Finanzmarkt im Überblick  Das wird für Bitcoin und Krypto in dieser Woche wichtig

Anleger im Krypto-Space sollten in dieser Handelswoche die folgenden Wirtschafts- und Finanzdaten im Blick haben.

Stefan Lübeck
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Stock Exchange Gebäude

Beitragsbild: Shutterstock

| Auch in dieser Kalenderwoche stehen viele Termine an, die die Kurse von Bitcoin und Co. beeinflussen könnten

Trotz eines massiven Abverkaufs im Altcoinsektor konnte sich der Kurs von Bitcoin (BTC) vorerst gut behaupten und den wichtigen Supportbereich um 25.300 US-Dollar abermals verteidigen. Wenige Stunden vor Wochenschluss am Sonntagabend handelte die Krypto-Leitwährung bei rund 26.000 US-Dollar und damit rund zwei Prozent oberhalb seines Wochentiefs. Trotz dieser relativen Stärke ist die charttechnische Situation bei Bitcoin so brenzlig wie lange nicht mehr. Eine zunehmende Anzahl an Altcoin-Projekten wurde in den vergangenen Tagen als ungesichertes Wertpapier durch die Security and Exchange Commission (SEC) eingestuft. In Anbetracht der negativen News konnte der Krypto-Space zuletzt nicht von der positiven Kursentwicklung am US-Aktienmarkt profitieren. Vielmehr sorgten erhebliche Long-Liquidationen von gehebelten Wetten in einem Umfang von mehreren hundert Millionen US-Dollar bei vielen Altcoins wie Cardano (ADA), Polygon (MATIC) und Solana (SOL) für drastische Kursrücksetzer von zwischenzeitlich mehr als 20 Prozentpunkten. Lediglich Bitcoin, die Nummer zwei Ethereum (ETH) sowie überraschenderweise Ripple (XRP) konnten sich im Wochenvergleich mit einstelligen Kursabschlägen achtbar aus der Affäre ziehen.

Folgende Wirtschaftsdaten werden in dieser Woche relevant

Die dritte Handelswoche im Juni stellt den Höhepunkt in diesem Handelsmonat dar. Zunächst werden die neusten Daten zu den US-Verbraucherpreisen bekannt gegeben. Zur Wochenmitte folgt die Leitzinssitzung der US Federal Reserve Bank (Fed). In der zweiten Wochenhälfte am Donnerstag gibt sodann die Europäische Zentralbank EZB ihre Zinsentscheidung für den Euroraum bekannt. Abgerundet wird die Handelswoche von finalen Inflationsdaten für die Eurozone im Monat Mai.

US-Verbraucherpreise zum Wochenstart

Dienstag, 13. Juni 2023: Am morgigen Dienstag präsentiert das US Bureau of Labor Statistics die neuesten US-Inflationsdaten für den Monat Mai. Zuletzt folgten die Verbraucherpreise der rückläufigen Tendenz der ersten fünf Handelsmonate und rutschten mit 4,9 Prozent erstmals wieder unter die wichtige Marke von 5,0 Prozent ab. Für den abgelaufenen Monat Mai rechnen die Marktexperten mit einem weiteren Rückgang auf 4,7 Prozent. Sollten die Analystenerwartungen erreicht oder sogar unterboten werden, verbessern sich die Chancen für eine Pausierung bei der Fed-Leitzinsanpassung am morgigen Mittwoch weiter. Der US-Finanzmarkt dürfte von rückläufigen Inflationsraten profitieren und optimalerweise auch den Kryptomarkt stabilisieren. Anleger werden zudem jedoch auch auf die Entwicklung der Kerninflationsrate sowie der Verbraucherpreise im Monatsvergleich schauen. Diese entwickelten sich zuletzt nicht wie von den US-Währungshütern erwartet und verweilten auf einem erhöhten Niveau. Zwar erwarten die Experten für den Monat Mai auch hier einen leichten Rückgang, ein unerwarteter Anstieg der Verbraucherpreise könnte Anleger jedoch dazu bewegen, sich vermehrt von risikobehafteten Assetklassen wie dem Krypto-Sektor zu trennen, da die US-Notenbank womöglich mit einer weiteren Zinserhöhung reagieren könnte. 

