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Mehr als nur KryptoDie Blockchain im öffentlichen Sektor – quo vadis?

Die Blockchain ist deutlich mehr als nur die technologische Basis von Kryptowährungen. Als Transaktionssystem ist sie vielmehr prädestiniert für Anwendungen im Bereich von Registern, Buchhaltungen, Steuern, Finanzen und Co. und damit insbesondere auch für öffentliche Organisationen und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben.

Marc Seiger
 |  Lesezeit: 3 Minuten
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Public Sector

Quelle: Shutterstock

Dass die Blockchain als Transaktionssystem für Anwendungen im öffentlichen Sektor mit seinen Registern, Büchern, Nachweisen und Verwaltungsakten, sowie den damit verbundenen Anforderungen an die Datenintegrität, -legitimität und -sicherheit prädestiniert ist, dürfte kaum überraschen. Dieses Potenzial der Blockchain-Technologie ist den Handelnden im Bereich des öffentlichen Sektors gleichfalls bewusst. So zeigt eine 2020 weltweit unter Führungskräften in der öffentlichen Verwaltung, der kommunalen Verwaltung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, von der BDO Blockchain Initiative durchgeführte Befragung, dass “64 % der Befragten sich offen für innovative Lösungen [zeigen], und 57 % glauben, dass der öffentliche Sektor das Potenzial der Blockchain-Technologie nutzen wird.” Dies bestätigen auch die verschiedenen aktuellen auf der Blockchain basierenden Anwendungen und Projekte in diesem Bereich, wie beispielsweise:

  • das Handelsregister in Malta,
  • ein Landregister in Schweden,
  • ein Grundbuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten,
  • ein ID-System in Argentinien und Äthiopien,
  • eine elektronische Identität, von der Steuererklärung bis zur elektronischen Patientenakte in Estland und
  • erste (Abitur) Zeugnisse in einigen deutschen Bundesländern.

Unabhängig von den verschiedenen bereits realisierten Anwendungen, wird von “80 % der Befragten … das Fehlen einer Blockchain-Regulierung [als] das größte Hindernis für die Umsetzung der Blockchain” gesehen. Des Weiteren mangelt es oftmals noch an entsprechendem Wissen über die Blockchain, sowie konkreten und nachhaltigen praktischen Anwendungsbeispielen. Zudem kämpft die Blockchain nach wie vor mit einem gewissen “Schmuddel”-Image, welches häufig durch die mediale Berichterstattung rund um einzelne Kryptowährungen geprägt ist und diese vereinfachend mit der Blockchain als Technologie gleichgesetzt werden, sodass es oftmals noch an einer hinreichenden Akzeptanz fehlt. Nichtsdestotrotz ist hier in der jüngeren Vergangenheit viel passiert, sodass ein näherer Blick lohnt.

Wo steht die Blockchain-Strategie der Bundesregierung?

Mit der im Herbst 2019 verabschiedeten und unter Einbezug von verschiedenen Expertinnen und Experten entwickelten Blockchain-Strategie hatte die Bundesregierung einen ersten Handlungs- und Entwicklungsrahmen vorgestellt. So wurden in dem Strategiepapier insgesamt 44 Maßnahmen in 5 Handlungsfeldern benannt. In dem aus Sicht des Public Sectors interessantesten Handlungsfeld der “Digitale[n] Verwaltungsdienstleistungen”, mit 10 Maßnahmen, wurden, wie aus einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung hervorgeht, zwischenzeitlich alle Maßnahmen begonnen. Was dies für den konkreten Umsetzungsstand bedeutet, ist allerdings nicht ersichtlich. Es bleibt spannend, ob die Blockchain-Strategie es schafft, die mit ihr verbundenen Ziele zu realisieren oder ob sie, wie von Kritikern seit längerem und jüngst vom Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler von der FDP beklagt, lediglich “mit viel Tamtam angekündigt [wurde], aber am Ende der Legislaturperiode … nur heiße Luft übrig …[bleibt].”

Welche Pläne finden sich im Koalitionsvertrag?

Im aktuellen Koalitionsvertrag findet sich die Blockchain an drei bzw. unter Einbezug von Anwendungen aus dem Bereich der Kryptowährungen an insgesamt acht Stellen wieder. Demnach ist u. a. geplant, “eine Machbarkeitsstudie in Auftrag [zu geben], um zu untersuchen, ob ein Grundbuch auf der Blockchain möglich und vorteilhaft ist.” (S. 92 des Koalitionsvertrags).

Welche allgemeinen Entwicklungen gib es?

Insgesamt ist ein langsames, aber stetiges Interesse an einem weiteren Wissensaufbau und die Überführung dieses in konkrete Anwendungen zu verzeichnen. So wurde in diesem Jahr beispielsweise vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung ein Blockchain Ideenwettbewerb veranstaltet. Da “die Blockchain-Technologie … erst langsam in der freien Wirtschaft an[kommt und] … in vielen Unternehmen das notwendige Know-how fehlt und die Potenziale der Technologie noch nicht hinreichend bekannt sind, [wurde in] … dem Wettbewerb … nach Praxisbeispielen [gesucht], die die Möglichkeiten der Technologie greifbar machen, damit sie weiter in der niedersächsischen Wirtschaft verbreitet wird”, so der niedersächsische Wirtschafts- und Digitalisierungsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU).

Dieser Trend hin zu konkreten Anwendungen spiegelt sich auch im diesjährigen Gartner Hype Cycle zur Blockchain wider, sodass sich die Blockchain, nachdem die vergangenen Jahre eher aus einem Mix an überhöhten Erwartungen und damit naturgemäß auch einhergehenden Ernüchterungen geprägt waren, nun in der Phase der Aufklärung und an der Schwelle zum Plateau der Produktivität befindet. Somit dürfte mittelfristig die spannende Phase der “echten” und nachhaltigen Anwendungen auf der Blockchain, sowohl im Public Sector als auch in der freien Wirtschaft, beginnen.

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