Digitales Geld 

Euro-Stablecoins statt Dollar-Dominanz: Warum Europas Banken unter Druck geraten

Europa will mehr Euro-Stablecoins und weniger Abhängigkeit von USDT und USDC. Der eigene MiCA-Regulierungsrahmen könnte den Markt jedoch eher bremsen. Warum das für Banken und Europas digitale Souveränität heikel ist.

Timur Yildiz
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EU-Flagge hinter regennasser Scheibe als Symbolbild für Euro-Stablecoins, MiCA und Europas digitale Geldpolitik

Beitragsbild: Shutterstock

| Europa sucht nach einer eigenen Antwort auf die Dominanz dollarbasierter Stablecoins

Der Stablecoin-Markt wird bis heute klar vom US-Dollar dominiert. Frankreichs Finanzminister Roland Lescure will das ändern und fordert mehr eurobasierte Stablecoins sowie tokenisierte Einlagen aus Europa. Der Vorstoß zeigt, wie groß der politische Druck in Europa inzwischen geworden ist. Es geht längst nicht mehr nur um Krypto-Regeln, sondern um die Frage, auf welcher Währung Europas künftige digitale Zahlungsinfrastruktur aufbaut.

Europas digitales Geldproblem wird konkreter

Dass das Thema nicht mehr bloß auf Konferenzen verhandelt wird, zeigt eine der wichtigsten Geschäftsbanken Frankreichs: Société Générale. Die Krypto-Tochter SG-FORGE betreut inzwischen fünfzehn Krypto-Kunden, darunter Börsen, Broker und Wallet-Anbieter. Zugleich ist Société Générale unter den großen europäischen Banken bislang die einzige, die sowohl einen öffentlich handelbaren Euro-Stablecoin als auch einen Dollar-Stablecoin emittiert hat.

Noch ist die Nutzung allerdings überschaubar. Der ausstehende Bestand des Euro-Stablecoins liegt derzeit nur bei 105 Millionen Euro. Die Zahl macht deutlich, wie weit Europa beim digitalen Geld noch zurückliegt. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung von Tethers USDT liegt aktuell bei rund 188,5 Milliarden US-Dollar, die von Circles USDC bei rund 78,3 Milliarden US-Dollar.

Wenn selbst ein reguliertes Institut wie Société Générale mit fertigen Produkten bislang nur begrenzte Traktion sieht, stellt sich für Europa eine unangenehme Frage. Reicht Regulierung allein aus, um einen wettbewerbsfähigen Euro on-chain zu schaffen?

MiCA schafft Ordnung, aber noch keinen Markt

Mit MiCA hat die Europäische Union als erste große Wirtschaftsregion einen einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto-Assets geschaffen. Die Verordnung deckt auch Stablecoins ab und legt Transparenz-, Zulassungs- und Aufsichtspflichten für Emittenten und Anbieter fest. Die Übergangsfristen laufen nun aus. ESMA hat erst vor wenigen Tagen noch einmal betont, dass der MiCA-Übergangszeitraum am 1. Juli 2026 endet und Anbieter ohne Lizenz danach gegen EU-Recht verstoßen.

Hier liegt allerdings ein zentraler Widerspruch. Europa will mehr Euro-Stablecoins, setzt dem Markt mit MiCA zugleich aber enge Leitplanken. Das erhöht Vertrauen und Rechtssicherheit, kann Innovation und Liquiditätsaufbau aber ebenso verlangsamen. Lescures Forderung nach mehr eurobasierten Stablecoins wirkt damit wie ein politisches Eingeständnis, dass bloße Regulierung noch keine kritische Nutzerbasis schafft.

Großbritannien denkt digitalisiertes Geld stärker vom Markt her

Noch deutlicher wird das im Vergleich mit Großbritannien. Dort wird das Thema stärker als Frage künftiger Zahlungs- und Finanzmarktinfrastruktur behandelt. Die Bank of England hat Anfang 2025 ein Regime für eine Zukunft konsultiert, in der Stablecoins im Vereinigten Königreich breit für Zahlungen genutzt werden könnten. Für 2026 nennt sie ausdrücklich Fortschritte bei systemischen Stablecoins, tokenisiertem Collateral und digitaler Marktinfrastruktur als Prioritäten.

Darin zeigt sich eine andere Stoßrichtung. Während MiCA vor allem Ordnung schafft, denkt Großbritannien Stablecoins und tokenisierte Einlagen stärker von ihrer späteren Nutzung im Finanzsystem her.

Europas Antwort entscheidet sich nicht nur in Brüssel

Stablecoins sind nicht mehr nur ein Werkzeug für Börsen und Trader. Sie werden zunehmend zur Schnittstelle zwischen Blockchain, Zahlungsverkehr und Finanzmarktinfrastruktur. Wenn Europa auf dieser neuen Schiene nicht vom US-Dollar abhängig bleiben will, reicht Regulierung allein nicht aus. Es braucht Anreize, damit Emittenten, Banken, Liquidität und marktfähige Produkte überhaupt entstehen können und im Alltag genutzt werden.

Société Générale zeigt, dass Europas Banken das Problem erkannt haben. Auch die Politik zieht nach, wie der Vorstoß des französischen Finanzministers zeigt. Entscheidend wird nun, ob daraus mehr entsteht als ein regulierter Rahmen. Wenn Europa keine Bedingungen schafft, unter denen Euro-Stablecoins tatsächlich Reichweite und Nutzung aufbauen, bleibt digitales Geld auch in Europa vor allem eines – dollarbasiert.

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