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Bitcoin oder "Britcoin"? Bank of England übt Kritik an Krypto und DeFi

DeFi ist laut Bank of England Vize Jon Cunliffe keine Antwort auf die Regulierungsfrage. Ist der Weg für einen britischen CBDC somit geebnet?

Johannes Macswayed
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Bank of England

Beitragsbild: Shutterstock

| Von DeFi als Alternative zum Finanzsystem ist Zentralbanker Jon Cunliffe noch wenig überzeugt.

Zum Thema Krypto scheint Großbritannien in diesem Jahr förmlich hin- und hergerissen. So schnell die Nation seine Premierminister wechselt, so ändert sich offenbar auch ihre Haltung zu Bitcoin und Co. So hatte der heutige Premier Rishi Sunak noch im April in seiner Rolle als Finanzminister von großen Krypto-Plänen für das Land gesprochen. Von “Stablecoins als Zahlungsmittel” war sogar die Rede. Kurz nach seinem Einzug in die Downing Street scheint sich der “Krypto-Premier” nun doch verstärkt dem digitalen Zentralbankgeld (CBDCs) widmen zu wollen.

Schluss also mit den dezentralen Wahnvorstellungen und hin zum “Britcoin”, Großbritanniens digitalem Pfund? Vize-Gouverneur der Bank of England, Jon Cunliffe, scheint jedenfalls weniger überzeugt von der Krypto- und vor allem DeFi-Welt, wie sich jüngst in seiner Ansprache an die Warwick Business School herausstellte.

FTX-Desaster: Ist DeFi (k)eine Alternative?

Der Untergang der Krypto-Börse FTX lies vermuten, dass Regulatoren in Zukunft argwöhnischer auf den Sektor blicken würden. Auch Cunliffe konnte nicht umhin, den Kollaps in seiner Rede zu kommentieren. Und an DeFi als Antwort auf das Desaster war für ihn dabei nicht zu denken. Er sei “aus Sicht eines Regulators und Autorität für finanzielle Stabilität” noch nicht überzeugt von DeFi als “Bewältiger von solch inhärentem Finanzrisiko”.

Cunliffe hegt zudem Bedenken an der tatsächlichen Dezentralität, die sich Projekte des alternativen Finanzwesens auf die Fahne schreiben. Seiner Meinung nach säßen hinter vielen Protokollen “Firmen und Stakeholder, die einen Gewinn aus den Operationen der Plattform schöpfen”. Dabei sei oft unklar, wem tatsächlich die Führung des vermeintlich dezentralen Protokolls obliegt. Der Code, der die Intermediäre des traditionellen Finanzwesens ersetzen soll, sei dem Zentralbanker zufolge nur so gut wie die Personen und Prozesse, die ihn schaffen.

Dass DeFi somit geeignet sei, das Risiko für ein FTX-ähnliches Debakel zu reduzieren, sehe er daher nicht. Stattdessen bedarf es in seinen Augen mehr Aufsicht und Steuerung der digitalen Vermögenswerte und der Einführung eines digitalen Pfunds.

Regulierung, Stablecoins und Innovation

Trotz seiner recht misstrauischen Haltung zum DeFi Bereich erkennt Cunliffe immerhin das Innovationspotenzial der Krypto-Nische an. So sei es für ihn unwahrscheinlich, dass Tokenisierung, Verschlüsselung oder Smart Contracts in nächster Zeit von der Bildfläche verschwinden. Sie bieten ihm zudem Aussicht, auf mehr Effizienz und Funktionalität bei der Abwicklung von alltäglichen Finanzgeschäften.

Doch auch Cunliffe ruft im Zuge der FTX-Pleite zu mehr Regulierung auf. Und betonte, dass man “Innovation auf Kosten von erhöhtem Risiko” nicht zulassen würde. Weshalb sich der Notenbanker hinter Gesetzesentwürfe stellt, die derzeit im Parlament diskutiert werden. Sie sollen unter anderem auch für mehr Kontrolle über Stablecoin-Anbieter sorgen. Zu diesen wolle sich die Bank of England im kommenden Jahr beraten, so Cunliffe.

Seinen Innovationsgedanken hegt er ohnehin, gemeinsam mit Premierminister Sunak, in Richtung der digitalen Zentralbankwährungen. An einem digitalen Pfund arbeite man so bereits, um den “Trends der Zahlungsdienstleistungen” entgegnen zu können. Ob also aus “Stablecoins als Zahlungsmittel” im Vereinigten Königreich noch etwas wird, bleibt abzuwarten.

Die eingangs erwähnte Ambivalenz des Landes findet sich nämlich auch in jüngsten Bemühungen zur Regulierung wieder. In der aktuellen Version des besagten Gesetzesentwurfes, dem Financial Services and Markets Bill, fehlen daher noch detaillierte Regelungen zu Stablecoins. Stattdessen setze man auf “Agilität” bei der Gesetzesgebung.

Ob Agilität oder Unentschlossenheit – Die Saga rund um FTX könnte sich als letzter Nagel im Sarg des Kompromisses zwischen DeFi und TradFi erweisen. Und auch das Vereinigte Königreich wird daher womöglich nicht drumherum kommen, sich zu entscheiden, zwischen ihrer eigenen und der dezentralen Innovation.

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