IWF: Kryptowährungen weiterhin kein Stolperstein für globale Finanzstabilität

IWF: Kryptowährungen weiterhin kein Stolperstein für globale Finanzstabilität

Der internationale Währungsfonds IWF sieht in Kryptowährungen weiterhin keine Gefahr für die globale Finanzstabilität. Diese Haltung bestätigt die Organisation in ihrem Global Financial Stability Report vergangenen Monat. Abseits dessen findet sich viel Lob in dem Bericht. So hätten die digitalen Bezahlalternativen das Potential, globale Finanzaktivitäten umzugestalten. Dafür sei jedoch die Nutzung der breiten Öffentlichkeit entscheidende Vorbedingung. Internationale Gesetzgeber hingegen müssten sich bereits heute auf einen zukünftigen Wandel einstellen.

„A Bumpy Road Ahead“, ein steiniger Weg voraus – diesen Titel trägt der aktuelle Global Financial Stability Report des IWF. Kryptowährungen jedoch sieht der Bericht weiterhin nicht als Stolperstein für die globale Finanzstabilität – deren Einfluss sei derzeit schlicht zu gering. So schreibt die Organisation, deren Hauptaufgabe unter anderem die Überwachung des internationalen Geldes und Währungspolitik ist:

 „Momentan scheinen Krypto-Anlagen für die gesamte Finanzstabilität keine Risiken darzustellen. […] Sie haben noch einen langen Weg vor sich, bis sie die grundsätzlichen Funktionen von Geld erfüllen.“

Nach Ansicht des IWF könnten diese zwar derzeit als Wertaufbewahrung genutzt werden, dennoch sei der Nutzen als Tauschwährung und vertrauenswürdige Recheneinheit aufgrund der hohen Wertschwankung begrenzt.

Damit bekräftigt die Organisation ihre grundsätzliche Absage unmittelbarer finanzpolitisch regulierender Eingriffe in den Kryptomarkt.

„Potential für Transformation“

Neben momentan bestehenden Schwächen äußert der Bericht dennoch bemerkenswert positive Einschätzungen mit Blick auf die Potentiale von Kryptowährungen. Laut dieser könnten virtuelle Währungen etwa die beschriebenen Geldfunktionen in Zukunft sogar besser als physische Fiatwährungen erfüllen. Damit würden sie bereits heute „wettbewerblichen Druck“ auf die derzeitige Finanzinfrastruktur ausüben.

Ähnlich der anfangs noch unterschätzen Technologieriesen in den 1990er-Jahren könnten Kryptowährungen somit die globale Finanzaktivitität gänzlich revolutionieren, adelt der Bericht die noch schlummernden Potentiale:

„Es ist unmöglich abzuschätzen, in welchem Maße Krypto-Anlagen die Finanzinfrastrukturen transformieren oder ob die meisten neuen Anlagen verschwinden werden, wie es vergangene Episoden technologischer Innovation gezeigt haben.“

Zukünftig seien damit Gefahren für die globale Finanzstabilität, wie sie derzeit ausgeschlagen werden, durchaus denkbar. Unmittelbare Vorbedingung dafür sei jedoch die Nutzung, Akzeptanz und das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit.

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Derzeit ließe dies zwar noch auf sich warten lassen, nach Einschätzungen des Berichts bestehe jedoch bereits heute politischer Handlungsbedarf. So müssten sich internationale Gesetzgeber auf zukünftige Szenarien einstellen:

„Gesetzgeber werden geschickt, innovativ und kooperativ agieren müssen, um den möglichen Gefahren für die Finanzstabilität zu begegnen, sollten Krypto-Anlagen breitere Nutzung erfahren“,

heißt es etwa im Bericht.

Bereits heute gelte es, gemeinsame Antworten zu finden und sich unter anderem klar zu werden, wie Kryptowährungen einzuordnen seien – als Anlageklasse oder als tatsächliche Währung. Der Bericht selbst spricht allerdings stets von „Assets“, zu Deutsch: Anlagen.

Weltweites Echo: Kriminelle Nutzung in den Fokus nehmen

Überraschend lobende Worte für Kryptowährungen und deren Technologien hatte IWF-Chefin Christine Lagarde bereits im vergangenen Monat gefunden. In einem offiziellen Blogpost würdigte die Direktorin erstmalig die Vorteile von Kryptowährungen, beharrte dennoch weiterhin auf ihren Bedenken bezüglich derer illegaler Nutzung.

„Ein prüfender Blick sollte uns weder zu Krypto-Verdammung noch zu Krypto-Euphorie führen“,

so die Abwägung der 62-jährigen.

In der Vergangenheit hatte sie immer wieder vor kriminellen Potentialen von Kryptowährungen gewarnt und zuletzt im Februar von internationalen Gesetzgebern koordinierte Regulierungsanstrengungen gegenüber Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gefordert.

Weltweit sind sich Zentralbanken und Regierungen mit den Äußerungen Lagardes größtenteils einig. Während einige wenige wie der Iran Gefahren für die eigenen Nationalwährungen sehen, bleibt breiter Konsens wie ihn etwa die europäische Zentralbank EZB oder die britische Bank of England formulieren: Um die Finanzstabilität tatsächlich zu gefährden, sind Kryptowährungen derzeit schlicht zu klein.

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Die Finanzminister und Zentralbanker der G20 wollen dementsprechend in den kommenden Jahren zunächst Steuerflucht und Geldwäsche aufs Korn nehmen. Auf einem Vortreffen des diesjährigen Gipfels in Buenos Aires etwa beschlossen sie im März gemeinsame Steuerstandards bis 2020.

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