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Nightshade und Sharding Near startet mit Stake Farming

NEAR ist mit dem Sharding-Projekt “Nightshade” die erste Proof-of-Stake-Blockchain, die es ihren Teilnehmenden ermöglicht, Belohnungen in mehr als einer Token-Art ausgezahlt zu bekommen. Was hat es damit auf sich?

Marlene Müller
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Near Farming

Beitragsbild: Picture Alliance

Das Near-Protokoll implementierte am 14. Januar Stake-Farming-Verträge auf der hauseigenen Second-Layer-Lösung Aurora. Ziel dieser Einführung ist es laut der Near Foundation, das Netzwerk weiter zu dezentralisieren. Mittels des Stake Farmings sollen Validatoren eine “aktivere Rolle bei der Unterstützung neuer und aufkommender Projekte” bekommen.

Wie ist Stake Farming?

Der Vorschlag der Near Foundation kombiniert die unterschiedlichen DeFi-Verdienstmöglichkeiten neu. Ein Entwickler sagt diesbezüglich BTC-ECHO gegenüber:

Stake Farming ist ein leistungsfähiges neues Verfahren, das Yield-Farming-ähnliche Verteilung, Staking zur Gewährleistung der Netzwerksicherheit und Kapitalbildung kombiniert.

Near-Entwickler, 4. Februar 2022

Laut eines Blogbeitrags bekommen sogenannte Delegierte die Möglichkeit, ihre NEAR Token an Validatoren zu übertragen, damit diese damit staken können. Dabei bekommen die Delegierten Anteile vom Staking Reward ausgezahlt. Der Reward beschränkt sich mit Stake Farming – je nach Projekt – jedoch nicht mehr auf NEAR Token, stattdessen sollen bei Stake Farming mehrere und teils unterschiedliche Token zurückgezahlt werden können.

Gegenüber BTC-ECHO sagt ein Near-Entwickler, der anonym bleiben möchte:

Die Projekte entscheiden, welche Token sie verteilen und welchen Prozentsatz der eingesetzten Belohnungen sie behalten wollen (0 bis 100 Prozent). Staker behalten immer ihr gesamtes Guthaben und verdienen auch die Projekt-Token. Die Staker müssen die Token manuell einfordern und können sich auch dagegen entscheiden, wenn sie das wünschen.

Dem Blogbeitrag zufolge hätte das einen entscheidenden Vorteil:

Das gibt NEAR-Validatoren die einzigartige Gelegenheit, mehr Kapital anzuziehen und gleichzeitig sicherzustellen, dass neue und wachsende Projekte an der Netzwerksicherheit teilnehmen. Diese Projekte können somit zugleich ihren Bekanntheitsgrad gegenüber Delegierten steigern.

Near-Blogbeitrag, 14. Januar 2022

Im Krypto-Space ist es ein bekanntes Vorgehen, mittels innovativer Ideen Formen des Yield-Farmings attraktiver für Staker zu gestalten. Auch Projekte wie Avalanche und Terra konnten so in der Vergangenheit neue Validatoren gewinnen und mehr Liquidität auf der Plattform generieren. In beiden Fällen wurde somit das Wachstum der Transaktionen, des Total Values und der Projekte an sich angestoßen.

NEAR Tokenomics und der Delegated Threshold Proof of Stake

Wer seine NEAR Token jedoch nicht verwenden möchte, um aus ihnen unterschiedliche Token zu generieren, kann sich mit ihnen auch am Konsensmechanismus beteiligen. Mit einem Stake von etwa 3,3 Millionen NEAR, dem sogenannten “Threshold” (zu Deutsch “Schwelle”), kann man zu einem Validator des Netzwerks werden. Dieser Threshold wird der Nachfrage angepasst: Je mehr Personen Validatoren sein möchten, desto höher die Schwelle. Der Stake dient typischerweise als Versicherung des Netzwerks und wird bei betrügerischem Verhalten verbrannt.

Doch auch Besitzer:innen mit kleineren Beträgen haben als Delegierte die Chance, daran zu partizipieren. Kostenlos können sie eine beliebige Menge an NEAR Token zu einem Validator delegieren. Hierbei ist keine Mindestmenge festgelegt. Dabei müssen die Deligierten keine Sorge vor einem möglichen Verlust haben. Selbst wenn der Validator einen Betrugsversuch startet, werden die geliehen Coins zurücktransferiert und nicht zerstört.

