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Undercover So gut ist die Krypto-Beratung der Volksbank

Die Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG ist ein Bitcoin-Maxi. Wie Autor Dominic Döllel darauf kommt? Er hat die Beratung der klassischen Bank mit seiner 85-jährigen Oma getestet.

Dominic Döllel
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Volksbank

Beitragsbild: Shutterstock

| Die Volksbank bietet eine Krypto-Beratung an. Wir haben sie getestet.

Nach einer nervenaufreibenden Fahrt ins oberbayerische Pfaffenhofen stehe ich vor der VR Bank Hallertau. Ich möchte über Bitcoin informiert werden. Mit dabei meine Oma. Sie macht sich schon länger Gedanken zur aktuellen geldpolitischen Situation und möchte investieren. Der Berater ist dann aber kurzfristig krank, wie man uns im Foyer der Bank verrät. Das Bitcoin-Informationsgespräch für satte 99 Euro wird uns daraufhin online angeboten.

Zurück in Berlin erkläre ich meiner Oma dann am Telefon, wie ein digitales Beratungsgespräch funktioniert und wie sie daran teilnehmen kann. Altkanzlerin Angela Merkel nannte so was mal “Neuland”.

Was sind Bitcoins und wie funktionieren die?

Pünktlich um 16.30 Uhr treffe ich einen der drei Bitcoin-Experten der VR Bank. Meine Oma hat es leider nicht geschafft. Wir hoffen, sie stößt noch zu uns. Mir wird klargemacht, dass es sich beim Gespräch nur um die Zuführung von Informationen handelt und sich diese auch ausschließlich auf die “größte Kryptowährung, den Bitcoin” beziehen. Zu Beginn werde ich nach meinen Erfahrungen gefragt. Ich gebe an, fast nichts zu wissen.

Das Gespräch soll 60 Minuten dauern und wird mit einem Bitcoin-Crashkurs eröffnet. Bitcoin sei wie Gold: ein Wertspeicher. Eine Transaktion auf der Blockchain-Technologie, so der Bankangestellte, könne mit einer Eintragung ins Grundbuch verglichen werden. Ein Bild auf der Folie zeigt mehrere Smartphones. Ein Pfeil deutet ganz unten auf ein altes Tastengerät. “Wenn wir Bitcoin mit dem Internet vergleichen, stehen wir noch am Anfang der 90er wie mit dem Nokia-Handy. Wir gehen davon aus, dass sich die Technologie wie das Internet entwickeln wird. Wir sehen für die Technologie relativ viel Potenzial.”

Anschließend bekomme ich Einblicke in die Dezentralität des Bitcoin-Netzwerks und erfahre, wie eine 51-Prozent-Attacke funktioniert. Es gäbe ein System aus miteinander verbundenen Computern, die Bitcoin-Blöcke finden und gleichzeitig die Dezentralität steigern. Ziemlich informiert, denke ich mir.

Podcast

Wie aus Bankberatern Bitcoin-Maximalisten werden

Bereits 30 Minuten im Gespräch. Meine Oma hat sich bisher nicht gemeldet. Ich habe gelernt, wie Private Keys und Bitcoin-Adressen funktionieren. Auf meine Frage, wie viele Kryptowährungen es überhaupt gibt, meint mein Gegenüber: “Das geht in den vierstelligen Bereich. Die gibt es wie Sand am Meer.” Ganz richtig ist diese Information nicht. Statista zufolge sind es für den Monat Juli 2022 schon 10.894.

Er erklärt, wieso die VR Bank Bayern Mitte eG nur auf die Kryptowährung Nummer eins setzt. Bitcoin hätte mit Abstand die meisten Teilnehmer und sei wegen der Dezentralität das sicherste und zensurresistenteste System der Welt. Es “ist noch nicht einmal ausgefallen”.

Um zu verdeutlichen, wie knapp die Kryptowährung ist, zieht er die Ressource Gold hinzu und beschreibt sogar die Halving-Events beim Bitcoin. Ich bin beeindruckt. Ich möchte wissen, wieso die Raiffeisenbank Bitcoin anbietet, “der direkte Konkurrent, die Sparkasse, ruderte ja im Zuge des jüngsten Abverkaufs am Markt zurück”. Er lacht.

“Grundsätzlich ist es so, dass viele Kunden bei uns angefragt haben, ob wir Bitcoin anbieten. Da dachten wir, wir müssen das jetzt anbieten.” Einige Mitarbeiter hätten schon vorher investiert und würden sich auskennen. Der Bitcoin-Experte Joe Martin wurde “eingekauft” und diene der Bank als Berater. Plötzlich reißt die Verbindung ab.

Memes im Beratungsgespräch

Nach kurzer Zeit bewegt sich auf meinem Bildschirm wieder etwas – es kann weitergehen. Das Thema Sicherheit im Krypto-Space kommt auf. Der sympathische, bayerische Berater aus der örtlichen VR Bank erklärt mir eines der beliebten Bitcoin-Memes – ja, sogar das Leitmotiv: “Not your keys, not your coins.”

Mindestens dreimal weist er mich darauf hin, meine Private Keys niemals online zu
speichern und sie auch sonst sorgfältig und gewissenhaft aufzubewahren. Stichwort: Cold Wallet. Eindrucksvoll.

