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Kristina Walcker-Mayer im Interview Entlassungswelle bei Nuri – Wie es mit der Krypto-Bank nun weitergeht

Die Entlassungswelle im Start-up-Sektor hat nun auch die Berliner Krypto-Bank Nuri erfasst. 20 Prozent der Belegschaft müssen gehen. Im Gespräch mit BTC-ECHO erklärt Nuri-Geschäftsführerin Kristina Walcker-Mayer unter anderem, wie sie die aktuelle Marktlage einschätzt und wie die Personalentlassungen im Unternehmen umgesetzt werden.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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Kristina Walcker-Mayer

Beitragsbild: Nuri

Tech-Aktien und Kryptowährungen haben seit Jahresanfang oft 50 Prozent und mehr ihres Kurswertes eingebüßt. Ebenjene Korrektur scheint sich nun auch auf die Bewertungen der Start-ups niederzuschlagen. Jüngst haben sich Meldungen gehäuft, dass Start-ups und Fintechs hinsichtlich ihrer Bewertungen und Fundings zunehmend unter Druck geraten. Klarna ist so ein Beispiel oder das Banking-Start-up Kontist. Mit Nuri trifft es jetzt das Berliner Krypto-Vorzeige-Start-up, das vor allem im vorherigen Jahr mit starken Wachstumszahlen glänzen konnte.

Vergangene Woche wurde dann bekannt, dass Nuri rund 20 Prozent beziehungsweise 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen muss – BTC-ECHO berichtete.

Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer geht offen mit der Belastung der letzten Tage um. Sie macht keinen Hehl daraus, wie anstrengend es war, hinter verschlossenen Türen den Strategiewechsel zu planen. Sichtlich erleichtert ist sie darüber, “nun wieder auf 100 Prozent Transparenz zurückzukehren”.

Im Gespräch gewährt die CEO tiefe Einblicke in die Situation, in der sich Nuri – und die Start-up-Szene allgemein – derzeit befindet.

Nuri: Neubewertung notwendig?

Die Stellenkürzungen legen nahe, dass Nuri zeitnah frisches Kapital benötigt. Blickt man auf die bilanziellen Kennziffern, wie es das Magazin Finanz-Szene vor ein paar Tagen gemacht hat, dann kommen Zweifel über die ausreichende Kapitalausstattung auf. Das brachiale Wachstum – Skalierung, wie es so schön heißt – geht schließlich auch mit einer signifikanten Burnrate einher.

Den aktuellen Stand des Fundingprozesses möchte Kristina Walcker-Mayer nicht kommentieren. Sie versichert aber, dass man sich in einem permanenten Austausch mit Investoren befinde. Ob die Krypto-Bank Nuri, die in der letzten Finanzierungsrunde mit angeblich 144 Millionen Euro (Summe unbestätigt) bewertet wurde, eine sogenannte Flat- oder Downround (Bewertung stagniert oder nimmt sogar ab) hinnehmen muss, bleibt verständlicherweise unbeantwortet. Denkbar wäre es im aktuellen Marktumfeld allemal. 

Wagniskapitalgeber sortieren sich neu

In der aktuell schwierigen Makrolage wünscht sich die Nuri-Geschäftsführerin vor allem mehr Klarheit. Gegenüber BTC-ECHO sagt Walcker-Mayer: “Was man durchaus merkt, ist, dass sich die Parameter geändert haben, was ein attraktives Start-up in unserer Stage ausmacht. Generell wurde diese Entwicklung im VC-Markt in Deutschland noch nicht ausführlich thematisiert.” Da sei die Diskussion in den US-Medien schon weiter fortgeschritten.

Aus diesem Grund hätten sie bei Nuri auch versucht, in ihrem Brief einzuordnen, was es unter anderem für die Finanzierung von Start-ups bedeutet, wenn das Kapital teurer wird respektive die Leitzinsen signifikant ansteigen und ein Ukraine-Krieg die Investoren verunsichert.

