Die Schulden der Vereinigten Staaten steigen seit Jahren. Gleichzeitig wächst die Geldmenge weiter, während viele Menschen das Gefühl haben, finanziell kaum voranzukommen. Für Lyn Alden hängen diese Entwicklungen direkt zusammen. Die Autorin von “Broken Money” erklärte in der Peter McCormack Show, warum sie keinen klassischen Staatsbankrott erwartet und weshalb sie Bitcoin als mögliche Antwort auf dieses Problem sieht. Doch um ihre These folgen zu können, muss man zunächst auf die Schulden selbst schauen.
Was die US-Schulden mit Bitcoin zu tun haben
Wenn Unternehmen oder Privatpersonen ihre Schulden nicht mehr bezahlen können, droht die Insolvenz. Doch wie passiert sowas eigentlich bei Staaten? Alden argumentiert, dass Staaten mit eigener Währung andere Möglichkeiten haben als Unternehmen oder Privatpersonen. Wenn ein Unternehmen seine Schulden nicht mehr bedienen kann, droht die Insolvenz. Ein Staat wie die USA kann dagegen neues Geld schaffen und damit laufende Verpflichtungen finanzieren.
Das betrifft vor allem Staatsanleihen. Dabei handelt es sich um Schuldscheine, mit denen sich Regierungen Geld von Investoren leihen. Läuft eine Anleihe aus, muss der Staat den geliehenen Betrag zurückzahlen. Fehlt das Geld, kann er neue Anleihen ausgeben oder die Geldmenge ausweiten, um seine Verpflichtungen zu erfüllen.
Aus Sicht von Alden verhindert dieses System einen offenen Zahlungsausfall. Die Gläubiger erhalten ihr Geld zurück. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ihr Vermögen denselben Wert behält. Wenn in der Zwischenzeit deutlich mehr Geld im Umlauf ist, sinkt die Kaufkraft jeder einzelnen Geldeinheit.
Für Alden ist genau das die modernere Form eines Staatsbankrotts. Gläubiger verlieren ihr Geld nicht auf dem Papier, sondern schrittweise über sinkende Kaufkraft. Und hier beginnt auch ihre Bitcoin-These. Wenn Geld langfristig an Wert verliert, gewinnen Vermögenswerte an Bedeutung, deren Angebot nicht beliebig ausgeweitet werden kann.
Schuldner profitieren, Sparer zahlen die Rechnung
Alden sieht im bestehenden System klare Gewinner und Verlierer. Wer Zugang zu günstigen Krediten hat, kann mit fremdem Kapital Vermögenswerte kaufen. Steigen diese Vermögenswerte im Wert, während die Schulden real an Kaufkraft verlieren, verbessert sich die finanzielle Position des Schuldners.
Große Unternehmen nutzen diesen Mechanismus seit Jahrzehnten. Als Beispiel nennt Alden Coca-Cola. Der Konzern erwirtschaftet kontinuierlich Gewinne und hält trotzdem erhebliche Verbindlichkeiten in seiner Bilanz.
Schwieriger ist die Situation für Menschen, die ihr Vermögen hauptsächlich als Bargeld oder Bankguthaben halten. Sie profitieren nicht von steigenden Vermögenswerten und spüren den Kaufkraftverlust direkt.
Warum Bitcoin für Alden eine Sonderrolle einnimmt
Für Alden entscheidet vor allem die Knappheit darüber, ob ein Vermögenswert langfristig Kaufkraft speichern kann. Bei staatlichen Währungen kann die Geldmenge ausgeweitet werden. Gold ist deutlich knapper. Das Angebot wächst nur langsam und liegt im Durchschnitt bei rund zwei Prozent pro Jahr.
Bitcoin geht noch einen Schritt weiter. Im Bitcoin-Netzwerk ist festgelegt, dass maximal 21 Millionen Einheiten entstehen können. Diese Obergrenze kann nicht einfach durch politische Entscheidungen verändert werden. Darin sieht Alden den wichtigsten Unterschied zu klassischen Währungen.
Wer Bitcoin besitzt, muss keine Sorge haben, dass plötzlich Milliarden neuer Einheiten geschaffen werden. Für die Analystin ist das eine Eigenschaft, die in einem Umfeld wachsender Schulden zunehmend an Bedeutung gewinnen könnte. Doch reicht Knappheit allein aus, um Bitcoin langfristig erfolgreich zu machen?
Ein Denkmodell statt einer Preisprognose
Alden macht keine Vorhersage für den nächsten Bitcoin-Zyklus. Sie nennt auch kein konkretes Kursziel. Ihr Fokus liegt auf einer grundsätzlicheren Frage: Wie lässt sich Vermögen in einem System schützen, das immer höhere Schulden produziert und seine Geldmenge kontinuierlich ausweitet?
Ihre Antwort lautet nicht zwingend, dass jeder Anleger Bitcoin kaufen muss. Sie argumentiert vielmehr, dass knappe Vermögenswerte in einem solchen Umfeld grundsätzlich an Bedeutung gewinnen. Bitcoin könnte eine entscheidende Rolle spielen, weil das Angebot dauerhaft begrenzt ist und niemand es nachträglich erhöhen kann.

