Kommentar zur Rede des Bundesbankchefs Jens Weidmann über Bitcoin

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 2 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Cooperation at work concept with gears mechanism

Quelle: © alphaspirit - Fotolia.com

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Bundesbankchef Jens Weidmann sprach in einer Rede das Thema Kryptowährungen an und wie sich die Deutsche Bundesbank hier in Zukunft positionieren möchte.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Zwar begrüßte Weidmann die Innovationen im Finanzsektor, gleichzeitig mahnte er aber auch vor den Gefahren, die durch die dezentrale Natur von Kryptowährungen erwachsen können. Im Gegensatz zu vielen Kryptowährungs-Enthusiasten sieht er –  für einen Zentralbankchef vollkommen nachvollziehbar – die fehlende zentrale Instanz bei Bitcoin und Co. als Problem an.

Dezentralität: Das Horrorszenario einer jeden Bank

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Schließlich gibt es im Bitcoin-Netzwerk keinen zentralen Akteur, der bei makroökonomischen Verwerfungen eingreifen könnte. Im Krisenfall kann eine Zentralbank Liquiditätslockerungen vornehmen, eine Option, die im Bitcoin-Netzwerk nicht darstellbar ist. Nicht zu unterschätzen sei hier der Aspekt, dass eine Zentralbank nicht insolvent gehen kann. Entsprechend möchte Weidmann, entgegen der ursprünglichen Logik von Bitcoin, an einer Emittierung von digitalen Währungen auf Zentralbankbasis forschen, da er diese für sicherer hält.

Auch wenn viele Befürworter dezentraler Blockchainlösungen im ursprünglichen Sinn die Position von Weidmann nicht teilen, so ist es dennoch wichtig sich in die Position des jeweils anderen hineinversetzen zu können, um den Diskurs zur Institutionalisierung von digitalen Währungen voranzutreiben. Der eigentliche Vorteil der Dezentralität, der insbesondere auf dem Verzicht von Zentralbanken aufbaut, bringt gleichzeitig auch viele Steuerungsprobleme mit sich. Die Ohnmacht nicht regulatorisch eingreifen zu können sowie proaktive oder zumindest reaktionäre Geldpolitik zu betreiben darf nicht unterschätzt werden.

Die Skalierungsdebatte bei Bitcoin zeigt die herausfordernde Governance respektive Entscheidungsfindung bei nicht hierarchischen und zentralistischen Steuerungsmodellen. Eine Polarisierung, die darauf abzielt alles Dezentrale gut und alles Zentrale bzw. zentralistische schlecht zu finden, ist hier sicherlich wenig zielführend.

Die Frage, inwiefern Institutionen (z.B. Zentralbanken) ersetzt werden sollten, ist auch immer eine Frage nach dessen Performanz und demokratischen Legitimierung. Demnach würde eine Substitution, u.a. gemessen an der Geldwertstabilität, der Zentralbank Venezuelas durch ein dezentrales Nicht-Zentralbanken-Geldsystem mehr Sinn machen als die Substitution der, zumindest historischen,  Deutschen Bundesbank.

Erst überlegen, dann handeln

Sicherlich gibt es gute Gründe, vor allem in Hinblick auf die expansive Notenbankpolitik der EZB, das Zentralbankensystem zu kritisieren und Bitcoin und Co. als Gegengewicht zu institutionalisieren. Dennoch sollte dies offen konstruktiv und nicht dogmatisch destruktiv geschehen. Im Rahmen der digitalen Transformation und der damit einhergehenden Dezentralisierung ist es wichtig, die Bereitschaft zu zeigen Übergänge zwischen analogen und digitalen sowie zentralen und dezentralen Funktionsweisen zu ermöglichen, anstatt radikale Umbrüche zu fordern.

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