Makroanalyse 

Bitcoin-Kurs: Warum der Rebound noch keine Entwarnung ist

Der S&P 500 markiert ein neues Allzeithoch und auch Bitcoin und Ethereum haben sich seit Ende März leicht erholt. Doch eine echte Entwarnung gibt es noch nicht.

Timur Yildiz
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Bitcoin-Münze transparent vor einer Anzeigetafel an der Börse

Beitragsbild: Shutterstock

| Trotz Erholung seit Ende März bleibt Bitcoin im Spannungsfeld

Seit Ende März hat sich an den Märkten ein klarer Risk-on-Rebound aufgebaut. Durch die Entspannung im Iran-Krieg hoffen viele Anleger jetzt auf eine neue Rallye. Der S&P 500 erreichte neue Rekordstände, auch Bitcoin, Ethereum und kleinere Krypto-Segmente legten zu. Die entscheidende Frage ist nun, ob diese Erholung angesichts weiterhin hoher Ölpreise, steigender Inflation und einer abwartenden US-Notenbank tragfähig ist. Klar ist: Die Rallye ist real, bleibt technisch und makroökonomisch aber anfällig.

Aktien und Krypto steigen – doch die Gefahrenzone bleibt bestehen

Die jüngsten Kursbewegungen sprechen klar für einen Rebound. Seit dem 30. März gewann der S&P 500 rund 11,7 Prozent, Bitcoin rund 16,65 Prozent. Auch Ethereum und kleinere Krypto-Segmente legten zu. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass die Gefahrenzone bereits verlassen wurde.

Denn ein Anstieg in einem übergeordneten Abwärtstrend allein reicht noch nicht aus, um von einer Trendwende zu sprechen. Gerade in fragilen Marktphasen können starke Gegenbewegungen entstehen, ohne dass die übergeordnete Unsicherheit verschwindet.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der Blick auf die relative Entwicklung. Bitcoin konnte sich im jüngsten Rebound zeitweise sogar stärker entwickeln als der S&P 500. Das widerspricht zwar einer pauschalen Schwächethese, ändert aber nichts an der zentralen Frage, ob die Erholung stabil genug ist, um auch die nächste Makrophase zu überstehen.

Öl bleibt die wichtigste Makro-Variable

Der wichtigste externe Risikofaktor bleibt weiterhin der Ölmarkt. Zwar hat sich der Ölpreis von seinen jüngsten Hochs gelöst, doch der Kurs bleibt erhöht. Genau dort liegt das Problem, denn für die Märkte reicht es nicht nur, dass der Energieschock etwas nachlässt. Entscheidend ist, ob sich die Energiepreise nachhaltig so weit beruhigen, dass der Inflationsdruck wieder deutlich sinkt.

Solange das nicht geschieht, bleibt Öl der zentrale Makrotreiber. Denn höhere Energiepreise wirken nicht isoliert. Sie laufen über Inflation, Renditen, Zinserwartungen und den US-Dollar in praktisch alle Risikoanlagen hinein. Das gilt für Aktien ebenso wie für Bitcoin und den restlichen Krypto-Markt.

Aus Marktsicht ist die Lage daher heikel. Die Entspannung beim Ölmarkt hat zwar geholfen, den Risk-on-Rebound zu ermöglichen. Das Preisniveau bleibt aber hoch genug, um Inflationserwartungen, Zinsen und damit auch Risikoanlagen weiter anfällig für weitere Korrekturen zu halten.

Fed und Dollar stützen den Rebound nur begrenzt

Ein weiterer Grund für die jüngste Erholung liegt im schwächeren US-Dollar. Wenn der Dollarpreisindex (DXY) nachgibt, entspannt das häufig die Finanzierungsbedingungen und stützt Risikoanlagen. Dieser Rückenwind war zuletzt klar sichtbar und half sowohl Aktien als auch dem Krypto-Markt.

Doch auch hier gilt: Unterstützung ist nicht dasselbe wie Entwarnung. Denn geldpolitisch bleibt das Umfeld zäh. Die US-Notenbank hat bislang keinen klaren Lockerungspfad signalisiert. Der Markt preist damit weiterhin eher ein länger anhaltendes Hochzinsumfeld ein als eine schnelle Rückkehr zu deutlichen Zinssenkungen.

Das ist ein zentraler Punkt für den Krypto-Markt. Denn solange die Fed nicht erkennbar dovisher wird und solange Inflationsrisiken über den Ölpreis bestehen bleiben, fehlt ein sauberer Makro-Trigger für einen dauerhaft stabilen Risikoaufschwung. Die Rallye läuft also nicht dank klarer geldpolitischer Entlastung. Mehr dazu hier: Das passiert mit Bitcoin, wenn die Zinsen steigen.

Bitcoin-Kurs erholt sich, technisch bleibt Vorsicht angesagt

Die Kursentwicklung von Bitcoin ist seit Ende März unbestreitbar positiv. Doch gleichzeitig handelt Bitcoin technisch weiterhin in einer Bearflag, sodass die übergeordnete Gefahrenlage weiterhin nicht aufgelöst ist. Solange zentrale Widerstandsbereiche im oberen Bereich der Bearflag nicht überzeugend zurückerobert werden, bleibt offen, ob der jüngste Schub der Beginn eines tragfähigen neuen Trends ist oder nur eine kräftige Gegenbewegung innerhalb eines weiterhin übergeordneten Abwärtstrends.

Stablecoin-Dominanz signalisiert weiter Defensive

Noch klarer wird die Vorsichtsthese beim Blick auf die Dominanz von USDT und USDC. Selbst in einer Phase steigender Krypto-Kurse kann eine bullishe Struktur in der Stablecoin-Dominanz darauf hindeuten, dass Kapital im Krypto-Markt weiter defensiv positioniert bleibt. Marktteilnehmer halten weiterhin einen spürbaren Teil ihrer Liquidität in Stablecoins, statt breit in riskantere Krypto-Segmente zu rotieren.

Genau an dieser Stelle verläuft die Brücke zwischen Makroumfeld und dem Krypto-Markt. Steigende Kurse sehen zunächst konstruktiv aus, doch kann der Markt intern trotzdem noch Zurückhaltung signalisieren. Genau deshalb ist die Stablecoin-Dominanz ein wichtiger Indikator für die aktuelle Marktlage.

Auch der Blick auf Total3, also den Marktwert aller Kryptowährungen ausgenommen BTC und ETH, bleibt relevant. Das Segment konnte zuletzt zulegen. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Marktstruktur bereits sauber gedreht hat und der Markt wieder in einen Bullenmodus übergeht. Ein leichter Rebound allein ist kein Beweis für eine bestätigte Trendwende.

Ob aus dem Rebound ein Trend wird, entscheidet das nächste Makrofenster

Die nächste Richtungsentscheidung hängt nun an mehreren Variablen zugleich. Erstens am Ölpreis und der Frage, ob die Entspannung bei Energie wirklich trägt. Zweitens an der US-Notenbank und daran, ob der Markt bei den Zinserwartungen erneut restriktiver wird. Drittens am US-Dollar, der den Rebound zuletzt unterstützt hat, aber jederzeit wieder nach oben drehen könnte. Und viertens an der internen Marktstruktur von Bitcoin und den Stablecoin-Indizes.

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Das Fazit: Der Rebound läuft, aber die Entwarnung fehlt. Aktien und auch Krypto haben sich zum Teil deutlich erholt. Makro und Marktstruktur sprechen aber weiter dafür, dass die Erholung eher als anfällig denn als vollständig bestätigt zu lesen ist.

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