Mt.Gox: Sammelklage gegen Ex-Bitcoin-Börsen-Chef

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Mt.Gox: Sammelklage gegen Ex-Bitcoin-Börsen-Chef

Ein Gericht in Tokio verurteilte den ehemaligen Chef der insolventen Krypto-Börse Mt.Gox Mark Karpelès. Angeklagt wurde Karpelès wegen Dokumentenfälschung und Unterschlagung. Das Gericht bedachte ihn für die Manipulation von Firmenaufzeichnungen zu einer Bewährungsstrafe. Jetzt muss sich Karpelès in einer Sammelklage der Mt.Gox-Nutzer in Pennsylvania behaupten.

Ein langwieriger und chaotischer Mt.Gox-Prozess vor dem Bezirksgericht Tokio

Der Franzose Mark Karpelès kaufte die Krypto-Börse Mt.Gox im Jahr 2012. Die Plattform meldete bereits 2014 Insolvenz an. Zwischenzeitlich gingen beim Börsen-Betrieb 850.000 Bitcoin verloren. Die Bitcoin hatten zum Zeitpunkt des Verschwindens einen Wert von 500 Millionen US-Dollar. Der „Baron des Bitcoins“ stand schon damals unter dem Verdacht, mit dem Verschwinden der digitalen Coins in Verbindung zu stehen. Bei dem Gerichtsverfahren in Tokio stellten die Ermittler Ungereimtheiten fest. Demzufolge soll Karpelès zwischen 2013 und 2015 Computerdaten zur Zahlung von Rechnungen verändert haben. Karpelès selbst beteuerte vor Gericht seine Unschuld. Er machte einen externen Hackerangriff für das Verschwinden der virtuellen Münzen verantwortlich. Im Verlauf des Gerichtsverfahrens tauchten rund 200.000 der vermissten Mt.Gox-Bitcoin wieder auf. Die Kläger werteten dies ferner als Beweis für die teilweise unüberschaubaren und unsicheren Maßnahmen der Geschäftsführung. Die Lage gilt nach wie vor als unsicher.

Erhalten die geprellten Opfer ihre Bitcoin zurück?

Doch nun melden sich auch die ehemaligen Nutzer von Mt.Gox aus Pennsylvania. Erst kürzlich lehnte ein Gericht in Pennsylvania die Zurückweisung einer Sammelklage gegen Karpelès ab. Karpelès sah das Gericht in Pennsylvania als nicht zur Durchführung der Sammelklage befugt an. Der Unternehmenssitz von Mt.Gox liegt schließlich in Tokio. Was Karpelès bei seiner Argumentation dagegen übersah: Das Gericht in Pennsylvania hat die Befugnis, die in Pennsylvania geschädigten Opfer bei einer Sammelklage zu vertreten.

Nachdem sich im Jahr 2018 das japanische Insolvenzgericht auf die Seite der Gläubiger geschlagen hatte, wurde ein Antrag auf eine zivilrechtliche Rehabilitation gestellt. Dementsprechend können die ehemaligen Mt.Gox-Nutzer ihre ursprünglichen Bitcoin-Forderungen bei der Krypto-Börse einreichen. Der Rehabilitationstreuhänder der Börse gab kürzlich bekannt, dass sein Team an einem Entwurf zur Verteilung der restlichen Mittel der insolventen Börse arbeite. Folglich ist der Fall Mt.Gox für Karpelès noch lange nicht abgeschlossen.

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