Kampf der Zentralbanken: Warum China mit einer digitalen Zentralbankwährung gegen die USA aufrüstet

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Kampf der Zentralbanken: Warum China mit einer digitalen Zentralbankwährung gegen die USA aufrüstet

Repräsentanten der chinesischen Zentralbank gaben auf dem China Finance 40 Forum im August bekannt, dass sie kurz davor stünden, eine digitale Zentralbankwährung mit 1:1-Bindung an den Yuan herauszugeben. Im Gegensatz zu unzähligen Pilotprojekten, die andere Zentralbanken zuvor durchgeführt haben, ist es diesmal ernst. Im November soll es bereits soweit sein. Warum der Vorstoß als ein Schachzug gegen die USA zu werten ist, welche Vorteile eine digitale Zentralbankwährung mit sich bringt und warum sie nicht nur technisch diametral zu Bitcoin steht.

Die USA und China befinden sich in einem Handelskonflikt, der sich immer weiter zuspitzt. Allerdings stellen Strafzölle auf Autos und andere Waren nur einen Nebenschauplatz dar. In erster Linie geht es um die Themen Inflation, Zinsen und Außenwert der eigenen Währung. Kurzum: Ein Handelskonflikt ist immer vor allem eines, nämlich ein Währungskonflikt.

Die Angst vor dem großen Knall

An vorderster Front stehen sich die jeweiligen Zentralbanken gegenüber: die amerikanische Fed auf der einen und die chinesische People’s Bank of China (PBoC) auf der anderen Seite. Anstatt mit Raketen drohen beide Seiten mit Zinssenkung und einer entsprechenden Abwertung der eigenen Landeswährung. Die deutlich besseren Karten haben allerdings die USA. Nicht nur notieren sämtliche Staatsschulden in der eigenen Landes- respektive globalen Leitwährung, auch ist China der größte Gläubiger der USA. Eine expansive amerikanische Notenbankpolitik sorgt also nicht nur für eine höhere Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Unternehmen, sondern reduziert die Werthaltigkeit der chinesischen Forderungen.

Neben einer gefährlichen Geldpolitik drohen weitere Risiken, den wirtschaftlichen Ausblick zu trüben. So nimmt die chinesische Immobilienblase immer gefährlichere Züge an, bei gleichzeitig enormer Verschuldung der Unternehmen. Neben hohem Leerstand und horrenden Kaufpreisen in den Metropolen sind die Vermögen nur wenig diversifiziert.

Das bedeutet, dass rund drei Viertel des chinesischen Privatkapitals in Immobilien gebunden ist. Platzt die Blase, würde das die chinesische Wirtschaft in eine massive Rezession stürzen und Privatvermögen vernichten. Immer mehr chinesische Anleger versuchen daher, ihre Vermögen aus der chinesischen Währung Yuan in andere Vermögenswerte und Währungen zu tauschen. So die aktuelle wirtschaftspolitische Situation. Doch welche Rolle spielt hierbei nun eine digitale Zentralbankwährung?

Realpolitik ist Zentralbankpolitik


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Vor dem Hintergrund der zunehmenden Risiken ist es wichtig, eine entschlossene, gar aggressive und gegebenenfalls innovative Geldpolitik als Zentralbank durchführen zu können. Im ökonomischen Krisenfall muss man in der Lage sein, schnell zu handeln und gegenzusteuern. Eine digitale Zentralbankwährung – im Englischen spricht man hier von einer Central Bank Digital Currency (CBDC) –, die sich technische Eigenschaften der Blockchain zu Nutze machen kann, ist in mehrerlei Hinsicht der traditionellen Zentralbankinfrastruktur überlegen. Hauptvorteile sind eine höhere Resilienz, schnellere und flexiblere Handlungsfähigkeit, größere Kontrolle sowie eine stärker automatisierte und datenbasierte Transaktionsabwicklung und Entscheidungsfindung in der Geldmengensteuerung.

So könnten folgende Motive die chinesische Regierung bzw. Zentralbank bereits noch dieses Jahr dazu bewegen, eine digitale Zentralbankwährung herauszugeben:

Umgehung des westlich dominierten Bankensystems

Sei es die in Belgien sitzende Clearingstelle SWIFT oder das bestehende Korrespondenzbankensystem: Die gegenwärtige Finanzinfrastruktur ist nach wie vor stark westlich geprägt. Für Kryptowährungen braucht es hingegen kein Bankkonto sowie Zugriff und Zugang zur bestehenden Bankeninfrastruktur. Entsprechend können Abhängigkeiten von bestehenden Infrastrukturen sowie möglichen US-Sanktionen mithilfe von digitalen Währungen reduziert werden.

