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Handelsstrategie Als Arbitragehandel noch reich machen konnte

Die Handelsart ist über 600 Jahre alt und dennoch aktuell. Auch Sam Bankman-Fried machte damit ein Milliardenvermögen. Aber geht das immer noch?

Paol Hergert
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Arbitrage Bitcoin

Beitragsbild: Shutterstock/BTC-ECHO

| Ex-FTX-Chef Sam Bankman-Fried ist mit Arbitragehandel im Krypto-Space reich geworden

“Der Arbitragehandel ist eine Handelsstrategie, bei der ein Anleger eine beliebige Anlageklasse wie zum Beispiel Bitcoin auf einer Krypto-­Börse kauft, mit dem Ziel, diese Position auf einer anderen Krypto-­Börse mit Gewinn zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen.” So lautet die grundlegende Definition der Trading-Methode laut ­BTC-ECHO-Marktexperte Stefan Lübeck. Die Methode gilt als risikoarm und stellt das Gegenteil des risikoreichen Spekulationshandels dar. Als Anlagestrategie ist der Arbitragehandel keine Erscheinung des Krypto-Markts, sondern existiert bereits seit Jahrhunderten – früheste geschichtliche Erwähnung im Italien des 14. Jahrhunderts.

2018, über 600 Jahre später, verhalf die Trading-Methode einem bis dato unbekannten Wall-Street-Analysten zu enormem Reichtum: Sam Bankman-Fried – auch bekannt als SBF.

SBF: Arbitrage im Krypto-Space

Vor vier Jahren war die Welt im Krypto-­Space noch eine andere. Das damalige Allzeithoch aus dem Dezember 2017 von rund 19.800 US-Dollar konnte sich nicht behaupten, der BTC-Kurs pendelte sich 2018 zwischen 17.000 und 3.000 US-Dollar ein – und die Kurs-Unterschiede waren von Krypto-Börse zu Krypto-Börse teils enorm. So enorm, dass der damalige Banker Sam Bankman-Fried seine Tätigkeit in der Hochburg der traditionellen Finanzwelt kurzerhand ad acta legte und voll in den Krypto-Space eintauchte, als er die Diskrepanzen bemerkte: Hier war Geld zu verdienen, und zwar so richtig.

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Er zog nach Japan, wo die preislichen Unterschiede zwischen den Börsen besonders groß waren, und nutzte sein zuvor mit Freunden in Berkeley, Kalifornien, gegründetes Unternehmen Alameda Research, um die Unterschiede in bares Geld zu verwandeln. Dafür nutzte er eine Vielzahl von Zwischenhändlern und ländlichen japanischen Banken. Bereits nach kurzer Zeit brachte ihm und seinem jungen Unternehmen das 25 Millionen US-Dollar ein. Täglich. Gegenüber dem New York Magazine sagte er Jahre später: “Das war der verrückteste Trade, den ich jemals erlebt hatte.”

Wenngleich den ehemaligen FTX-Chef mittlerweile bis zu 115 Jahre Haft erwarten könnten, gelang es dem 30-Jährigen, sich mit der Handelsstrategie ein dickes Vermögenspolster aufzubauen. Kann Arbitragehandel auch heute noch zum Reichtum verhelfen?

Arbitrage im Jahr 2022

Die schlechte Nachricht vorweg: Ein Schnell-reich-werden-Rezept ist Arbitragehandel heute nicht mehr. Denn längst haben auch professionelle Trader die Strategie für sich entdeckt und nutzen preisliche Unterschiede bei Bitcoin und Co. mittels Arbitrage-Bots aus, um schnellstmöglich zu profitieren. Kleinanleger kommen da an ihre Grenzen: “Da es beim Arbitragehandel auf Geschwindigkeit der Ausführung von Käufen und Verkäufen ankommt, haben sich die Möglichkeiten des gewinnbringenden Bitcoin-Arbitragehandels für Kleinanleger deutlich verringert”, so Stefan Lübeck.

Zu der notwendigen Geschwindigkeit ist die Höhe des Kapitals eine weitere Hürde für Kleinanleger, denn um von preislichen Unterschieden zu profitieren, müssen die anfallenden Handelsgebühren mit in Betracht gezogen werden. Wenngleich die Bitcoin-Kurse sich zu SBFs Anfängen mitunter von Börse zu Börse um 30 Prozent unterschieden, sind es heute oft nur Nachkommastellen, die ausgenutzt werden, um Profite zu generieren. Geringere Profitmöglichkeiten mit deutlich größerer Konkurrenz, die in Sekundenbruchteilen auf preisliche Unterschiede reagiert.

Ebendieser zeitliche Aspekt stellt eine weitere Hürde dar. Denn nicht jede Überweisung von Krypto-Börse zu Krypto-Börse wird unmittelbar ausgeführt – oft vergehen Minuten. Minuten, in denen sich die Kurse teils wieder angeglichen haben könnten, was in Anbetracht der Handelsgebühren dann sogar Verluste für Investoren bedeuten könnte.

Das weiß auch Stefan Lübeck, dem diese Verzögerungen von Trades persönlich einen Strich durch die Arbitrage-Rechnung machten. Der BTC-ECHO Marktexperte tradet seit Jahren, nutzte die preislichen Unterschiede auf den verschiedenen Börsen in der Vergangenheit selbst aus, um Profite zu erzielen. Irgendwann fiel ihm auf, dass seine Überweisungen verspätet stattfinden. Je höher die preislichen Unterschiede, desto länger dauerten die Überweisungen.

Der Markt lernt

Lübeck vermutet, dass die zeitlichen Verzögerungen nicht etwa willkürlich entstanden sind: “War es in 2017 noch möglich, eine Kryptowährung ohne große zeitliche Latenz von einer Börse auf die andere Börse zu versenden, kommt es heutzutage häufig zu einer künstlichen, gewollten Verlangsamung beim Transfer in Zeiten großer Kursdifferenzen zwischen den unterschiedlichen Krypto-Börsen.”

Doch auch wenn es sich für Kleinanleger nicht mehr wirklich lohnt, privat Arbitragehandel zu betreiben, gibt es Möglichkeiten, auch mit begrenztem Kapital in der Trading-Sparte mitzumischen. Ähnlich den Mining Pools gibt es etwa Arbitrage Pools, in denen Anleger ihr Kapital bündeln können und gemeinsam über Arbitrage-Bots die preislichen Unterschiede ausnutzen. Auch bieten gängige Trading-Bots Arbitrage-Möglichkeiten an. Allein: Das Erwachsenwerden des Krypto-Markts hat dazu geführt, dass man das wirklich große Geld mit Arbitrage nicht mehr verdienen kann.

Das sieht auch Tommy Tietze so, CEO der TAASC GmbH, einem Anbieter für automatisiertes Trading Management: “So was ist wirklich nicht interessant für kleine Leute. Es gab mal ein Protokoll auf Terra, wo man als normaler Investor an einem Arbitrage-Bot investieren konnte. Aber sonst spielt Arbitrage erst im Millionenbereich eine Rolle.” Ein ernüchterndes Fazit.

Disclaimer: Dieser Beitrag ist bereits in der Novemberausgabe des BTC-ECHO Magazins erschienen. Zum Shop geht es hier entlang.

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