Bitcoin-Kurs bis 2020 bei 250.000 US-Dollar? Die Stock-to-Flow-Ratio im Fokus
Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Bitcoin-Kurs bei 250.000 US-Dollar

Quelle: Shutterstock

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Keine Woche im Krypto-Markt ohne bullishe Prognosen. Am 4. November tauchte ein Paper auf, das den Bitcoin-Kurs bis 2020 bei 250.000 US-Dollar sieht. Grundlage ist eine Erweiterung der Stock-to-Flow-Ratio.

Die Stock-to-Flow-Ratio bringt Bitcoin-Kurs-Prognosen in schwindelerregenden Höhen hervor. Noch im Mai nächsten Jahres könnte die größte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung demnach bei 250.000 US-Dollar liegen. Ein anonym verfasstes wissenschaftliches Paper hat die Analyse verfeinert – und einige Mängel gefunden.


Die Stock-to-Flow-Ratio als Grundlage für Bitcoin-Kurs-Prognosen

Die Stock-to-Flow-Ratio beschreibt die Knappheit eines Assets. Das Verhältnis (Ratio) ist der Zeitraum, den es bei der aktuellen Produktionsmenge (Flow) dauern würde, bis der aktuelle Lagerbestand (Stock) erreicht ist. Anders gesagt: Das Verhältnis zwischen Bestand und Produktionsmenge beschreibt die Knappheit eines Gutes. Je höher das Verhältnis, umso knapper ein Gut.

Gewöhnlich wird die Stock-to-Flow-Ratio etwa bei Gold zu Rate gezogen. Hier geht man bei einer steigenden Knappheit davon aus, dass der Goldpreis steigt. Dabei wird stets mitgedacht, dass die Nachfrage nach dem Asset mindestens gleichbleibt.

Diese Analyse lässt sich auch auf den Bitcoin-Kurs anwenden – und führt bisweilen zu schwindelerregenden Kursprognosen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich der Bitcoin-Nachschub beziehungsweise die Miner-Belohnung in regelmäßigen Abständen halbiert – die Krypto-Community spricht hier vom Halving.

Im Anschluss an die Krypto-Analysten PlanB und Saifedean Ammous nahm sich ein anonymer Reddit-Nutzer die Stock-to-Flow-Ratio nun in seinem Paper „On the Apparent Convergence of Bitcoin’s USD Market Value Toward the Stock-To-Flow Valuation Model and the Necessary Divergence Into the Narrow Halving Window“ vor.

Der anonyme Bitcoin-Analyst ergänzte die Stock-to-Flow-Ratio um Faktoren wie Kursschwankungen und kam zu dem Ergebnis, dass der Bitcoin-Kurs zum nächsten Halving im Mai 2020 bei 250.000 US-Dollar liegen könnte.

Das Narrow Halving Window und der Bitcoin-Kurs

Doch auch diese überaus bullishe Prognose kommt nicht ohne (wenigstens) einen Haken daher: das Narrow Halving Window (NHW). Dabei handelt es sich um den Kursbereich, indem sich der Bitcoin-Kurs in den Tagen um das Halving bewegt – der Kurs könnte abweichen.

Falls die Prognosen anhand der Stock-to-Flow-Ratio nicht zutreffen, so heißt es im Paper, so muss sich der Bitcoin-Kurs am NHW orientieren. Anders gesagt: Falls die Stock-to-Flow-Prognose nicht zutrifft, weicht der Bitcoin-Kurs gemäß des NHW ab.


Bitcoin-Kurs-Prognose mit Haken

Wie der Autor selbst einräumt, ist das beschriebene Modell höchst spekulativ. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es davon ausgeht, dass „der Marktpreis von Bitcoin letztlich ausschließlich von der Produktionsrate neuer Bitcoins“ abhängt.

Wie der Autor außerdem eingesteht, sieht das Stock-to-Flow-Modell einen Bitcoin-Kurs von einer Million US-Dollar nach dem fünften Halving vor. Für diese Prognose müsste die gesamte Marktkapitalisierung allerdings zwischen 20 Billionen und 200 Billionen US-Dollar liegen. Die gesamte Menge aller Staatswährungen liegt im Vergleich nach Schätzungen zwischen 10 Billionen und 100 Billionen US-Dollar. Für einen Bitcoin-Kurs von einer Million US-Dollar müsste die Kryptowährung also zur Weltwährung werden. Der Wert der Weltwährungen müsste auf der anderen Seite stetig sinken.

Bedenkenswert ist zudem die Prämisse. Schließlich geht man im Sinne der Stock-to-Flow-Ratio grundsätzlich davon aus, dass Menschen Bitcoin auch verwenden – und sei es „nur“ als Wertspeicher. Die Nachfrage nach neuen Bitcoins setzen Vertreter der These also voraus. Zwar gibt es einige Punkte, die dafür sprechen, Bitcoin als das digitale Gold zu bezeichnen. Auch die veränderte Wahrnehmung der Kryptowährung in der Öffentlichkeit sowie eine langsam wachsende Adaption sprechen dafür, dass die Nachfrage nach Bitcoin steigt. Dennoch sind Prognosen mit Vorsicht zu genießen.

Das Problem mit Prognosen

Prognosen, ob in Bezug auf Aktien oder auf Kryptowährungen, orientieren sich gezwungenermaßen an vergangenen Ereignissen. Da etwa Bitcoin im Hinblick auf das Halving in der Vergangenheit immer an Stärke gewann, geht man von einer Wiederholung aus. Man kann das zwar durch die Verknappung des Nachschubs ökonomisch begründen. Doch die Prämisse, dass die Nachfrage nach dem Krypto-Asset gleichbleibt oder gar steigt, muss sich im Bereich der Spekulation bewegen.

Auch hier gibt es Anhaltspunkte, die zu solch optimistischen Blicken in die Zukunft verleiten. So kann man etwa von einem steigenden institutionellen Interesse im Hinblick auf die physischen BTC Futures des Optionshändlers Bakkt ausgehen. Auch eine erwartet wachsende Verbreitung von Bitcoin & Co. – gefördert durch die Zusammenarbeit desselben Unternehmens mit dem Kaffeehausriesen Starbucks spricht eine bullishe Sprache.

Dennoch bleiben Prognosen stets, was sie sind: ein Blick in die Zukunft. Gerade die bislang unzureichende Regulierung am Krypto-Markt und immer wieder auftauchender Manipulationsverdacht mahnt hier dazu, den Markt kritisch zu beobachten.

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