Aktuell liegt der Staking Reward zwischen zehn und zwölf Prozent und kann nach drei Epochen (à etwa 12 Stunden) Sperre sowohl von Validatoren als auch von Delegierten abgerufen werden.

Darüber hinaus dienen die Token auch als Governance-Anteile. Bei Near gilt: “One Token, one Vote”. Interessant ist hierbei, dass sich die Near Community in sogenannten “Guilds” organisiert. Jede Gilde, ähnliche einer Abteilung in einem Unternehmen, arbeitet dabei an unterschiedlichen Vorschlägen für Verbesserungsmöglichkeiten.

Außerdem dient NEAR der Durchführung der Transaktionen im System. Dabei ist die Untergrenze des Transaction Rewards auf 30 Prozent festgelegt. Somit soll sichergestellt werden, dass die Durchführenden sich nicht gegenseitig unterbieten, abwandern und die Dezentralität des Systems abnimmt.

Near ist verständlich und kompatibel

Dass Near mit diesen ausgefeilteren Strukturen auftritt, liegt nicht nur daran, dass die Blockchain erst seit 2020 live ist. Das Protokoll wurde von Alex Skidanov (ehemalig bei Microsoft) und Illia Polosukhin (ehemalig bei Google) entwickelt, um ein zugängliches neues Internet auf Blockchain-Basis zu ermöglichen. Dazu definierten die Gründer unter anderem Design-Prinzipien, die voraussetzen, dass die Handhabung der Plattform stets nutzerfreundlich und verständlich ist.

Aurora, die Second-Layer-Lösung Nears, ist so gebaut, dass sie kompatibel mit der Ethereum Virtual Machine ist. Zudem kann man auf Aurora mit ETH bezahlen. Dadurch können Entwickler:innen ihre auf Ethereum gebauten Projekte relativ einfach auf die Near Blockchain übertragen. Das ist insbesondere in Zeiten von teuren und langsamen Transaktionen auf Ethereum ein ansprechendes Angebot.

Near Projekte
NEAR Projekte, Quelle: NEAR Mates

Für eine Verbindung zwischen Near, Aurora und Ethereum haben die Entwickler:innen die “Rainbow Bridge” programmiert. Mithilfe dieser soll in den kommenden Monaten auch eine Brücke zum Cardano-Protokoll über Ardana (DANA), dem Stablecoin Hub der Kryptowährung, gebaut werden.

Sharding-Technologie als Vorteil im Konkurrenzkampf

Near ist ein First-layer-Protokoll, genau wie Ethereum oder Bitcoin. Aktuell rollen die Entwickler:innen mit “Nightshade” eine besondere Form des Shardings aus, um die Geschwindigkeit der einzelnen Transaktionen zu erhöhen. Durch die Aufsplittung der Validierungsteilnehmer:innen in sogenannten “Shards” soll Nightshade bei seiner vollständigen Implementierung im zweiten Quartal 2023 auch auf mobilen Endgeräten die Teilnahme am Konsensmechanismus ermöglichen. Ziel der Integration ist weiter, dass die Blockchain auch in Zukunft schlank bleibt, gleichzeitig jedoch schneller und preiswerter wird.

Die Implementierung von Nightshade findet in einzelnen Phasen statt. Aktuell befindet sich die Technologie in ihrer ersten Phase, dem “Simple Nightshade”. In einem Medium-Beitrag heißt es dazu:

Stellen Sie sich NEAR ursprünglich als eine einzige Kassenschlange vor. NEAR hat jedoch heute schon mehrere Kassenlinien. Das Simple-Nightshade-Upgrade führt zu einer noch höheren Anzahl an Kassen und somit Transaktionen im Netzwerk. Diese werden je nach Bedarf geöffnet, erhöhen somit den Durchsatz und verringern die Netzwerkbelastung.