Mehr Kontrolle und genauere Analysen

Korrespondierend zu einer Abschaffung des Bargeldes kann eine digitale Zentralbankwährung eine effektivere Rückverfolgung von Zahlungsflüssen, ergo Tracking in Echtzeit, ermöglichen. Dadurch hat der Staat nicht nur bessere Möglichkeiten, Datenanalysen durchzuführen, z. B. um die Inflation vorherzusagen, sondern auch inländische Transaktionen in einem noch stärkeren Maße zu kontrollieren. Neben der Kostenersparnis, die eine Bargeldabschaffung mit sich bringen würde, würde auch die Bekämpfung von Geldwäsche und illegaler Aktivitäten verbessert werden.

Integration von Smart Contracts und Künstlicher Intelligenz

Durch die Digitalisierung des Geldes können nicht nur mehr Daten effektiv gesammelt werden, sondern auch Smart Contracts einen höheren Grad an Automatisierung ermöglichen. Perspektivisch kann so eine Zentralbank mit ihren vorhandenen Werkzeugen schneller und erfolgreicher auf das Marktumfeld reagieren. Kur um: Was Hedgefonds wie Bridgewaters Associates bereits heute erfolgreich nutzen, kann Staaten mindestens genauso helfen: das Treffen von stärker computergestützten als menschlichen, manuellen Entscheidungen.

Effektive Krisenbekämpfung


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Wenn es knallt, weil beispielsweise die chinesische Immobilienblase geplatzt ist, kommt es auf Sekunden an. Man erinnere sich hier nur an die Marktreaktionen, die am 15. September 2007, als die US-Bank Lehman Brothers zusammengebrochen ist, stattgefunden haben. Mithilfe eines Krypto-Zentralbankensystems, das auf weniger manuellen Prozessen beruht und in Sekunden greift, kann schneller notwendige Liquidität bereitgestellt werden. Chinesische Banken könnten also in kürzester Zeit mit Liquidität geflutet werden. Gleichzeitig könnten sofort umgesetzte Kapitalverkehrskontrollen, via Smart Contracts und nicht manuell, einen Kapitalabfluss des im Inland gebundenen Kapitals umgehend unterbinden.  Man kann also schneller und konsequenter die Reißleine ziehen, Gegenmaßnahmen einleiten sowie die geldpolitischen Spielregeln, zumindest aus technischer Sicht, ändern.

Besseres Zinsmanagement

Es kann ein besseres Zinsmanagement betrieben werden, da die digitale Zentralbankwährung die Geldmenge M0 ersetzen soll und keine Zinszahlungen anfallen. Konkret bedeutet das, dass Banken, die ihr Kapital bei der chinesischen Zentralbank parken und nicht etwa bei einem anderen Finanzinstitut, auch keine Zinsen auf ihre Zentralbank-Coins erhalten.

Gegengewicht zu Facebooks Libra

Wie der ehemalige chinesische Zentralbankchef Zhou Xiaochuan im August äußerte, wird das Kryptowährungsprojekt Libra als eine Gefahr für den chinesischen Yuan sowie für das Finanzsystem angesehen. Entsprechend groß sei hier die Notwendigkeit, ausländischen Kryptowährungen von chinesischer Seite etwas entgegenzusetzen.

Genauso wie überwiegend amerikanische Unternehmen als Knotenpunkte im Libra-Zahlungsnetzwerk fungieren, sollen bei der chinesischen Zentralbankwährung chinesische Unternehmen unterstützend mitwirken. Wenn auch nicht als Validatoren, so sollen unter anderem Alibaba und Tencent dazu beitragen, die staatliche Kryptowährung zu distribuieren. Übergeordnet geht es auch um ein Wettrennen, um internationale Anerkennung und Adaption in Schwellenländern.

Schließlich zielen sowohl Facebooks Libra als auch die chinesischen Expansionspläne auf die Schwellenländer ab. Insbesondere in Afrika investiert China viele Milliarden Yuan und gewinnt zunehmend an Einfluss.

Das zentralisierteste Blockchain-Projekt aller Zeiten


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Im Grunde ist es sehr fraglich, im Kontext der geplanten chinesischen Kryptowährung von Blockchain zu sprechen. Schließlich sollen nur Teile einzelner Layer – und das auch nur unter Umständen – einer privaten Blockchain entsprechen. Die ausnahmslose und uneingeschränkte Kontrolle soll bei der chinesischen Zentralbank liegen – von Dezentralität also keine Spur. Auch sollen bis zu 300.000 Transaktionen pro Sekunde abgewickelt werden können. Eine Skalierung, die eine dezentrale Blockchain Stand heute niemals erreichen würde.

Das ist allerdings auch nicht notwendig. Es wäre ein Widerspruch zum Konzept einer Zentralbank – der Name verrät es bereits – über eine wirklich dezentrale Governance zu verfügen. Für einen autokratischen und ultra-zentralistischen Staat wie China gilt dies umso mehr.

Das Krypto-Projekt der Zentralbank ist dabei weniger von intrinsischer Innovationsbegeisterung getrieben. Vielmehr ist sie dem Bewusstsein geschuldet, realpolitisch im Konflikt mit den USA und im Zuge drohender wirtschaftlicher Krisen effektiv handlungsfähig zu sein und alle verfügbaren geldpolitischen Möglichkeiten ausschöpfen zu können.

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