Licht und Schatten Es ist nicht alles Gold, was glänzt – trickst Bukele seine Bevölkerung mit dem Bitcoin-Gesetz aus?
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Licht und Schatten
Teilen
Jetzt anhören
BTC43,493.00 $ 3.91%

Das Bitcoin-Gesetz ruft immer mehr Kritik auf den Plan – auch unter Bitcoiner:innen: autoritär, kurzfristig, undemokratisch. Und woher stammt eigentlich das Geld für das BTC-Startguthaben auf der Chivo Wallet?

No al Bitcoin – nein zu Bitcoin: Spätestens seitdem am Freitag, dem 27. August, viele Menschen (die Rede ist von vierstelligen Teilnehmer:innen-Zahlen) in der salvadorianischen Hauptstadt San Salvador auf die Straße gegangen sind, ist klar, dass das sogenannte Bitcoin-Gesetz nicht nur auf Zuspruch stößt. Protestierende stören sich beispielsweise an der hohen Volatilität der Kryptowährung.


“Wir wissen, dass Bitcoin drastischen Schwankungen unterliegt. Sein Wert ändert sich von einer Sekunde auf die andere, und wir haben keine Kontrolle darüber”, sagte etwa Dante Mossi, geschäftsführender Präsident der Zentralamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration (CABEI), gegenüber Reuters. Dummerweise sind jüngste Kursbewegungen am Bitcoin-Markt Wasser auf die Mühlen der Skeptikerinnen und Skeptiker. Wie aufmerksame Leser:innen von BTC-ECHO bereits mitgeschnitten haben sollten, fiel mit der Einführung des Bitcoin-Gesetzes die wohl stärkste Bitcoin-Kurskorrektur seit Wochen zusammen.

Sage und schreibe 13 Prozent brach der Kurs der Krypto-Leitwährung am Nachmittag des 7. Septembers ein. Worin so mancher Aluhut-Bitcoiner wohl eine orchestrierte Aktion des Internationalen Währungsfonds (IWF) sah, trug aller Wahrscheinlichkeit nach ein Zusammenspiel aus hochriskanten Hebelpositionen sowie dem Marktaustritt einiger Bitcoin-Wale die Schuld. Wie dem auch sei. Wer El Salvador vor der berüchtigten Bitcoin-Volatilität gewarnt hat, hat mit dem jüngsten Kurscrash wieder ein Argument auf der Habenseite. Dass BTC im Jahresvergleich immer noch rund 341 Prozent im Plus steht, wird, wenn überhaupt, unter vorgehaltener Hand kundgetan.

Kritik kommt auch von Bitcoiner:innen

Doch auch vonseiten der Bitcoiner regt sich Kritik an dem Gesetz – genauer gesagt an Nayib Bukeles autoritärer Art, dieses durchzuboxen. Natürlich gab es im Juni eine Abstimmung im Parlament, die mit großer Mehrheit für die Einführung des Gesetzes votiert hat. Da Bukeles Partei Gran Alianza por la Unidad Nacional (Große Allianz für die nationale Einheit) eine absolute Mehrheit im Parlament hat, war die Abstimmung am Ende aber nur Formsache. Auch der kurze Zeitraum zwischen Beschluss und Inkrafttreten eines Gesetzes mit potenziell signifikanten politischen und wirtschaftlichen Implikationen waren so manchen Marktbeobachter:innen ein Dorn im Auge. So schreibt u/sam-sung auf Reddit, dass viele Kongressabgeordnete überhaupt nicht gewusst hätten, worüber sie (übrigens spätnachts) abstimmten. Als Quelle wird ein Artikel von elsavador.com genannt, in dem der Abgeordnete Reynaldo Cardoza wie folgt zitiert wird:

“Ich verstehe [das Gesetz] nicht, aber wir müssen die Salvadorianer weiterhin unterstützen, denn sie tragen keine Schuld an dem Gesetz”, so Cardoza.

Auch für Unternehmen könnte das im Eiltempo verabschiedete Gesetz zum Problem werden. Schließlich müssen Firmen zunächst ihre IT-Infrastruktur sowie komplexe buchhalterische Prozesse darauf auslegen, alsbald eine hochvolatile Kryptowährung annehmen zu können.

