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Überbewertet? Muss ein Krypto-Studium wirklich 12.000 Euro kosten?

Auf der Suche nach mehr Blockchain-Wissen kann man Bücher lesen, Programmiercodes durchforsten und YouTube-Videos schauen. Oder aber man begibt sich für ein Studium in die heiligen Hallen der Universitäten. Wir haben uns umgeschaut, wo man wie und zu welchen Konditionen Blockchain, DLT und Co. studieren kann.

Marlene Müller
 |  Lesezeit: 6 Minuten
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Kurse von Kryptowährungen auf einer Tafel hinter einem Schreibtisch mit Stiften und Krypto-Coins.

Beitragsbild: Shutterstock

| Zu Krypto kann man Bücher wälzen und Videos gucken oder aber man beginnt ein Studium.

Im Sommer 2018 sucht BTC-ECHO-Redakteur David Scheider nach einem Masterstudiengang zum Thema Krypto und Blockchain. Das bis dato einzig bekannte Projekt in Europa findet er an der University of Nicosia in Zypern. Dort erwartet ihn ein breites Angebot von Grundlagen bis hin zu konkreten Use-Cases. Der Nachteil: 12.960 Euro soll es kosten.

Heute stehe ich vor derselben Frage wie David 2018: Welchen Blockchain-Master möchte ich gern machen und wo geht das? Ist es wirklich notwendig, so viel Geld in die Hand zu nehmen und auf Zypern zu studieren, oder geht das auch hierzulande? So viel vorweg: Es ist kein “Muss”, knapp 13.000 Euro für einen Master auf den Tisch zu legen. Das geht sowohl teurer als auch billiger; es geht sowohl intensiv und umfangreich als auch kurz und knackig.

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Krypto-Studium meist auf Englisch

Trotzdem ist mir nach der Recherche klar, dass es in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) bislang wenige Studiengänge gibt, die sich nur auf die Distributed-Ledger-Technologie und ihre Use-Cases konzentrieren.

Des Weiteren werden so gut wie alle Studiengänge zu dem Thema auf Englisch angeboten. Gleichzeitig bieten jedoch sehr viele Universitäten weltweit bereits einzelne Seminare zum Thema an, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, mit der Zukunftstechnologie in Berührung zu kommen – sowohl in Bachelor- als auch in Masterstudien. Darüber hinaus gibt es Programme, Zertifikate und Kurse, die man auch nicht eingeschrieben teils kostenlos, teils gegen ein gewisses Entgelt besuchen kann.

Kryptografie, KI und Management zum Mitmachen

Da wäre zum Beispiel die Hochschule in Mittweida, einem etwa 15.000-Einwohner:innen-Örtchen in Sachsen. Der leitende Professor Dr.-Ing. Ittner sagt gegenüber BTC-ECHO, dass der Masterstudiengang “Blockchain & Distributed Ledger Technologies” garantieren würde, dass Krypto-Studierende nicht nur im Elfenbeinturm sitzen und sich über theoretische Konzepte Gedanken machen würden, sondern auch in den Kontakt mit Unternehmen und der Praxis kommen.

Nach den Grundlagen, die ein Interesse für Programmieren und die technischen Basics der Technologie voraussetzen, können die Studierenden zwischen zwei Zweigen wählen. Einerseits die technische Ausrichtung, die Bereiche wie Kryptografie und KI beinhaltet. Andererseits eine weniger technische Ausrichtung, in der es dann mehr um Gründung, Management und rechtliche Aspekte geht.

Ittner betont: “Blockchain-Technologie ist keine Raketenwissenschaft, jede und jeder, der oder die sich für das Zukunftsthema interessiert, kann das lernen.” Diese Aussage wird auch von dem Studienbeitrag und den Voraussetzungen unterstrichen. Aktuell kostet das Semester in Mittweida etwa 95 Euro. Zulassungsbeschränkungen gibt es nicht.

Master für Krypto-Geschäftsleute in Frankfurt

Anders sieht das bei der FSFM und dem Masterstudiengang “Blockchain and Digital Assets” aus. Hier wird zum einen vorausgesetzt, dass man vor Beginn bereits ein Jahr in einem Krypto-bezogenen Bereich gearbeitet hat, und zum anderen kostet diese Ausbildung summa summarum rund 33.000 Euro.

