Merhaba Bitcoin Erdogan fördert Bitcoin Boom in der Türkei
Daniel Hoppmann

von Daniel Hoppmann

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Der türkische Präsident Erdogan steht vor einem Rednerpult. Dahinter sieht man die türkische Flagge.

Quelle: Shutterstock

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Nachdem der türkische Präsident Erdogan den Notenbankchef des Landes entlassen hatte, rief er die Bevölkerung auf, Devisen- und Goldbestände in das heimische Wirtschaftssystem zurückzuführen. Das sorgte für einen regelrechten Bitcoin-Boom in der Türkei.

Es war ein Paukenschlag, der nach dem Ausstieg aus der Istanbul-Konvention, der weltweite Proteste auslöste, nur kurz nachhallte. Und doch: Als am vergangenen Wochenende der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den nationalen Notenbankchef Naci Agbal entließ, versetzte dass die Türkei und dessen Wirtschaft in Aufruhr. Es war bereits die dritte Entlassung des Postens innerhalb von zwei Jahren. Grund dafür diesmal: Die Zinspolitik des Bänkers. Agbal hatte den Leitzins von 17 auf 19 Prozent erhöht, um der hohen Inflationsrate (15,6 Prozent im Februar 2021) des Landes zu begegnen. Dies entsprach jedoch nicht den Vorstellungen Erdogans, der trotz steigender Verbraucherpreise auf niedrige Zinsen beharrte. Die Konsequenz: Agbals Entlassung nach nur fünf Monaten im Amt. Für ihn übernahm Sahap Kavcioglu, ein ehemaliger Abgeordneter der Regierungspartei AKP und erklärter Gegner der hohen Zinspolitik.


Als Reaktion auf den Führungswechsel sackte der Kurs der türkischen Lira fast ins Bodenlose. Zeitweise verlor die Währung ganze 15 Prozent und die heimische Börse ISE 100 rauschte mit einem 10-prozentigen Minus gen Süden. Experten vermuteten, dass einer der Hauptgründe dafür bei der nicht gegebenen Unabhängigkeit der Notenbank liege. Dies schwäche das Vertrauen der Akteure in den Finanzmarkt und führe zwangsläufig zu einem noch höheren Inflationsdruck.

Türkische Bürger schienen der Lira nicht mehr wirklich zu vertrauen und sich nach Alternativen umzuschauen. Dabei konnte man auch ein erhöhtes Interesse am Krypto-Space beobachten. Laut GoogleTrends vervierfachten sich die Suchanfragen nach Bitcoin. Damit überflügelte die Kryptowährung sogar seinen physischen Konkurrenten Gold.

Google Suchanfragen in der Türkei nach Bitcoin und Gold, Google Trends 2021.

Ein weiterer Grund für diese Entwicklung dürfte in der türkischen Wirtschaft selbst liegen. Diese konnte zwar auch in Coronazeiten wachsen. Ihr Fundament erscheint jedoch mehr als wackelig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der von Erdogan als “türkisches Wirtschaftswunder” bezeichnete Aufschwung ein Ergebnis des nationalen Kredit-Booms ist. Mittlerweile vermeldeten die staatlichen Banken gar eine Verdopplung der Darlehen in der zweiten Hälfte des Jahres 2020.

Erdogan: “Bürger sollen investieren”

Nachdem sich einige Bürger durch alternative Investment gegen die steigende nationale Inflation absichern wollten, richtete sich Erdogan mit einem Appell an die Bevölkerung, “die zu Hause ausländische Währung und Gold aufbewahren, nur um sich sicher zu fühlen”. Daraufhin forderte er die Bürger am 24. März auf, ihre erworbenen Devisen- und Goldbestände wieder in den türkischen Wirtschaftskreislauf zurückzuführen.

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Wie die obere Grafik veranschaulicht, erkennt man, dass die Google-Suchaktivität nach Bitcoin seit der Aufforderung Erdogans wieder zunahm. Es scheint also, als ob sich eine Kehrtwende im Investitionsverhalten einiger türkischer Bürger abzeichne. Als Reaktion explodierte der Wechselkurs auf türkischen Offline-Börsen förmlich. Bürger mussten dort bis zu 100.000 US-Dollar in Lira aufbringen, um einen Bitcoin zu erwerben, fast das doppelte des globalen Marktpreises.

Der Trend dürfte jedoch nicht nur von privatwirtschaftlicher Seite kommen. Denn auch die türkische Regierung interessiert sich zunehmend für diesen Markt. Anfang März kündigte das türkische Finanzministerium an, dass es mit der Zentralbank und den Regulierungsbehörden zusammenarbeiten werde, um klare Richtlinien für die Nutzung von Kryptowährungen festzulegen.

Welche Richtlinien das genau sein werden, ist bisher unklar. Ein großer Dorn im Auge Erdogans dürfte die charakteristische Anonymität vieler Kryptowährungen sein. Letztes Jahr ließ der türkische Staatsmann beispielsweise Twitter sperren, nachdem seine Tochter auf dem sozialen Medium beleidigt worden war. Kritiker sehen darin jedoch einen Vorwand, um gezielter gegen Oppositionelle vorzugehen, denen die Plattform als Sprachrohr dient.

Genau wie Twitter ist auch Bitcoin ein wichtiges, oppositionelles Instrument – vor allem in autoritär geführten Ländern. So können beispielsweise anonym Spenden an Regierungskritiker versendet werden, ohne etwaige Konsequenzen vom Staat fürchten zu müssen. So geschehen im Fall Nawalny. Erdogan und seine Regierung könnten versuchen, unter dem Vorwand der Verhinderung von Terrorismusfinanzierung, diese Einkommensquellen stillzulegen.

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