Aus Sicht von Bitcoiner:innen sind staatliche Dekrete ohnehin mit Vorsicht zu genießen – auch wenn diese aus gutem Willen verabschiedet werden. Bitcoin, so eine gängige Haltung in der Szene, ist ein Werkzeug, das freiwillig adoptiert werden müsse. Anstatt Top-Down sehe das Wesen der Kryptowährung als Anti-staatliches Vehikel eine Bottom-Up-Verbreitung vor.


Staatssäckel für BTC geplündert?

Auch mit dem Launch der von offiziellen Seiten bevorzugten Chivo Wallet hat sich die Bukele-Regierung keinen Gefallen getan. Denn wie wir bereits an dieser Stelle berichtet hatten, waren die Server zeitweise überlastet, sodass so manche:r Salvadorianer:in auf die versprochenen 30 US-Dollar in Bitcoin warten musste.

Apropos 30 US-Dollar. Woher stammt das Geld, mit dem Präsident Bukele seine neue digitale Schatzkammer füllen möchte? Wie La Prensa Grafica berichtet, vor allem aus Töpfen, die dem Gesundheits- und Bildungssektor des Landes vorbehalten waren. Um diese anzuzapfen, musste sogar der Haushalt des Landes geändert werden, wie die Zeitung schreibt. Ferner stimmte das Parlament Plänen zu, insgesamt 500 Millionen US-Dollar aus einem Darlehen der Zentralamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration (CABEI) umzuleiten, das ursprünglich für die wirtschaftliche Erholung kleiner und mittlerer Unternehmen gedacht war. Klar, hartes Geld fällt nicht vom Himmel und Bukeles 550 BTC mussten auch erst einmal beschafft werden.

Krypto-Apps dominieren App Store

Doch es ist nicht alles schlecht. Zwar sind Serverausfälle beim Chivo-Launch ein Ärgernis. Auf der anderen Seite deuten sie darauf hin, dass die Nachfrage nach Chivo und damit auch nach Bitcoin als Zahlungsmittel doch nicht so gering ist, wie es die Proteste anfangs Glauben gemacht haben. Dass BTC in dem Land tatsächlich auf rege Nachfrage trifft, zeigt auch ein Blick in die Charts des dortigen App Stores.

Im Bereich Finance dominieren Krypto-bezogene Apps das Geschehen.

Auch Großunternehmen sehen sich spätestens jetzt gezwungen, zum digitalen Gold eine Haltung einzunehmen. Denn wer BTC nicht akzeptiert, muss mit Sanktionen rechnen. Dies hatte Javier Arguete, juristischer Berater des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele, in einem Interview am Montag, dem 6. September, erklärt. McDonalds etwa akzeptiert Zahlungen in BTC bereits – sogar mittels Lightning.

Natürlich kann die Einführung der ersten gesetzlichen Währung, die keiner diskretionären Geldpolitik unterliegt, nicht ohne Schwierigkeiten vonstattengehen. Sollten die Bürger:innen El Salvadors aber erst einmal auf den Geschmack kommen und vor allem Bitcoins Vorteil in Sachen grenzüberschreitende Zahlungen (Remittances) erkennen, könnte El Salvador tatsächlich zu einer Art Brutstätte für den Bitcoin-Standard werden. Gesetzt den Fall, Bukele hat mit dem harten Durchboxen seines Vorhabens nicht bereits alles Vertrauen verspielt.


Teilen
Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail
Ich stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse für den Versand des Newsletters gespeichert und verarbeitet wird. Weitere Hinweise

Gewinne eine PlayStation®5 im Kryptokompass-Abo!

Das führende Bitcoin & Blockchain Szene Magazin

In Print und Digital verfügbar

Neue Investmentchancen verstehen und ergreifen

Jeden Monat über 60 Seiten Insights, Analysen, KnowHow

Nur diesen Monat

Gewinne als Abonnent eine PlayStation®5

BTC-ACADEMY