Höchststand seit 2002 

Bitcoin versus Zinsen: Warum US-Anleiherenditen den Kurs belasten

Die Inflation fällt milder aus als erwartet, aber trotzdem werfen US-Staatsanleihen so viel Zinsen ab wie seit 2002 nicht mehr. Für den Bitcoin-Kurs eine schwierige Gemengelage.

Philipp Baumgartner
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Fed-Chef Kevin Warsh spricht am Rednerpult vor der US-Flagge und der Flagge des Federal Reserve Board

Beitragsbild: picture alliance

| Für die Fed-Sitzung am 28. Oktober rechnet der Markt inzwischen mehrheitlich mit unveränderten Leitzinsen

Die Krypto-Leitwährung brauchte am Mittwoch keine Stunde, um auf die neuen US-Inflationsdaten zu reagieren. Kurz nach der Veröffentlichung um 14:30 Uhr unserer Zeit sprang der Bitcoin-Kurs von rund 83.800 auf gut 85.300 US-Dollar. Am frühen Abend notierte er aber schon wieder unter 84.000 US-Dollar. Länger hielt der Schwung nicht, und das lag an einer Entwicklung bei US-Staatsanleihen, die Bitcoin die ganze Woche über ausgebremst hat.

Die Zinserhöhung im Oktober wackelt

Auslöser des kurzen Kurssprungs war der PCE-Preisindex für August, den das US-Statistikamt BEA am Mittwoch veröffentlichte. Er misst, wie stark die Preise für die Konsumausgaben der privaten Haushalte steigen, und ist das Maß, an dem die Fed ihr Inflationsziel von zwei Prozent ausrichtet.

Im August stiegen die Preise demnach um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten hatten mit 3,7 Prozent gerechnet, weil die BEA für Juli ebenfalls 3,7 Prozent gemeldet hatte, und so sah es zunächst nach sinkender Inflation aus. Die BEA hatte allerdings ihre Berechnungsmethode geändert und den Juli gleich mit neu berechnet. Nach der neuen Rechnung lag die Inflation schon im Juli bei 3,4 Prozent und ist im August damit gar nicht gesunken.

An den Finanzmärkten reichte die Überraschung trotzdem für einen Stimmungswechsel. Das FedWatch-Tool der US-Börse CME berechnet aus den Preisen von Finanzprodukten, wie wahrscheinlich eine bestimmte Fed-Zinsentscheidung ist. Vor einer Woche lag die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung bei der Sitzung am 28. Oktober noch bei 64,2 Prozent.

CME FedWatch Wahrscheinlichkeiten für die Fed-Zinsentscheidung am 28. Oktober 2026
Eine Zinserhöhung am 28. Oktober sehen Anleger nur noch mit 28,2 Prozent Wahrscheinlichkeit | Quelle: CME Group

Am Freitagmorgen waren es lediglich noch 28,2 Prozent. Auch etablierte Bankhäuser wie Goldman Sachs erwarten den nächsten Zinsschritt inzwischen erst im Dezember. Vom Tisch ist die Erhöhung damit aber noch nicht: Fed-Gouverneur Michael Barr sah in den vergangenen 20 Monaten nur zwei Monate, deren Daten zum Inflationsziel von zwei Prozent passten.

US-Staatsanleihen so attraktiv wie seit 2002 nicht mehr

Der Leitzins der Fed bestimmt vor allem, was kurzfristige Kredite kosten. Wer den Vereinigten Staaten für zehn oder 30 Jahre Geld leiht, verlangt einen zusätzlichen Aufschlag, weil Inflation oder eine wachsende Staatsverschuldung in dieser langen Zeit den Wert seiner Zinsen schmälern können. Ablesen lässt sich das an der Rendite, also dem jährlichen Zins, den eine Anleihe zum aktuellen Kurs abwirft. Am Donnerstag stieg sie bei zehnjährigen US-Staatsanleihen laut LSEG auf 5,33 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit April 2002, während 30-jährige Anleihen mit 5,67 Prozent so viel abwarfen wie zuletzt im Juli 2002.

Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von 2000 bis 2026 im FRED-Chart
Wachstum und Sorgen um die Staatsschulden treiben die Zinsen für US-Staatsanleihen nach oben | Quelle: FRED

Auch die Sorgen um die hohe Staatsverschuldung der USA reißen nicht ab. Je mehr Zinsen der Staat für seine Schulden zahlen muss, desto mehr neue Anleihen muss er ausgeben, und dieses zusätzliche Angebot treibt die Renditen weiter nach oben. Die 30-jährige Rendite liegt damit rund 0,2 Prozentpunkte über dem Stand, den wir in der vergangenen Woche beschrieben haben. Was das für Bitcoin bedeutet, zeigt der Kursverlauf der Woche.

Bitcoin pendelt derzeit in einer engen Spanne

Vom vergangenen Donnerstag bis zu diesem Donnerstag legte Bitcoin nur rund 0,6 Prozent zu und schloss den Tag bei knapp 84.900 US-Dollar. Die gesamte Woche spielte sich zwischen etwa 82.600 und 85.300 US-Dollar ab, weil zwei Kräfte in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Eine Fed, die nicht weiter erhöhen muss, macht riskantere Anlagen wie Bitcoin attraktiver. Höhere Zinsen für Staatsanleihen bewirken jedoch genau das Gegenteil, denn je mehr eine sichere Anleihe abwirft, desto interessanter wird sie für Investoren.

Im Vergleich mit Gold schlägt sich Bitcoin derzeit aber ordentlich. Das Edelmetall, das ebenfalls keine Zinsen abwirft, kostete am Donnerstagabend rund 4.178 US-Dollar je Unze und damit gut zwei Prozent weniger als eine Woche zuvor. Der Dollar stieg, gemessen an einem Korb wichtiger Währungen, auf den höchsten Stand des Jahres. Optimistischer zeigt sich Citigroup: Die Bank hob ihr Kursziel für Bitcoin auf Sicht von zwölf Monaten von 82.000 auf 113.000 US-Dollar an.

Der Arbeitsmarktbericht kann die Woche noch drehen

Dieser Text entstand am Freitagmorgen, einige Stunden vor dem US-Arbeitsmarktbericht für September, der um 14:30 Uhr unserer Zeit erscheint. Kaum eine Veröffentlichung bewegt die Erwartungen an die Fed so stark, und die vergangenen Tage haben gezeigt, wie schnell sich diese Erwartungen derzeit drehen. Bitcoin notierte vor den Zahlen bei knapp 86.000 US-Dollar und damit über der Spanne der Woche. Der Bericht könnte die Kursentwicklung bis zum Wochenende also noch erheblich beeinflussen.

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