Blockwall im Interview “Solana ist ein guter Treiber für das Ökosystem”
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 8 Minuten

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Bereits im Jahr 2017 hat Blockwall den ersten BaFin-registrierten Krypto-Fonds in Deutschland aufgesetzt. Den Schwerpunkt haben diverse Kryptowährungen, von Bitcoin über Dash bis hin zu Solana, gebildet. Nun, fast vier Jahre später, geht Blockwall mit einem zweiten Krypto-Fonds ins Rennen. Diesmal geht es allerdings nicht um Blockchain-Protokolle, sondern um Krypto-Start-ups, die von dem Wagniskapitalfonds profitieren sollen. Um mehr über die Investmentstrategie von Blockwall zu erfahren, haben wir ein Interview mit den beiden Blockwall-Gründern und Partnern, Dominic Briggs und Laurenz Apiarius, geführt.

Dieser Artikel erschien zunächst in der August-Ausgabe unseres Magazins Kryptokompass.


BTC-ECHO: Wie beurteilt ihr die aktuelle Marktlage bei Kryptowährungen?

Laurenz Apiarius: Bei Investments nehmen wir immer den langfristigen Horizont in den Blick, da unsere Fonds darauf ausgelegt sind. Wenn ich die Frage ehrlich beantworte, muss ich sagen: Es gibt keine Volatilität am Markt. Der Kurs ist zwar mit sehr viel Volatilität hochgegangen auf 60.000 US-Dollar, dann ist er erst einmal wieder abgestürzt auf 30.000 US-Dollar. Nun bewegt er sich in einer sogenannten Range; das heißt es gibt keinen klaren Trend nach oben oder unten. Das ist aber nur die kurzfristige Betrachtung.

Aber grundsätzlich – aus unserer Perspektive betrachtet– sind wir weiterhin in einem Marktumfeld, das extrem positiv für Kryptowährungen aber auch für Equity-basierte Entwicklungen ist.

BTC-ECHO: Das heißt, die Korrektur beeinflusst euch nicht wirklich oder ihr kauft sogar nach, weil ihr sagt, die Kurse nehmen wir nochmal mit?

Dominic Briggs: Genau. Wir haben da grundsätzlich relativ viel Ausdauer in Bezug auf die Kursvolatilität, da wir auf einen gewissen Horizont investieren. Gleichwohl sind steigende Kurse für uns eine Möglichkeit, Positionen zu realisieren und bei fallenden Kursen nachzukaufen. 

BTC-ECHO: Wie aktiv tradet ihr eure Fonds? Betreibt ihr Rebalancing?

Laurenz Apiarius: Wir sind kein passiver Krypto-Fonds, sondern betreiben Fundamentalanalysen in dem Sinne, als dass wir fragen, welche Lösungen gebraucht werden und wie der Zeithorizont ist, in dem diese marktreif werden könnten. Bei unserem ersten Fonds haben wir relativ viele Seed-Investments gemacht, was zeigt, dass wir mit einem langen Horizont an die Sache herangehen. Da passiert erstmal gar nichts, da wird auch nichts gerebalanct. Irgendwann werden diese Token aber liquide. Dann ist die Frage: Wohin bewegt sich der Markt und wie ist die Laufzeit unseres Fonds? Anhand dieser Faktoren versuchen wir bei steigenden Kursen dann schon Profite zu nehmen und bei fallenden Kursen aufzustocken. Für liquide Token geht Rebalancing schon eher. Schließlich haben wir da mehr Fakten, auf denen wir unsere Investment-Entscheidungen basieren können.

BTC-ECHO: Was sind die wichtigsten Aspekte, die ihr bei euren Investmententscheidungen berücksichtigt?

Laurenz Apiarius: Gerade, wenn man früh investiert, kommt es stark auf das Team an. Bringt das Team Kredibilität aus früheren Projekten mit? Können sie ihre Visionen umsetzen? Ist das Ökosystem stark genug, um das zu tun? Wenn die Token erst einmal gelistet sind, kommt es natürlich auf andere Marktdynamiken an. 

BTC-ECHO: Hand aufs Herz: Gibt es nicht viel zu viele substanzlose Blockchain-Protokolle, insbesondere im DeFi-Bereich, die eine regelrechte Inflation an Token bewirken?