Die teils überzogenen Bewertungen der letzten Jahre treffen nun auf eine neue Realität. “Bereits im letzten Jahr hatte man schon darüber gesprochen, dass die Preise, die für einige Start-ups gezahlt wurden, eigentlich gar nicht mehr durch die Umsatzprojizierung der nächsten Jahre gerechtfertigt werden könnten”, erklärt Kristina Walcker-Mayer im Gespräch mit BTC-ECHO. Ebenjene Nachfrage hat indessen aber eine abrupte Bremsung hingelegt, wie sie weiter ausführt: “Vor allem in den USA besteht die Sorge, dass wir in eine Rezession hineinkommen, wie zur Dotcom-Bubble. Doch auch, wenn VCs in Deutschland noch etwas optimistischer sind, ist die Unsicherheit enorm. Sie halten sich vor größeren Runden fern und sichern lieber ihre bestehenden Portfolios an Start-ups ab.” Als Folge dessen hält die Nuri-Geschäftsführerin es für wahrscheinlich, dass einige Start-ups in den kommenden 24 Monaten eine Flat- oder Downround hinlegen müssen.

Mehr als Kurse: Infrastruktur bleibt

Aufgrund der massiven Kurskorrekturen bei Kryptowährungen ist es naheliegend, dass Krypto-Start-ups aktuell besonders stark unter Druck geraten. Kristina Walcker-Mayer ist es allerdings wichtig, darauf hinzuweisen, dass man nicht eine ganze Branche über einen Kamm schert. Sie sagt: “Es gibt viele Unternehmen, die die Infrastruktur von morgen aufbauen, dazu zählen Blockchain Finance und Web 3.0. Den Wert, der hier geschaffen wird, muss man daher auch mal losgelöst von der Entwicklung der Kryptokurse betrachten.”

Nuri: So hat man die Stellenkürzungen durchgeführt

Auf die Frage, welche Auswirkungen die Stellenkürzungen auf das Unternehmen haben, erklärt die Nuri-Chefin, dass man einzelne Themen, die man im Zuge der starken Skalierung forciert hatte, nun in Teilen parkt. “Wir haben geschaut, auf welche Themen es in den nächsten sechs Monaten wirklich ankommt und wo man am ehesten von loslassen kann. Da wir nicht wissen, wie lange das schwierige Makroumfeld anhält, nehmen wir erstmal alles vom Tisch, was wir nicht heute brauchen, um schnell profitabel zu werden.”

Um dennoch die Unternehmensweiterentwicklung nicht zu vernachlässigen, setzt man vor allem auf eine Neuorganisation von Projekten. “Was wir nicht gemacht haben, ist pauschal aus jeder Abteilung 20 Prozent der Stellen zu kürzen. Stattdessen haben wir einen Plan beziehungsweise eine neue Strategie erarbeitet und die Teams neu zusammengestellt.”

Ausblick für 2022

Dass das bisherige Jahr 2022 für die Krypto-Branche nicht einfach ist, ist kein Geheimnis. Mit niedrigeren Investmentvolumina seitens der Retailkunden sieht sich auch Nuri konfrontiert, wie Walcker-Mayer zugibt. “Allerdings ist dieser Rückgang bei uns nicht so stark, wie wir es auf manch anderen Plattformen sehen, wo besonders das aktive Traden incentiviert wird”, betont die CEO. Schließlich setze man vom Produktangebot eher auf langfristiges und regelmäßiges Investieren, das weniger stark von der Marktsituation betroffen ist. Auch profitiere man davon, dass immer mehr Kunden das klassische Bankkonto nutzen, losgelöst von den Krypto-Dienstleistungen. 

“Wären wir damals, also in 2019, vor den Alltimehighs, schon in Krypto eingestiegen…”, ist ein Satz, den die Nuri-Geschäftsführerin in der letzten Zeit häufig von VC-Investoren und Retailkunden hört. Die vergleichsweise günstigen Kurse dürften daher auch immer mehr Krypto-Interessierte zum Nachkauf beziehungsweise Einstieg in den Kryptosektor bewegen. Da ist sich Kristina Walcker-Mayer sicher.

Kunden von Nuri bräuchten sich jedenfalls keine Sorgen zu machen. Die Krypto-Bank unterliege höchsten regulatorischen Standards. Die Einlagen seien zu jeder Zeit gesetzlich zu 100 Prozent abgesichert, versichert Walcker-Mayer.

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