Ab dem 1. Juli 2026 läuft die MiCA-Übergangsfrist aus und damit auch die Schonfrist für unregulierte Anbieter. Doch was bedeutet dieser Stichtag konkret für Anbieter und Nutzer? Warum war der Krypto-Derivatemarkt überhaupt so lange offshore geprägt? Und wie sieht die Zukunft regulierter Krypto-Produkte in Europa aus? Darüber haben wir mit Erald Ghoos gesprochen.
BTC-ECHO: Viele sprechen bei MiCA von einem Wendepunkt für den europäischen Krypto-Markt. Was verändert sich für Anbieter und Nutzer?
Erald Ghoos: Der 1. Juli dürfte zu einem der wichtigsten Ereignisse für den europäischen Krypto-Markt werden – mit klaren Folgen für Anbieter und Nutzer. EU-Kunden auf nicht zugelassenen Plattformen stehen vor einer einfachen Entscheidung: Entweder sie wechseln ihre Vermögenswerte vor Ablauf der Frist zu einem zugelassenen Anbieter – oder sie riskieren, den Zugang zu diesen Diensten zu verlieren. Und das ist kein Randfall: Wir gehen davon aus, dass letztendlich 80 Prozent der Börsen MiCA nicht überleben werden.
Der Krypto-Derivatemarkt war lange stark offshore geprägt. Warum war dieses Modell auf Dauer problematisch?
Offshore-Derivate bedeuten, dass Trader keine Handhabe haben, wenn etwas schiefgeht. Und es kann einiges schiefgehen. Keine getrennte Verwahrung von Vermögenswerten, kein Nachweis von Reserven, keine Eignungsprüfung der Führungskräfte. Wenn eine Plattform zusammenbricht oder Auszahlungen einfriert, stellen die Nutzer fest, dass der Verbraucherschutz, von dem sie eigentlich ausgehen, schlichtweg nicht existiert.
Rechnen Sie damit, dass durch den Juli-Stichtag mehr Trader auf regulierte europäische Plattformen wechseln?
Ich hoffe es, aber es ist noch zu früh, um das mit Sicherheit sagen zu können. Zwei Dinge sind erforderlich: eine konsequente Durchsetzung der Vorschriften und der richtige Product-Market-Fit.
Ein Wechsel im großen Stil findet nur statt, wenn regulierte Handelsplätze wirklich mithalten können: bei Liquidität, Produktbreite, Geschwindigkeit, Sicherheiten und Nutzererlebnis. Compliance allein reicht nicht als Wechselgrund. Trader wechseln erst dann, wenn ein regulierter Handelsplatz all das bieten kann und gleichzeitig Vertrauen schafft.
MiCA und MiFID II werden oft vermischt. Wie erklären Sie den Unterschied und warum ist beides für OKX Europe wichtig?
Kurz gesagt regelt MiCA die Ausgabe und den Handel von Krypto-Assets als eigene Anlageklasse. MiFID II greift dort, wo es um Finanzinstrumente geht – also auch um Derivate wie unsere X-Perps.
Wichtig ist außerdem die Payment-Institution-Lizenz, die es OKX ermöglicht, Stablecoin-Zahlungen unter den regulatorischen Anforderungen der EU abzuwickeln. Mit MiCA, MiFID II und den Payment-Institution-Lizenzen kann OKX eine umfassende Palette regulierter Produkte für den europäischen Markt anbieten, wie etwa Spot, Derivate, Earn und Payments.
Was genau sind X-Perps und warum mussten sie für Europa anders gedacht werden?
X-Perps sind regulierte Krypto-Derivate, genauer gesagt, Futures-Kontrakte mit festem Ablaufdatum, die so strukturiert sind, dass sie dem europäischen Rechtsrahmen gemäß MiFID II entsprechen. Sie geben europäischen Tradern Zugang zu Krypto-Derivaten an einem liquiden, regulierten Handelsplatz in der EU.
Die X-Perps mussten komplett neu für Europa konzipiert werden. Man kann nicht einfach einen Offshore-Perpetual nehmen und ihm ein MiFID-Label verpassen. Die Produktstruktur selbst muss anders sein. Die Leitlinien der ESMA haben klargestellt, dass Derivate mit unbefristeter Laufzeit regulatorisch wie CFDs behandelt werden. Deshalb haben wir X-Perps als Futures-Produkt mit einer Laufzeit von fünf Jahren strukturiert. Damit bewegen sie sich in einem klar definierten regulatorischen Rahmen.
„Reguliert” heißt nicht automatisch „risikofrei”. Welche Risiken sollten Nutzer bei X-Perps kennen?
Regulierung bedeutet, dass Verbraucherschutzmaßnahmen vorhanden sind. Dazu gehören beispielsweise der Schutz vor einem negativen Kontostand, Governance-Standards und Rückgriffsmöglichkeiten, falls bei der Plattform etwas schiefläuft. Sie ändert jedoch nichts an der Natur des Derivatehandels, der mit echten Risiken verbunden ist.
Die Hebelwirkung verstärkt sowohl Gewinne als auch Verluste. Eine Position mit zehnfacher Hebelwirkung bedeutet, dass eine negative Kursbewegung von zehn Prozent die Margin aufzehrt. In volatilen Märkten kann es schnell zu einer Zwangsliquidation kommen. Wir empfehlen Nutzern, nur mit Kapital zu handeln, dessen Verlust sie sich leisten können. Außerdem ausreichende Margin-Puffer vorzuhalten und sich vor dem Eingehen einer Position mit der Funktionsweise von Funding-Rates und Liquidationsmechanismen vertraut zu machen.
Wo sehen Sie den europäischen Markt für regulierte Krypto-Derivate in drei Jahren?
Ich gehe davon aus, dass sich der Markt in drei Jahren deutlich ändern wird. Eine kleinere Zahl gut kapitalisierter, vollständig lizenzierter Betreiber wird den Großteil des europäischen Volumens schlucken. Speziell bei Derivaten erwarte ich, dass die Kombination aus der Durchsetzung der Vorschriften und der fortgesetzten Produktentwicklung zu einer bedeutenden Verlagerung des Volumens in den regulierten europäischen Markt führen wird. Die Infrastruktur ist vorhanden. Die Lizenzen sind erteilt. Das Produkt ist live. Die Frage ist nun, ob die Regulierungsbehörden dies konsequent durchsetzen. Wenn ja, werden regulierte Derivate in Europa in drei Jahren ganz anders aussehen als heute.
Mehr zu X-Perps und dem regulierten Angebot erfährst du direkt bei OKX.
Weitere Informationen findest du auch im Brandhub von OKX.