Dominic Briggs: Natürlich ist die Sinnhaftigkeit des Projekts für uns entscheidend. Gibt es eine Nachfrage am Markt und ist die Werthaltigkeit auch im Token gegeben? Die grundsätzliche Frage, ob ein Token-Investment Sinn ergibt, steht immer noch am Anfang jeder Entscheidung. Als Finanzierungsform kommen Token gerade dann infrage, wenn es sich eben um dezentrale Infrastruktur-Lösungen handelt – weniger, wenn sie auf der Anwendungsseite platziert sind. Genauso ist es im DeFi-Bereich. Bei vielen Token im ICO-Bereich war keine Werthaltigkeit im Token gegeben, da sie sich nicht auf die Protokoll-Ebene bezogen haben oder in einem Ökosystem verankert waren, sondern oft zu reinen Fundraising Zwecken verwendet wurden.

Laurenz Apiarius: Ich würde sogar eine Stufe weitergehen: Gerade die Tatsache, dass sich so viele Teams um das Thema DeFi kümmern, ist eigentlich ein sehr guter Hinweis darauf, dass das etwas ist, was in irgendeiner Form eine Sinnhaftigkeit mit sich bringt. Es ist ja für uns als Investor auch viel besser, aus einer Vielzahl an Projekten entscheiden zu können, worein wir investieren. Wir müssen bei DeFi zumindest nicht mehr die Grundsatzfrage beantworten, ob das Sinn ergibt.

BTC-ECHO: Und welches dieser Projekte sticht in eurem Fonds besonders heraus?

Dominic Briggs: Solana ist ein guter Treiber für das Ökosystem. Schließlich haben die genau die Problematik angesprochen, die viele Protokolle hatten, nämlich Skalierbarkeit, hohe Transaktionskosten, geringe Transaktionsgeschwindigkeit: Das sind alles Punkte, die Solana löst. Daher ist das ein ideales Protokoll für den DeFi Space. 

Das war genau der Vergleich: Wenn es solche Projekte gibt, die einen so konkreten Technologie-Ansatz haben und ein Problem im Markt lösen, dann sind das eben sinnhafte Investments, wo auch der Token eine wesentliche Rolle spielt. Wir haben aber auch schon viele Projekte gehabt, die 2017 auf uns zukamen, wo wir aber in den Token Economics überhaupt keine Sinnhaftigkeit gesehen haben. Das waren aber auch die Projekte, die drei Jahre danach auf uns zukamen, weil der Token wertlos geworden war und dann Eigenkapital einsammeln wollten. 


BTC-ECHO: Eurer erster Fonds war auf Token-Investments ausgerichtet, während nun euer zweiter Fonds als Venture Capital Fonds daherkommt und sich auf Start-ups fokussiert. Was ist die Motivation für diese neue Fokussierung? Bei welchem Fonds erwartet ihr die höhere Rendite?

Dominic Briggs: Also grundsätzlich ist es eine Erweiterung unserer Anlagestrategie. Wir haben gesehen, dass die Grundvoraussetzungen gelegt sind. Nun gibt es eine Toolbox, die die Blockchain-Technologie anbietet und dieser bedienen sich nun die für uns interessanten Start-ups. Das teilt sich in zwei Thesen auf. Die eine ist: Durch den immer institutioneller werdenden Krypto-Markt brauchen wir mehr institutionelle Services: Steuer-Dienste, KYC/AML-Lösungen, On- und Offramps, Custody. All diese Themen existieren im Krypto-Ökosystem und wachsen mit ihm. 

Das sind aber genau die Fälle, in denen Token-Investments keinen Sinn ergeben. Das sind klassische Equity-Start-ups. Die andere These ist, dass wir im Rahmen der generellen Digitalisierung einen enormen Trend zu B2B-Software-as-a-Service sehen. Für Start-ups in diesem Bereich bietet Blockchain auch eine sehr spannende Toolbox, um sich hier einen Wettbewerbsvorteil aufzubauen. Das ist auch auf einem Level, wo es um klassische Equity-Investments geht, weil hier auch Token-Investments oder ein eigener Token wenig Sinn ergeben. 

BTC-ECHO: Welche Branche an Krypto-Start-ups (Payment, Infrastruktur, NFT, DeFi etc.) ist für euch besonders interessant? Wo seht ihr kurz- bis mittelfristig das größte Potenzial?