Leitzinssitzung der Fed zur Wochenmitte

Mittwoch, 14. Juni 2023: Um 20:00 Uhr (MEZ) kommt es zum Showdown. Die US-Notenbänker geben ihre neuste Leitzinsentscheidung bekannt. Zuletzt hatte die Fed unverändert an ihrer hawkishen Geldpolitik festgehalten und den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 5,25 Prozent angepasst. Sollte die Inflationsrate am Vortag weiter zurückgegangen sein, würde der US-Leitzins zunehmend deutlich oberhalb taxieren, was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung reduzieren dürfte. Aktuell gehen laut CME-Watchtool nur noch 29 Prozent der Marktteilnehmer von einer Leitzinsanpassung um weitere 25 Basispunkte aus. In Anbetracht der zuletzt weiter verhaltenen Aussichten für die US-Wirtschaft, bedingt durch zunehmende Zinsrisiken am US-Häusermarkt rechnete die große Mehrheit der befragten Investoren mit einer Aussetzung der Zinsanpassung. Zwar hatte Powell der Hoffnung auf eine Beendigung der aggressiven Geldpolitik bereits in der letzten Fed-Pressekonferenz im Mai eine Absage erteilt, die jüngsten Aussagen mehrerer Fed-Mitglieder indizieren jedoch eine uneinheitliche Meinung über die Geldpolitik in den kommenden Monaten. Ob sich das Blatt somit zunehmend zurück in Richtung einer lockeren Politik der Fed in den kommenden Monaten dreht, bleibt abzuwarten. Eine Mehrheit der Anleger von 64 Prozent rechnet weiterhin zumindest mit einer weiteren Leitzinserhöhung in einer der nächsten beiden Zinssitzungen. Eine Pausierung darf zu diesem Zeitpunkt daher nicht überbewertet werden. Dennoch dürfte der Aktienmarkt in einer Erstreaktion mit Kursaufschlägen reagieren, was auch den Kurs von Bitcoin positiv beeinflussen könnte. Wie schon beim letzten Zinsentscheid im Mai werden die Anleger versuchen, die Aussagen des Fed-Chefs Jerome Powell bei der anschließenden Pressekonferenz um 20:30 Uhr zu interpretieren. Eine Zunahme der Marktvolatilität muss daher eingeplant werden.

EZB Zinssitzung in der zweiten Wochenhälfte

Donnerstag, 15. Juni 2023: Um 14:15 Uhr (MEZ) veröffentlicht die Europäische Zentralbank (EZB) ihre neuste Leitzinsentscheidung für Europa. Im Vormonat erhöhten Europas oberste Währungshüter den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent. Auch bei der vierten Zinssitzung in 2023 erwartet die Mehrheit der Marktanalysten eine Zinsanhebung um weitere 0,25 Prozent auf 4,0 Prozentpunkte. Trotz eines zuletzt rückläufigen Verbrauchpreisindex auf derzeit 6,1 Prozent könnte der EZB vorerst keine Wahl bleiben, als die Leitzinsen sukzessive weiter in Richtung der Inflationsrate anzupassen. Da Europas Wirtschaft in der Vorwoche jedoch offiziell in die Rezession abgerutscht ist, kann eine Pausierung auch hier nicht ausgeschlossen werden. EZB-Chefin Lagarde muss zum Schutz der angeschlagenen EU-Wirtschaft zunehmend vorsichtig agieren, um keine nachhaltige Wirtschaftskrise im europäischen Währungsraum zu riskieren. Ihr Entscheidungsspielraum scheint zunehmend begrenzt. Erhöht die EZB den Leitzins um weitere 25 Basispunkte, dürfte der Euro-Dollar Kurs zunächst an Stärke zunehmen, was sich stabilisierend auf den Bitcoin-Kurs auswirken könnte. Die Investoren werden wie schon am Vortag vor allem auf die anschließende Pressekonferenz um 14:45 Uhr schauen. Jegliche Aussagen Lagardes in Richtung einer geldpolitischen Änderung in den kommenden Monaten dürfte zu einem Anstieg der Volatilität an den Aktienmärkten und damit auch im Krypto-Sektor führen. 

Neue Inflationsdaten aus der Eurozone zum Wochenschluss

Freitag, 16. Juni 2023: Um 11:00 Uhr (MEZ) veröffentlicht Eurostat die finalen Verbraucherpreise für Europa im Vormonat Mai. In der Vorabveröffentlichung am 1. Juni lag die Inflationsrate mit 6,1 Prozent unterhalb der Expertenprognose von 6,3 Prozent. Die Experten rechnen für die finalen Daten nun ebenfalls mit einem Anstieg im Jahresvergleich von 6,1 Prozent. In Anbetracht weiter fallender US-Verbraucherpreise ist hier jedoch eine Überraschung vorstellbar. Insbesondere der zuletzt unerwartet starke Rückgang der deutschen Verbraucherpreise macht jedoch Hoffnung, dass sich die Inflationsentwicklung in Europa weiter beruhigen könnte. Indizieren die endgültigen Verbraucherpreise für den Monat Mai einen stärkeren Rückgang und liegen unter den Expertenerwartungen, ist eine positive Kursreaktion am europäischen Aktienmarkt vorstellbar. Davon könnte auch der Bitcoin-Kurs profitieren. Sollten die Verbraucherpreise hingegen oberhalb der Analystenprognose notieren und damit wider Erwarten zunehmen, wäre dies ein herber Dämpfer im Kampf gegen die zu hohen Verbraucherpreise in der Eurozone. Anhaltend hohe Inflationsraten in den Ländern Europas würden die Risiken eines wirtschaftlichen Abschwungs der EU-Wirtschaft zusätzlich verschärfen. Sollten die europäischen Aktienmärkte sodann deutlicher korrigieren, könnte dies die Kursentwicklung von Bitcoin und Co. zusätzlich negativ beeinflussen.

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