt und wird vor allem dort relevant, wo regulierte Marktteilnehmer bestehende Finanzprozesse auf Blockchain-Schienen abbilden wollen, ohne sich vollständig in offene Krypto-Märkte zu begeben.
Die hohe Summe auf Canton zeigt deshalb vor allem, wie stark das Interesse traditioneller Finanzakteure an tokenisierter Infrastruktur inzwischen ist. Sie sagt aber nur begrenzt etwas darüber aus, wie viel dieser Werte tatsächlich in öffentlichen On-Chain-Märkten zirkuliert.
Beim Distributed Value führt Ethereum klar mit rund 15,5 Milliarden US-Dollar. Dahinter folgen BNB Chain, Liquid Network und Solana. Ethereum profitiert dabei von seiner Rolle als Standardnetzwerk für tokenisierte Fonds, Treasuries, Private Credit und Rohstoffe. Hinzu kommt, dass viele institutionelle Emittenten und Infrastrukturanbieter bereits auf Ethereum-kompatible Standards, etablierte Custody-Lösungen und bestehende DeFi-Schnittstellen setzen.
Diese Kombination aus Marktakzeptanz, technischer Reife und Anschlussfähigkeit an bestehende Kapitalmärkte macht Ethereum bislang zur mit Abstand wichtigsten Blockchain für tokenisierte Vermögenswerte.
Regulierung und Liquidität als Baustellen
So stark die Fortschritte auf Produkt- und Infrastrukturseite sind, so klar sind auch die offenen Probleme. Das größte davon bleibt die Liquidität. Viele Emittenten tokenisieren bislang nicht, um aktiv gehandelte Märkte aufzubauen, sondern vor allem zur Kapitalbeschaffung oder operativen Effizienz. Der Sekundärmarkt bleibt in vielen Segmenten dünn. Es gibt also Token, aber oft noch zu wenig Käufer und Verkäufer, um daraus wirklich tiefe Märkte zu machen.
Auch regulatorisch ist noch längst nicht alles geklärt. In den USA war der GENIUS Act im Jahr 2025 ein Meilenstein für Stablecoins. Damit existiert erstmals ein umfassender regulatorischer Rahmen für Payment-Stablecoins – der CLARITY Act steht jedoch weiter aus. In Europa setzt MiCA den Rahmen, doch sie erhöht auch die Eintrittsbarrieren und verschärft die globale Fragmentierung.
Insgesamt ist der Markt an einem Punkt angekommen, an dem die grundlegende Richtung kaum noch infrage steht. Offen ist heute vor allem, wie schnell sich die nächsten Entwicklungsschritte materialisieren und welche Akteure am meisten von der Entwicklung profitieren. Angesichts des bisherigen Erfolgs von Perpetual Futures für Aktien und Rohstoffe könnte gar Perps-DEX Hyperliquid einer der größten Gewinner der Verschmelzung von TradFi und Krypto werden.
