Der Fall Prometheum Spielt die SEC mit faulen Tricks?

Der brisante Fall der Krypto-Handelsplattform Prometheum sorgt für Verwirrung und Skepsis in der Community. Was es damit auf sich hat.

Johannes Macswayed
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Prometheum SEC

Beitragsbild: Shutterstock

| Der Fall Prometheum macht viele in der Krypto-Community stutzig

Nach einer Anhörung im US-amerikanischen Repräsentantenhaus zum Thema Regulierung von digitalen Assets macht ein Name die Runde: Prometheum. Denn die Rolle des bisher unbekannten Krypto-Unternehmens in der jüngsten Sitzung des Financial Services Committee wirft einige Fragen auf.

Im Zuge der Sitzung sollten Expertenaussagen zum Stand der Regulierung gehört werden, darunter Meinungen von Circle-Chef Jeremy Allaire und Avalanche Gründer Emir Gün Sirer. Vonseiten der Demokraten war Aaron Kaplan als Vertretung von Prometheum geladen. Sein Auftreten halten einige Beobachter indes für äußerst kurios.

Handelsplattform ohne Handel

Kaplan ist CEO von Prometheum, einer Krypto-Handelsplattform, von der scheinbar niemand in der Branche zuvor gehört hatte. Das Unternehmen erlangte jedoch schon 2017 eine Lizenz von der SEC, womit auch auf der Website geworben wird. Dort heißt es zudem, Prometheum biete eine Lösung zum Investieren in “Digital-Asset-Wertpapiere” – zusammen mit dem nötigen “Schutz von Investoren”.

Der Haken: mit ihrer aktuellen Lizenz kann Prometheum die beiden größten und beliebtesten Kryptowährungen, Bitcoin und Ether, gar nicht zum Handel anbieten. Und überhaupt: Auf der Plattform gehandelt werden dürfen laut Lizenz nur “Krypto-Wertpapiere”. Demnach müssten Krypto-Projekte ihre Token bei der SEC erst als Wertpapiere registrieren, ehe Prometheum den Handel damit anbieten darf. Die vermeintliche Krypto-Börse ist im Moment also effektiv eine Handelsplattform ohne echten Handel. Oder wie ein Mitarbeiter in der Rechtsabteilung bei Paradigm findet: “ein Fahrrad ohne Räder“.

Vor dem Komittee sagte Aaron Kaplan aber mit Überzeugung aus, dass Prometheum einen klaren Weg der regulatorischen Einhaltung gehe und mit den Richtlinien der SEC einverstanden sei. Wie sich im Laufe der Anhörung unter Fragen von Repräsentant Mike Flood aber herausstellte, hatte Kaplans Unternehmen selbst noch vor wenigen Jahren die Unklarheit in Sachen Krypto-Regulierung bemängelt. Woher der Sinneswandel?

Fragwürdige Vergangenheit

Die Aussagen Kaplans sorgen für Skepsis in der Krypto-Community. Ungereimtheiten finden sich scheinbar an jeder Ecke. Gemini-Gründer Cameron Winkelvoss macht darauf aufmerksam, dass just am Tage der Anhörung SEC-Chef Gary Gensler im Interview mit dem Wall Street Journal behauptet, dass “einige [Krypto-Plattformen] sich registriert” hätten und die derzeitigen Richtlinien anerkennen würden. Könnte er Prometheum gemeint haben?

Fraglich scheint auch, warum ausgerechnet dieses Unternehmen als Aushängeschild für die Einhaltung der Vorgaben im Krypto-Sektor vorgeladen wurde. Zumal es bisher unter dem Radar flog und Coinbase oder Kraken sicher mehr Erfahrungen aus dem Krypto-Tagesgeschäft hätte teilen können. Einige Beobachter deuten auf ominöse Machenschaften im Hintergrund hin. So hätte Kaplan während seiner Aussagen den Eindruck erweckt, vorgefertigte Statements abgelesen zu haben. Andere Beobachter im Saal wollen zudem gesehen haben, wie der CEO mehrfach Zettel aus dem Publikum gereicht bekam.

In der Folge rückt die Vergangenheit des Unternehmens in den Fokus. Wie Matt Walsh, Partner bei CastleislandsVC, herausgefunden haben will, hat Prometheum fragwürdige Verbindungen zu chinesischen Brokern, die an diversen Krypto-Scams beteiligt waren. Zudem besteht angeblich ein weiterer Draht zu einem Versicherer, der von der SEC selbst wegen Betruges belangt wurde. Kaplan sei außerdem Teil einer Anwaltskanzlei, deren Gründungsmitglied einst selbst bei der SEC tätig war und seinen Lebenslauf gefälscht haben soll. So der Anwalt für Unternehmensrecht und bekannte Krypto-Kommentator, Adam Cochran. Große Teile des Prometheum-Teams bestehen sogar aus ehemaligen Mitarbeitern der Finanzbehörden, wie Cochran behauptet.

Prometheum – Skandal in der Mache?

Ob eine Ansammlung kurioser Zufälle oder Teil einer schlecht inszenierten Agenda gegen den Krypto-Sektor – der Fall Prometheum erscheint wahrlich bizarr. Sollten sich die fragwürdigen Verbindungen des Unternehmens bewahrheiten, kämen die Demokraten mit ihrer Wahl des Zeugen, als auch die SEC mit der Erteilung einer Lizenz für Prometheum, in Erklärungsnot. Doch hat auch die Krypto-Community großes Interesse daran, das SEC-konforme Unternehmen zu diskreditieren.

Fakt ist, dass Prometheum der derzeitige Regulierungskurs der SEC in die Hände spielen würde. Denn sofern sich viele Krypto-Token bei der US-Börsenaufsicht als Wertpapiere registrieren müssten, hätte das Geschäft der Firma nicht nur wieder Substanz, sondern vermutlich auch eine Monopolstellung. Prometheum wäre demnach eine der wenigen, wenn nicht der einzige, lizenzierte “Broker-Dealer” für Krypto-Wertpapiere in den USA, womit eine enorme Marktmacht gegeben wäre. Das Eigeninteresse des Unternehmens in der Regulierungs-Debatte ist damit nicht zu ignorieren. Ob es wirklich von der SEC begünstigt wird, bleibt aber zunächst Spekulation. Wie Prometheum angesichts seiner umstrittenen Vergangenheit zu seinem Platz in der Anhörung kam, ist derweil unklar. Wohin die kuriose Saga nun führt, ebenfalls.

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