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Neue DeFi-Strategie Aave und Oasis lancieren neues Ethereum-Staking-Derivat

Die beiden DeFi-Apps starten ein neues ETH-Derivat für mehr Staking-Rendite. Das Produkt ist jedoch nicht ganz frei von Kritik.

Johannes Macswayed
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Ethereum

Beitragsbild: Shutterstock

| Wie riskant ist Aaves ETH-Derivat?

Die Lending-Plattform Aave und die DeFi-App “Oasis” starteten in einer Kooperation am 24. Oktober ein neues Ethereum-Staking-Produkt. Nutzer sollen mit dem Produkt mehr Rendite auf ihr gestaktes ETH verdienen können, woraus sich eine vereinfachte DeFi-Strategie ergibt. Doch es gibt Bedenken rund um die Sicherheit des Produkts – und der Zentralisierung des Stakings.

Rekursives Trading

“Aave Interest Bearing stETH” (ASTETH) nannten seine Schöpfer das Ethereum-Derivat fantasievoll. Es vereint Schritte einer bestehenden Strategie in einer Transaktion. Angeboten wird die als “stETH/ETH Multiplier” betitelte Strategie auf Oasis, einem Zweig des Maker-DAO-Protokolls. Der Ablauf erfolgt folgendermaßén:

Trader zahlen ETH auf Lido Finance ein und erhalten das bekannte “staked ETH”-Derivat stETH. Dieses lässt sich auf Lending-Plattformen wie Aave verleihen, im Gegenzug kann weiteres ETH ausgeliehen werden. Trader können dieses wiederum erneut auf Lido einzahlen – und so weiter. Eine rekursive Schleife, bei dem immer mehr stETH generiert wird. Dabei werden auch immer mehr Mengen ETH auf Aave ausgeliehen.

Quelle: oasis.app

Anstatt die Schleife in einzelnen Schritten abzuarbeiten, können Anleger fortan mit ASTETH alles in einer Transaktion auf Oasis vollziehen. Die Rendite-Möglichkeit beträgt zwischen 5 und 14 Prozent. Klingt erstmal einfach, birgt aber wie immer Risiken.

Depegging

Für stETH und damit verbundene Strategien besteht jederzeit die Gefahr, dass der Token seine (quasi) Parität zu ETH verliert. Denn anders als Stablecoins, ist das Austauschverhältnis von stETH zu ETH nicht fixiert. Rutscht der Kurs von stETH drastisch unter den von ETH, kann das Derivat nicht mehr 1:1 für ETH eingetauscht werden.

Das “stETH-Depegging” wurde so im Juni dieses Jahres Lending-Anbieter Celsius zum Verhängnis, die mit Kundengeldern massiv in das Ethereum-Derivat investierten. Ein ähnliches Schicksal würde Trader ereilen, die stETH als Sicherheit auf Aave hinterlegt haben, um ETH auszuleihen. Auf die Entwertung ihrer Sicherheit hin würde ihre Position liquidiert.

Es droht weiter eine Kettenreaktion im Zuge der rekursiven Trading-Strategie. Denn durch sie werden große Mengen ETH ausgeliehen, was die Zinsen zum Ausleihen in die Höhe treiben und die ASTETH-Positionen unprofitabel werden lassen könnte. Im Zuge dessen dürften Trader ihre Positionen auflösen und den Preis von stETH immer weiter von seiner Parität treiben, was den oben genannten Effekt verstärkt. Eine Liquidations-Kaskade würde folgen.

Zentralisierung

Das Risiko für ein Depegging ist seit dem Ethereum Merge kleiner geworden, da das Lösen der Ethereum Staking Rewards mit der Konsensmechanismusumstellung greifbarer geworden ist. Spätestens wenn Trader ihr gestaktes ETH im Zuge des Shanghai-Updates endgültig freischalten, wäre ein von der Parität abweichender stETH-Kurs noch unwahrscheinlicher.

In letzter Zeit war Lido jedoch ein besonders relevanter Akteur in der Frage um Ethereums Zentralisierung. Die Plattform ist laut Analyse-Plattform Messari mit mehr als 30 Prozent Anteil weiterhin der größte Anbieter des Ethereum-Stakings. Der Anteil Lidos unter allen Anbietern für “Liquides Staking” ist laut Dune Analytics gar bei 68 Prozent.

Podcast

Am Beispiel des neuen Derivats auf Oasis wird deutlich, dass Lidos stETH immer mehr als Sicherheit für etliche DeFi-Strategien verwendet wird. Der Gründer der MakerDAO, Rune Christensen, erklärt in seinem Blogeintrag “Endgame” gar, wie stETH zur grundlegenden Besicherung des Protokolls werden könnte.

Für ein florierendes und sicheres DeFi-Ökosystem wäre etwas mehr Wettbewerb unter den Anbietern sicher gesünder. Das sieht Danny Ryan, Forscher der Ethereum Foundation, auch so. In seinem Bericht “The Risks of LSD” erklärt er: “Liquide Staking Derivate (LSD) wie Lido neigen zur Kartellierung und führen beachtliche Risiken für Ethereum im Hinblick auf gebundenes Kapital mit sich.”

Das Staking scheint sich nicht länger um die Gewährleistung der Netzwerksicherheit, sondern immer mehr um die Förderung des DeFi-Ökosystems zu drehen. Aber zu welchem Preis?

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