Laurenz Apiarius: DeFi ist einer der greifbarsten Bereiche, den wir sehen. Auch der Bereich NFT, den wir ein paar Jahren beobachtet hatten, hat eine Art Wiedergeburt bekommen. Das ist noch einer der klareren Use Cases für Blockchain am Ende des Tages: Nämlich ein digitales Zertifikat zu machen.

Die spannende Frage ist: Welche Use Cases sind am Ende des Tages überhaupt umsetzbar? Ich stelle mal in den Raum, dass digitale Kunst sicher relevant sein wird. Ich habe auch ein Projekt gesehen, da werden NFT für klassische Videospiele genutzt. Du schaffst mit NTF eine Belastbarkeit für Werte, die heute so noch nicht greifbar ist.

Dominic Briggs: Wenn man jetzt auf die Equity-Seite geht, dann gibt es einen ganz klaren Trend, das Leben für diejenigen einfacher zu machen, die jetzt in Berührung mit Token-Investments kommen. Das heißt, wenn ich als Payment Processor zum Beispiel Source of Funds überprüfen muss oder Risikoprofile von Marktteilnehmern erstelle, dann sind Crypto Compliance Tools ein Riesen-Thema. Da wäre Chainalysis zu nennen. Die haben einen riesigen Erfolg gehabt und sehr viele Funding-Runden erfolgreich durchführen können.

Generell geht es da immer um die Vereinfachung der Nutzbarkeit. Das heißt, wie kann ich vereinfachen, dass mein Steuer-Report funktioniert und ich nicht alles händisch eintragen muss? Auf der B2B-Seite sehen wir vor allem auf der Supply-Chain-Seite viele Blockchain-Lösungen mit Zukunft. Bei den Themen Circular Economy und Mobility sehen wir eine unglaubliche Nachfrage. Vor allem durch das neue Lieferkettengesetz drängen da immer mehr Lösungen in den Markt. 

Auch Identity ist ein großes Thema – das wird aber eher über Konsortien getrieben. Und natürlich befassen wir uns mit IoT und Data Sharing.

Viele der Anwendungen gehen als Cross-Industry-Anwendungen durch. Natürlich ist der Finanzmarkt der aktivste Markt, der Automotive-Markt sowie Pharma kommen dann an zweiter und dritter Stelle.

BTC-ECHO: Wie beurteilt ihr den Standort Deutschland für die Krypto-Industrie? Sollte man nicht lieber in die Schweiz oder gar nach Singapur gehen, wenn man ein Krypto-Unternehmen gründen möchte?

Laurenz Apiarius: Für klassische Equity-Start-ups ist Deutschland ein klasse Standort. Es gibt Klarheit und rechtliche Sicherheit. Klar gibt es da noch Optimierungspotenzial, wie man Mitarbeiterbeteiligungsprogramme aufbaut, was in den USA als dominantem Venture-Standort bereits seit jeher existiert. Da können wir noch nachbessern in Deutschland, aber sonst ist Deutschland als Equity-Standort sehr spannend.

Etwas anders sieht es bei Token-Projekten aus. Bei Token zielt man ja vor allem auf dezentrale Lösungen ab. Das heißt, man braucht eher eine Art Startrampe, mit der man die Entwicklung lostritt. Aber dann kommt es sehr stark darauf an, wo habe ich mein Ökosystem, wo kann ich möglichst global diese Dezentralität fördern? Und da gibt es natürlich in Deutschland einige Verbesserungspotenziale. Deutschland ist jetzt nicht der ideale Standort, um ein Token-Projekt zu starten – vor allem unter steuerlichen Gesichtspunkten. Dafür bietet beispielsweise die Schweiz eine bessere Grundlage. Wir sehen zum Beispiel viel, dass Entwicklerteams in Berlin sitzen, das Unternehmen selbst aber in der Schweiz registriert ist. 

BTC-ECHO: Und abschließend, wo seht ihr den Bitcoin-Kurs zum Jahresende?

Dominic Briggs: Was wir bei einem langfristigen Blick auf den Bitcoin-Kurs sehen können, ist: Fundamental gibt es einen positiven Trend. Für uns ist der Blick an das Jahresende allerdings nicht relevant, da wir auf einen Horizont investiert haben, der über mehrere Jahre geht. Auf Jahresendkurse sind wir dementsprechend nicht angewiesen.


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