Philipp Sandner von der FSFM erklärt: “Die Frankfurt School ist eine private Hochschule und bezieht keine Gelder für Lehre vom Staat.” Daher müsse die Hochschule “einen Preis setzen für ihre Ausbildung”. Im Gegenzug verspreche die FSFM jedoch eine “zeitgemäße Ausbildung und eine Betreuung der Studenten, wie es andere Universitäten oftmals nicht schaffen”, wie Sandner betont.

Fokus liegt auf Ökonomie und Anwendbarkeit der Blockchain

Der Studiengang hat den Fokus auf die ökonomische Bedeutung und Anwendbarkeit der Blockchain-Technologie gelegt. Mit der Ausgestaltung des Studienangebots in Blockkursen und Seminaren möchte die Hochschule besonders bereits arbeitenden Personen das Angebot unterbreiten, sich im Bereich der digitalen Assets fortzubilden.

Deswegen würden im Studiengang auch lediglich 60 ECTS-Punkte (in europäischen Hochschulen einheitliche Kreditpunkte) in Form von Kursen erreicht. Die restlichen 60 ECTS erreichen die Studierenden über praktische Erfahrungen und die Abschlussarbeit. Sandner dazu: “Es ist ein Masterprogramm für Leute, die schon einige Jahre gearbeitet haben. Das ist der Fokus.” Der Erfolg des Studiengangs ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht messbar, da er erst zum November 2022 an der Frankfurt School of Finance and Management eingeführt wird.

Blockchain-Schwerpunkte im Wirtschafts-Master

Auch wenn die Universität Basel keinen konkreten Blockchain-Master anbietet, lohnt es sich, die beiden Studiengänge “International and Monetary Economics” und “Business and Technology” zu betrachten. Denn beide verdeutlichen exemplarisch die Möglichkeit, eine eigentlich wirtschaftliche Ausbildung auf die Technologie auszurichten.

Der Master in Business and Technology (MBT) sei “ein spezialisiertes Programm (…) und richte sich an Studierende, welche sich mit Fragestellungen und Herausforderungen im Bereich Marketing, HR, Strategie, Organisation und Accounting sowie mit allgemeinem Management befassen möchten. Dies unter Berücksichtigung des technischen Fortschritts und der digitalen Transformation von Geschäftsmodellen”, sagt der Studiendekan Prof. Dr. Pascal Gantenbein. Für die Einschreibung sollte man jedoch beachten, dass zum Wirtschaftsstudium im Ausland das Erreichen einer gewissen Punktzahl im etwa 200 Euro teuren GMAT- oder GRE-Test zum Standard gehört.

Top 20 werden zugelassen

Als Zulassungsbeschränkung wird für beide Studiengänge vorausgesetzt, zu den besten zwanzig Prozent dieser weltweit vereinheitlichten Eignungstests zu gehören. Zudem kostet das Drei-Semester-Studium 850 Schweizer Franken (etwa 820 Euro).

In Basel werden vier Vorlesungen und zwei Krypto-Seminare im Bereich Smart Contracts, DeFi, FinTechs und Digitale Währungen angeboten. Auch für Bachelor-Studierende der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gibt es bereits Möglichkeiten, in die Grundlagen der Blockchain-Technologie einzutauchen.

Die großen Vorlesungen beider Stufen bietet die Universität kostenlos auf ihrer Open-Access-Plattform “Open Crypto Lectures” und auf dem gleichnamigen YouTube-Kanal an. Prof. Dr. Fabian Schär, Managing Director des Center for Innovative Finance, sagt: “Videos, Slides, Übungen und vieles mehr sind offen verfügbar. Wir möchten das Wissen dadurch der Öffentlichkeit zugänglich machen. (…) Im ersten Jahr haben sich auf der Plattform über 2.000 Personen aus aller Welt angemeldet.”

Es geht auch kürzer

Doch es muss nicht immer gleich ein ganzes Krypto-Studium sein. Universitäten wie die Technische Universität (TU) München, die Universität Bayreuth, die TU Chemnitz, die TU Berlin oder die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin bieten Vorlesungen, Kurse und Seminare im Blockchain-Bereich an, für die nicht ganz so viel Geld und Zeit investiert werden müssen.

Disclaimer

Dieser Beitrag ist zuerst im Februarheft des BTC-ECHO Magazins erschienen.

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