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Web3-Vorstoß GEMA experimentiert mit Musik-Token

Die Digitalisierung verschafft der Musikbranche neue Absatzmärkte. Erstmals hat die GEMA nun einen Wertpapiertoken für Lizenzen herausgegeben.

Moritz Draht
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Beitragsbild: Shutterstock

| Ein Novum: Die GEMA bringt zum ersten Mal einen Wertpapiertoken für Lizenzen heraus.

An ihnen zeigt sich der unerschöpfliche Verbesserungsdrang technischen Fortschritts: Schellack, Vinyl, Kassetten, CDs, Mp3, Streaming. Musik hat sich immer neue Formen als Träger gesucht. Der Hype um NFTs ließ die Branche zuletzt aufhorchen. Neue Vertriebsstrukturen und Absatzmärkte sollen sich durch die Blockchain erschließen. Tantiemen und Lizenzen als Token stückeln und handeln lassen. Die Musikindustrie steht vor einem weiteren Evolutionssprung.

Musik im Wandel

Auch wenn sich die Umsätze dank Retroschallplattenkult etwas erholen konnten, läuft der digitale Absatzmarkt dem physischen seit Jahren den Rang ab. Dabei stellen Tantiemen im Streaming-Zeitalter einen immer größer werdenden Teil der Einnahmemöglichkeiten im Musikgeschäft. Laut CISAC, dem internationalen Dachverband der Verwertungsgesellschaften, häuften sich die Einkünfte aus Musiklizenzen in 2021 auf 9,6 Milliarden Euro. 5,8 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Und obwohl der Anteil digitaler Tantiemen bereits um “satte 28 Prozent” gestiegen sei, attestiert die CISAC “noch viel mehr Raum für Wachstum”. Insbesondere bei Musikschaffenden, also Künstlern und Interpreten. Der größte Anteil, etwa drei Viertel, der Streaming-Einnahmen bleiben laut GEMA bei Labels und Plattformen hängen. Entsprechend unverteilt sind auch die Lizenz-Einkünfte. Die CISAC fordert daher, “dem Wert kreativer schöpferischer Werke auf dem digitalen Markt mehr Wert” zu verleihen. Ein Mittel hierfür lautet Tokenisierung.

GEMA drängt ins Tokenisierungsgeschäft

Mithilfe von Smart Contracts lassen sich über die Blockchain Tantiemen abbilden, handeln und Vergütungen daraus direkt übertragen. Tokenisierung meint hierbei die Stückelung von Vermögenswerten, etwa Immobilien, Oldtimer, Uhren oder auch Musiklizenzen, für eine Vielzahl an (Klein)Anleger. Der Idee nach eine Win-Win-Situation: Für Künstler, die Rechte direkt vertreiben und Mehreinnahmen generieren können. Und für Investoren, die zu erschwinglichen Preisen in den Markt einsteigen können.

Allmählich entdeckt auch die etablierte Musikindustrie diese Nische. Erstmals gab die GEMA als weltweit erste Verwertungsgesellschaft den Vertrieb eines Wertpapiertoken für Musiklizenzen bekannt. In Kooperation mit der 360x Music AG wurden Lizenzen des Filmkomponisten Hans Günter Wagener (auslandsjournal, Terra X) tokenisiert und verkauft. Ein Modell, das Runde machen könnte.

“Wir werden beobachten, wie stark sich der Trend entwickelt”

“Für die Mitglieder der GEMA eröffnet die Tokenisierung erstmalig die Chance, unabhängig ihre Musik zu monetarisieren und gleichzeitig 100 Prozent an den Rechten halten zu können”, erklärt GEMA Justiziar Dr. Tobias Holzmüller gegenüber BTC-ECHO. Seit einigen Jahren schon werde “ein starker Trend zum Investment in Musikrechte erkennbar”. Daher müsse es bei der GEMA “eine Möglichkeit des transparenten und direkten Handels für Urheberinnen und Urheber von Musik und Verlage geben”, so Holzmüller.

Ob Werke in Zukunft häufiger tokenisiert werden? “Wir werden beobachten, wie stark sich der Trend entwickelt”. Gerade “in Zeiten von steigenden Zinsen und Spannungen in der Krypto-Community” werde sich Holzmüller zufolge herauskristallisieren, “welche Use Cases nachhaltig und gefragt sind”. Dass die Musikindustrie die Chancen im Web3 liegen lässt – eher unwahrscheinlich: “Man kann jetzt schon sagen, dass die Musikbranche im Zuge der Digitalisierung sehr genau hinschaut, wie sich Web3 und NFTs integrieren lassen”.

Gerechtere Wertschöpfung

Für Jan Denecke, CEO und Mitgründer der 360X Music AG, ist klar: “Die Tokenisierung von Vermögenswerten ist ein starker Trend”. Die Blockchain-Technologie ermögliche, dass “nicht wirklich handelbare Assets, handelbar gemacht werden können”, so Denecke gegenüber BTC-ECHO. Das gelte insbesondere “für das Asset Musik als alternative Assetklasse”.

Die Tokenisierung stärke letztlich alle Beteiligten, meint Denecke: “Die Rechteinhaber in der Musikindustrie, wie z.B. Labels, Verlage und Künstler:innen behalten ihre Rechte, während Investor:innen und zukünftig auch die Fans am Erfolg einer bestimmten IP teilhaben und davon profitieren können”. Als “alternative Anlageklasse” sei Musik “normalerweise nur wenigen zugänglich ist”. Die Tokenisierung öffne nun einer “Mittelschicht an Rechteinhaber:innen” den “Zugang zu alternativen Finanzierungsmöglichkeiten”. Weitere Kollaborationen mit der GEMA, verrät Denecke, seien bereits fürs nächste Jahr geplant.

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