Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, wirbt für den digitalen Euro mit einem deutlichen Vergleich. Europa habe in den vergangenen Jahren gelernt, sich bei wesentlichen Dienstleistungen nicht allein auf Drittanbieter verlassen zu können, sagte er in einem Interview mit der italienischen Zeitung Milano Finanza. Das habe man bei der Energie gesehen und sehe es heute bei der Verteidigung. Dasselbe gelte für Zahlungen.
Konkrete Anbieter nannte Cipollone jedoch nicht. Worum es geht, hatte er allerdings bereits im April bei einem Vortrag in Lettland beziffert: Zwei Drittel aller Kartenzahlungen im Euroraum werden von Unternehmen außerhalb Europas abgewickelt. Darin sieht er eine strategische Schwachstelle.
“Souveränität heißt nicht Abschottung”
Gegen den Vorwurf, Europa wolle sich abkapseln, verwahrte sich der Italiener ausdrücklich. Souveränität bedeute nicht, Drittanbieter auszuschließen, sondern die Macht zur Auswahl zu haben und zu wissen, dass Europa sich bei einer wesentlichen Dienstleistung auch auf die eigene Stärke verlassen könne.
Der Zeitplan steht derweil fest, zumindest auf dem Papier. 2027 soll ein Pilotprojekt mit echten Transaktionen starten, ausgeführt von Mitarbeitern der EZB und der nationalen Notenbanken. 36 Marktteilnehmer wirken bereits an den Vorbereitungen mit, zusätzlich lädt die Notenbank Betreiber von Online-Handelsplattformen zur Teilnahme ein. Planmäßig könnte der digitale Euro dann 2029 bereits eingeführt werden.
Eine Bedingung bleibt allerdings offen. Der EZB-Rat darf über die Ausgabe erst entscheiden, wenn die Gesetzgebung in Brüssel abgeschlossen ist. Cipollone hofft auf eine Verabschiedung bis Jahresende.