“How NEAR’s Simple Nightshade Works”, 25. November 2021

Um weiterhin Sicherheit zu leisten, werden von Nightshade sogenannte “Chunk Validators” integriert. Ihre Aufgabe besteht darin, in regelmäßigen Abständen “Snapshots” von den unterschiedlichen Shards auf der NEAR-Chain einzutragen. Innerhalb der einzelnen Shards validieren unterschiedliche Akteure jeweils andere Transaktionen.

Wie der Blogbeitrag andeutet, soll Nightshade zukünftig “dynamisch skalierbar” sein. Das bedeutet, dass je nach Bedarf neue Shards (Kassenschlangen) hinzugefügt und wieder geschlossen werden können. Auf diese Art und Weise ermöglicht Nightshade, nach Aussagen des Whitepapers, etwa 100.000 Transaktionen pro Sekunde zu einem Preis von etwa 0.0005 NEAR. Diese Leistungen könnten insbesondere für die GameFi-, NFT- und DeFi-Bereiche zukünftig eine große Rolle spielen.

Aktuell verfügt Aurora DeFiLlama zufolge ein Total Value Locked (TVL) von 532,35 Millionen US-Dollar. Da Aurora “nur” als Smart Contract auf NEAR programmiert wurde, ergibt sich so für NEAR ein TVL von 652,7 Millionen US-Dollar.

Probleme des Netzwerkes

Bislang klingt das NEAR-Konzept sehr vielversprechend: Die Blockchain ist innovativ und hat ein großes Rückgrat an ausgezeichneten Entwickler:innen. Zudem konnte NEAR in den vergangenen Jahren über 300 Millionen US-Dollar in unterschiedlichen Finanzierungsrunden von Investor:innen wie Dragonfly, a16z und Mechanism Cap einnehmen.

Doch das Near-Protokoll hat einen Haken, wenn nicht sogar eher zwei. Zum einen ist das Projekt aktuell verhältnismäßig recht zentralisiert. Das liegt einerseits an dem relativ einflussreichen Vorstand der NEAR Foundation, der aus vier Personen besteht. Andererseits sind aktuell nur 84 Validatoren aktiv. Nach Aussagen des Co-Gründers Illia Polosukhin wird diese Anzahl im nächsten Jahr jedoch auf 400 ausgebaut. Im Vergleich zum Ethereum-Netzwerk, welches aktuell über 222.000 Validatoren zählt, auch dann noch eine sehr geringe Anzahl.

Was sich jedoch für NEAR als noch größeres Problem entwickeln könnte, ist die ebenfalls geringe Anzahl an aktiven Accounts. Diese lag im vergangenen Monat zwischen 50.000 und 90.000.

Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer für NEAR-Fans: Die Anzahl an durchgeführten Transaktionen ist im Vergleich zum letzten Jahr bereits erheblich gestiegen. Zu Zeiten des Peaks in folgender Grafik (Januar 2022) erreichte NEAR sein Allzeithoch im Preis (20,44 US-Dollar) und auch in der Transaktionsmenge. Auslöser dieser Rallye war vermutlich die jüngste Finanzierungsrunde, in der NEAR 150 Millionen US-Dollar für die Weiterentwicklung des Protokolls zugesichert bekam.

Der Konkurrenzkampf ist eröffnet

Ob NEAR sich in dem starken Umfeld mit Solana, Cardano und Co. behaupten kann, bleibt abzuwarten. Demzufolge scheint eine Kooperation mit den bekannteren Währungen ein cleverer Schachzug zu sein. Aurora und Nightshade versprechen zumindest technisch einiges – und mit dem Stake Faming könnte nun mehr Liquidität auf die Plattform kommen. Damit könnten zum einen mehr Validatoren gewonnen werden und zum anderen ein höheres Transaktionspotenzial entstehen. Ob NEAR so erfolgreich wie Avalanche oder Terra sein wird, wird trotzdem nur die Zukunft zeigen. Zu Redaktionsschluss notiert NEAR bei 13,68 US-Dollar und einer Marktkapitalisierung von etwas über 8,5 Milliarden US-Dollar.

Für 2022 sollte man diesen Coin auf jeden Fall im Auge behalten. Welche anderen digitalen Münzen im kommenden Jahr auf dem BTC-ECHO Zettel stehen, erfahrt ihr in unserem neuen Kryptokompass.

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