Anleger aufgepasst „Bitcoin-Aktien“ – lohnt sich ein Investment?
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Bitcoin an der Börse bei Aktienhändler

Quelle: Shutterstock

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Wer am Bitcoin-Kurs partizipieren möchte, kauft Bitcoin. So zumindest die naheliegende Annahme. Anscheinend weichen aber immer mehr Anleger von dieser Strategie ab und investieren verstärkt in Aktienunternehmen, die Berührungspunkte mit dem Krypto-Ökosystem haben oder selbst ihre Rücklagen in Bitcoin parken. Gute Idee oder schlecht investiertes Geld?

Immer mehr Unternehmen, allen voran der Nasdaq-Konzern MicroStrategy, entscheiden sich dazu einen Teil ihrer Rücklagen in Bitcoin zu investieren. Auch wenn es sich gegenwärtig noch um eine Nische handelt, spricht das makroökonomische Umfeld dafür, dass sich dieser Trend verstärkt. Unter diesen Unternehmen befinden sich auch Aktienunternehmen, die öffentlich handelbar sind.


Manch ein Privatinvestor mag nun der Versuchung unterliegen, deren Aktien zu erwerben, um am Bitcoin-Kursanstieg zu partizipieren. Von dieser Idee ist allerdings grundsätzlich abzuraten. Schließlich sollte man nur in ein Aktienunternehmen investieren, wenn man in erster Linie von dessen Geschäftsmodell überzeugt ist.

Ist man hingegen nur an der Wertentwicklung des Bitcoin-Kurses interessiert, dann sollte man Bitcoin oder zumindest ein Wertpapier, das Bitcoin verbrieft, erwerben, nicht aber ein Unternehmen, das einen gewissen Prozentsatz seiner Anlagen in Bitcoin investiert hat. Doch gibt es auch Ausnahmen?

Minen-Aktien als Hebelinvestment?

Möchte man beispielsweise auf einen steigenden Gold-Kurs setzen, dann kann man durch ein Investment in gut geführte Goldminen-Aktien oftmals überdurchschnittlich an der Kursentwicklung profitieren. Anstatt also in Gold direkt zu investieren, ist der Umweg über Minengesellschaften durchaus üblich, um somit einen zusätzlichen Hebel zu generieren.

In Analogie dazu könnte man also auch auf Bitcoin-Mining-Unternehmen setzen. So hat beispielsweise die Aktie von 8 Hut Mining rund 140 Prozent in den letzten 12 Monaten zulegen können. Gemessen an der Bitcoin-Kursentwicklung eine eher maue Performance. Das zusätzliche Risiko hat sich nicht wirklich bezahlbar gemacht. Das Direktinvestment in Bitcoin, ohne die wirtschaftlichen Risiken eines Unternehmens, wäre ungefähr auf das Gleiche rausgekommen.

Vermögensverwalter in Hochstimmung

Ebenfalls kann man, vorausgesetzt das Unternehmen macht einen guten Job am Markt, durch ein Aktieninvestment in einen Krypto-Vermögensverwalter am Bitcoin-Kursanstieg profitieren. Das bekannteste Beispiel ist hier Galaxy Digital. Der Aktienkurs des Krypto-Asset-Managers hat sich in den letzten 12 Monaten mehr als vervierfacht und damit eine bessere Performance erzielt als der Benchmark Bitcoin.

Dies lässt auf einen gewissen Hype unter Aktieninvestoren schließen. Durch immer mehr vergleichbare Angebote, könnten Pioniere wie Galaxy Digital aber schnell unter Druck geraten. Insbesondere dann, wenn die großen Vermögensverwalter wie Fidelity oder BlackRock mit eigenen Produkten um die Ecke kommen. Die Vervielfachung der Unternehmensbewertung muss sich also erst noch beweisen in den nächsten Monaten. Ein Absturz ist, sofern der Bitcoin-Kurs halbwegs stabil bleibt, aber auch nicht zu befürchten. Rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung fällt auf die Bitcoin-Einlagen des Unternehmens zurück.


Bitcoin auf Pump: MicroStrategy hat den Bogen überspannt…

Grundsätzlich ist vom kreditfinanzierten Wertpapiererwerb abzuraten. Viele Anleger haben Haus und Hof verloren, indem sie sich Geld von der Bank geliehen haben, um an vermeintlich sicheren Börsen-Rallyes teilzunehmen.

Dass nun das Software-Unternehmen MicroStrategy sein Erstinvestment in Bitcoin von 450 Millionen US-Dollar durch eine Anleihenemission um weitere 400 Millionen US-Dollar in Bitcoin ausbauen möchte, ist entsprechend kritisch zu sehen. Zumal es keine Vermögensverwaltung, sondern ein Technologieunternehmen ist. Die angestrebte Kapitalaufnahme dient also nicht dem Ausbau des operativen Geschäftes. Wer besonders streng ist, könnte sagen, dass Anlegergelder zur Spekulation missbraucht werden.

Die Reaktion der Aktionäre und Analysten hat entsprechend nicht lange auf sich warten lassen. Nach der Verkündung der Emissionspläne ist die Aktie um rund 15 Prozent eingebrochen. So hat auch die Citibank die Aktie auf “sell” herabgestuft. Es dürfte also nicht nur der schwache Bitcoin-Kurs daran Schuld sein, dass etwas Luft aus der Aktie entwichen ist.

…und das ist gut so!

Auf der anderen Seite kann man argumentieren, dass es angesichts der waghalsigen Notenbankpolitik – die US-Dollar M1 Geldmenge hat sich allein in diesem Jahr um rund 55 Prozent erhöht – nur rational ist, in sichere Häfen wie Bitcoin und Gold zu gehen. Aus dieser Perspektive kann man den Schachzug von CEO Michael Saylors als geradezu verantwortungsvoll und umsichtig bezeichnen.

Saylor tauscht immer weniger werthaltiges Fiatgeld gegen immer werthaltige Sachanlagen. Sofern es sich hierbei nicht um kurzfristige Spekulationsabsichten handelt, sondern die Kapitalbasis des Unternehmens gestärkt und vor Inflation geschützt werden soll – um beispielsweise Innovation und Übernahmen zu finanzieren – kann man dem Vorgehen durchaus eine unternehmerische Weitsicht entnehmen.

Aktien: Nicht den Fokus aus den Augen verlieren

Mit steigenden Kursen der Kryptowährungen profitieren auch Dienstleistungsunternehmen, die in diesem Sektor tätig sind. Sollten sich die meist noch jungen Unternehmen in dem immer noch jungen Markt durchsetzen können, dann locken hier enorme Renditen. Die Renditen können unter Umständen höher ausfallen als die Kurssteigerungen der einzelnen Kryptowährungen selbst.

Wie bei allen Aktien gilt aber, dass man sich das Unternehmen genau anschauen sollte – Kennzahlen, Management, Konkurrenzsituation etc. Auch muss man sich im Klaren sein, welchen Fokus man mit seinem Investment verfolgt. Wer ausschließlich am Bitcoin-Kurs partizipieren möchte, der sollte entsprechend auch Bitcoin kaufen und keine Anteile an einem Börsenunternehmen.


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