Nach SWIFT-Ausschluss des Iran: Kommt die staatliche Kryptowährung?
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Quelle: shutterstock

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Wie am vergangenen Wochenende bekannt wurde, nimmt SWIFT eine Vielzahl von iranischen Kreditinstituten aus dem Netzwerk. Damit ist die islamische Republik vom internationalen Zahlungsverkehr weitestgehend ausgeschlossen. Um die Sanktionen zu umgehen, plant die Regierung eine staatliche Kryptowährung.

Es war eine Nachricht, die wie ein Bilderbuch-Use-Case für Kryptowährungen klingt: SWIFT kapselt den Iran vom internationalen Zahlungsverkehr ab. Nach Medienberichten über den Ausschluss einiger Kreditinstitute, vermeldet SWIFT am Wochenende, dass auch Zahlungen der iranischen Zentralbank nicht mehr von dem Dienstleister prozessiert werden. Der Entscheidung ging massiver Druck seitens des US-amerikanischen Finanzministeriums voraus und steht in direktem Zusammenhang mit den verschärften Sanktionen durch die US-Regierung.


SWIFT zwischen EU und USA

Die Entscheidung fiel dem Zahlungsdienstleister denkbar schwer. Denn SWIFT ist in Brüssel ansässig und hat damit seinen Unternehmenssitz in der Europäischen Union. Diese wiederum beteiligt sich nicht an den Sanktionen gegen den Iran und unternahm sogar Schritte, um die Konsequenzen für EU-Bürger abzufedern. Wie das Handelsblatt berichtet, sah sich SWIFT allerdings gezwungen, den Wünschen der US-Regierung schlussendlich zu entsprechen. Ansonsten, so der Chef des Clearing-Unternehmens Gottfried Leibbrandt, drohten dem Zahlungsdienstleister wirtschaftliche Konsequenzen.

Selbst wenn europäische Unternehmen weiterhin dazu bereit wären, eine Handelsbeziehung mit dem Iran einzugehen, ist dies ohne eine geregelte Abwicklung der Zahlungen kaum mehr möglich.

Iran mimt den Petro

Als direkte Folge der Ankündigung verkündete die „Informatics Service Corporation“ (ISC), sie arbeite auf Wunsch der iranischen Notenbank an einer stattlich emittierten Kryptowährung. Diese soll ISC-Chef Seyyed Abotaleb Najafi zufolge vom iranischen Rial gedeckt sein.


Mit der inhärenten Zensurresistenz von Kryptowährungen erhofft sich die iranische Regierung, die US-Sanktionen umgehen zu können. Denn der Transfer von Bitcoin & Co. erfolgt „Peer-to-Peer“, das heißt, es existiert kein Intermediär, der die Zahlungen überwacht. Damit wären theoretisch sogar grenzüberschreitende Zahlungen in den Iran denkbar.

Der iranischen Nachrichtenseite IBENA zufolge soll die vorgestellte Kryptowährung aber allen voran den iranischen Interbankenmarkt unterstützen. Gegenüber IBENA sagte Najafi, der Use Case des Token sei in erster Linie die Abwicklung von Settlements zwischen den Finanzhäusern in der islamischen Republik. Also genau die Aufgabe, die vormals SWIFT erfüllte.

Kryptowährungen hoch im Kurs

Der Iran hat seit geraumer Zeit ein eher ambivalentes Verhältnis zu Bitcoin & Co. Einerseits erfreut sich die Kryptowährung Nr. 1 wachsender Beliebtheit unter der Bevölkerung. Andererseits unternahm die Führung des Landes immer wieder Zensurversuche gegen Bitcoin. Trotzdem nimmt das Handelsvolumen mit Kryptowährungen aus Angst vor der Entwertung des Rial immer weiter zu. Wie BTC-ECHO berichtete, erreichte der Bitcoin-Kurs im September dieses Jahres im Iran ein neues Allzeithoch und handelte bei umgerechnet 24.000 US-Dollar.

Die Entwicklung verdeutlicht einmal mehr, dass Bitcoins Use Case nicht unbedingt der Kauf des sprichwörtlichen Starbucks-Kaffees ist. Für viele Nutzer ist die Kryptowährung im Vergleich zum gesetzlichen Zahlungsmittel schlicht die bessere Alternative. Denn die Bitcoin-Geldmenge kann nicht willkürlich verwässert werden und Sparvermögen sind somit effektiv gegen eine Entwertung geschützt.


BTC-ECHO

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