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Mittlerweile ist es 17.30 Uhr, der Lärm der vorbeifahrenden S-Bahnen stört den Gesprächsfluss. Ich schließe das Fenster. Noch keine Spur von meiner Oma. Natürlich ist das BIG nicht die einzige Leistung, die die VR Bank auf Bitcoin-Basis anbietet. Während des Gesprächs bekomme ich immer wieder die VR-BitcoinGoCard zu sehen. Die Karte,
hergestellt von der Österreichischen Staatsdruckerei (OeSD), soll als Cold Wallet für Einsteiger und Laien funktionieren. Zusammen mit der App und dem BitcoinGo-Handelsportal kann man Bitcoin kaufen, verkaufen und sich den investierten Betrag ansehen. Ab 25 Euro kann man Satoshis kaufen. Ja, auch den Unterschied zwischen Bitcoin und Satoshis kennt mein Gesprächspartner.

Im Herbst soll eine Sparplan-Funktion kommen. Die Karte kostet einmalig 39 Euro. Ein Girokonto bei der VR Bank Bayern Mitte eG ist allerdings zwingend notwendig. Um die Karte sicher zu verwahren, wird ein Schließfach bei der Bank empfohlen. Also doch wieder zentralisiert?

Mir werden neben der hauseigenen Lösung aber noch andere Produkte vorgestellt. Die Bitbox02 findet ihren Platz und auch der Ledger darf nicht fehlen. Ich vernehme ein quietschendes Geräusch. Kam das von mir oder spielt 500 Kilometer entfernt ein kleines Kind zu den Füßen des Bankiers? Für meine Private Keys kann ich im Onlineshop zwei unterschiedliche Steel Wallets kaufen.

Am Ende möchte ich wissen, wie man in der Bank zu den gängigen Vorurteilen steht. Bitcoin würde nur von Kriminellen benutzt werden, der Stromverbrauch sei viel zu hoch. Viel diskutierte Themen, sogar im EU-Parlament. Der Bayer weist die Anschuldigungen zurück und erklärt mir, dass nur “dumme Kriminelle Bitcoin benutzen würden”. Auf der Blockchain sei schließlich alles einsehbar und werde für immer gespeichert. Behörden könnten also jede Wallet-Adresse, die mit der Straftat zusammenhängt, ausfindig machen und die Person dahinter ermitteln. “Deswegen brauchen Sie ja auch ein Girokonto mit
ihren Daten”, meint er. “Damit wir sie im Zweifelsfall zuordnen können.” Er lacht.

Auch auf meine Frage nach dem hohen Energieverbrauch reagiert er gelassen. Er erklärt mir, dass das Bitcoin-Netzwerk zwar viel Strom verbrauche, dafür dieser aber schon zu “zwei Dritteln” aus erneuerbaren Energien bestünde. Damit wäre es der sauberste Industriesektor weltweit.

Mittlerweile bin ich von der Expertise meines Beraters überzeugt. Auch diese 60 Prozent
lassen sich in der “Global Bitcoin Mining Data Q2 2022 Review” des Bitcoin Mining Council wiederfinden.

Investieren da auch alte Menschen?

Um 17.54 Uhr verabschieden wir uns. Als ich mich bedanken möchte, quietscht es wieder, wir verziehen beide das Gesicht und meine Oma meldet sich plötzlich.
“Servus, ich war die ganze Zeit dabei”, meint sie. Vertieft in unser Gespräch hatten wir nicht bemerkt, dass sie schon am Anfang beigetreten war. Ihr Bild ist aus. Wir lachen.

“Ich habe jetzt auch noch zwei Fragen, investieren da auch alte Menschen?”, prescht sie vor. Kurz aus dem Konzept gebracht, antwortet er, dass sehr wohl auch Senioren von der Technologie überzeugt seien und über die VR Bank investieren würden. Die zweite Frage bezieht sich auf die Verteilung der Anleger. Meine Oma möchte wissen, ob “Bitcoin bloß kleine Anleger kaufen oder auch große Firmen investieren”. Er lacht.

“Kennen Sie den Musk, den von Tesla?”, fragt er. Mit seinem Unternehmen hatte der reichste Mann der Welt, Elon Musk, Bitcoin gekauft, verkauft und wieder gekauft. Im zweiten Quartal musste er wieder verkaufen, um der Firma wieder mehr Liquidität zu garantieren.

Im Nachhinein erzählt mir meine Oma, dass sie das Gespräch “echt ganz gut gefunden hat und dem Berater sehr dankbar” sei. Selbst bei meinem Opa, überzeugter BMW-Aktien-Hodler, scheint das Interesse geweckt worden zu sein.

Fazit

Das Bitcoin-Informationsgespräch der VR Bank Bayern Mitte eG bietet Anfängern einen wertvollen Einstieg ins Thema. Der Berater hatte ein erstaunliches Maß an Expertise. Für echte Bitcoiner bietet der Austausch allerdings keinen Mehrwert. Es werden lediglich die ersten Seiten eines riesigen Buchs beleuchtet. Laien wie meine Oma, die durch die Informationen und allgemein eher negative Haltung der Bevölkerung geprägt sind, öffnet das Gespräch die Augen. Mit der VR Bank, ich wage es kaum zu glauben, kann man also durchaus auch ins “Rabbit Hole” fallen.

Disclaimer: Dieser Artikel erschien bereits in der Oktober-Ausgabe des BTC-ECHO Magazins. Hier entlang geht’s zum Shop.

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