Interview mit Fitleap-CVO Lars Müller: Massentaugliche Blockchain-Anwendungen für die Fitnessindustrie etablieren

Interview mit Fitleap-CVO Lars Müller: Massentaugliche Blockchain-Anwendungen für die Fitnessindustrie etablieren

FitLeap will mit einer neuen Fitness-App auf den Markt kommen. Dabei werden Nutzer für ihre Fitness-Aktivitäten belohnt – FitLeap bietet ein Anreizsystem für Sportliche. Auf einer Blockchain soll gespeichert werden, ob die Nutzer tatsächlich bestimmten Aktivitäten gefolgt sind. In den Datenpaketen werden dann die Fitnessdaten wie die Anzahl der Schritte oder verbrannte Kalorien gespeichert. Im Interview mit Fitleap-CVO Lars Müller.

Mit FitLeap kommt demnächst eine neue Fitness-App auf den Markt. Worin wollt ihr euch von den unzähligen anderen Fitness-Apps unterscheiden und was hat das mit Blockchain zu tun?

Fitness-Apps auf dem Markt haben eines gemeinsam: Sie sammeln deine Daten und speichern diese zentralisiert, um sie zu vermarkten oder im schlimmsten Fall an Drittanbieter zu verkaufen. Mit Fitleap hat jeder User die volle Kontrolle darüber, was mit seinen Daten passiert.

Deine Daten liegen verschlüsselt auf deinem Handy und du entscheidest, ob du diese freigeben möchtest oder eben nicht. Die Blockchain-Technologie nutzen wir, um sicher zu belegen, dass du auch wirklich bestimmte Aktivitäten (z. B. 10.000 Schritte) gemacht hast. Es ist quasi ein Beweis dafür, dass du wirklich fit bist. Wie funktioniert das genau? Ein Hash oder auch Fingerabdruck jedes Datenpakets (Schritte, verbrannte Kalorien usw.) wird auf der Blockchain abgelegt.

Jedes Mal, wenn neue Daten dazu kommen, überprüfen wir, ob alte Daten verändert wurden. Wurde geschummelt wird, wie bei der Bitcoin-Blockchain, keine neue Transaktion akzeptiert. Man kann sich das auch so vorstellen, dass in deiner Wallet keine Bitcoin liegen, sondern der Beweis deines gesunden Lebensstils. Wir nennen das Health Asset.

Besonders wichtig ist auch, dass wir uns an alle bestehenden Fitness-Apps andocken werden. Du kannst also deine Lieblings-App weiter nutzen und – im Idealfall – bereits gesammelte Daten direkt bei uns in Rewards umtauschen. Wir sind damit ein „Addon“ zu bestehenden Apps auf dem Markt und bringen durch unsere Incentive- und Gamification-Ansätze Aktivität in die Apps unserer Schnittstellen-Partner zurück – das ist ein echter Win-Win.

Und dazu möchtet ihr sicherlich einen Utility-Token herausbringen, der euch viel Geld in die Kassen spült?

Für unsere Nutzer wird es einen FitLeap Token als Incentive für ihre geleistete Aktivität geben. Dieser kann aber nur durch körperliche Aktivität verdient und in unserem FitLeap Marketplace für seine Lieblingsprodukte eingelöst werden. Ergo, wir verkaufen keinen Token in einem Token Sale.

Um unsere Firma mit weiterem Kapital auszustatten, sind wir mit Experten aus der Branche, Anwälten und anderen Blockchain-Firmen an der Entwicklung eines regulierten Security Tokens, der Investoren an unseren unternehmerischen Erfolgen direkt monetär partizipieren lässt. Wir werden eine Dividende, die sich durch unseren Umsatz definiert, an alle Investoren über einen Smart Contract ausschütten. Mehr Details dazu geben unsere wöchentlichen Live-Streams in unserer Facebook-Gruppe.

Das heißt dann aber auch, dass eure App keine dApp ist und ganz ohne Kryptobezug, also Nutzung von Token, auskommt?

Meiner Meinung nach sind die aktuell vorhandenen Blockchains allesamt entweder zu instabil, langsam oder zu teuer, um FitLeap von Anfang an konsequent als dApp zu entwickeln. Darum haben wir uns entschieden, zunächst eine native iOS- und Android-App zu bauen und das Handling sowie das Überprüfen der Gesundheits- und Aktivitätsdaten durch die Blockchain-Technologie abzudecken. Wie in der Einleitung beschrieben, geht es uns darum, massentaugliche Blockchain-Anwendungen zu etablieren. Dies setzt voraus, dass z. B. auch mein Bruder FitLeap nutzen kann. Er hat keinen Bezug zur Kryptowelt. Geht aber dreimal die Woche ins Fitnessstudio und trackt seine Daten.

Wenn ihr mich fragt, ist genau das einer der größten Probleme der Szene – keine vorhandene Massentauglichkeit! Darum trennen wir den Kryptobezug zwischen Nutzern und Investoren.

Wie sieht denn dann euer Business-Modell aus, womit verdient ihr Geld?

Unser Business-Modell teilt sich in drei Bereiche – die App, den Marketplace und B2B. Wobei die letzten beiden Punkte spannend sind.

Wir entwickeln einen Marketplace, in dem die Nutzer von FitLeap anhand ihrer erbrachten Aktivität ihre Lieblingsprodukte wie z. B. Sportkleidung, Supplements usw. deutlich günstiger bekommen als in regulären Shops. Ich bin selber seit vielen Jahren in der eCommerce-Branche tätig und kann hier mein volles Know-how mit einbringen. Der aber größte und zugleich spannendste Bereich ist B2B. Nehmen wir uns die Krankenkassen als Beispiel. Diese sind verpflichtet, jedes Jahr Millionen in Prävention zu investieren, haben einen massiven Innovationsdruck und geben im Schnitt über 1.000 Euro für einen Neukunden aus.

„Leider“ (oder zum Glück) können sie aufgrund von Regularien keine Gesundheitsdaten von anderen Anbietern kaufen. Was ist aber, wenn jeder Nutzer durch FitLeap seine Daten besitzt und selber entscheiden kann, ob er diese  für eine Rabattierung seiner monatlichen Krankenkassenbeiträge zur Verfügung stellen möchte oder nicht?

Wir verbinden an dieser Stelle lediglich den Endnutzer mit dem B2B-Partner und haben zu keinem Zeitpunkt Zugang zu den Gesundheitsdaten. Das differenziert uns erheblich von etablierten Fitness-Apps.

Was macht euch so sicher, dass die eher schwerfälligen und nicht gerade für Digitalisierung bekannten Krankenkassen auf solch innovative Lösungen anspringen?

Der Eindruck in der Öffentlichkeit täuscht vielleicht ein wenig. Nicht alle Krankenkassen sind schwerfällig. Einige von ihnen, z. B. die AOK Nordost, haben hier schon erstaunliche Pionierarbeit geleistet. Für unseren sogenannten Product Market Fit führen wir als Anhänger der Lean-Start-up Mindsets seit Stunde null an Gespräche mit Experten und Entscheidern aus der Gesundheitsbranche. Egal, ob es die private oder gesetzliche Krankenkasse, die Lebensversicherung oder die regulatorische Seite, sprich die Gesetzgebung, ist. Unser Gründerteam und insbesondere unsere Berater sind hier extrem gut vernetzt.

Wie sehen die nächsten Schritte aus, was kommt als nächstes bei FitLeap?

Wir arbeiten aktuell mit unserem Team am MVP, wobei hier die Betonung auf viable liegt. Des Weiteren klären wir gerade die letzten Legal-Themen rund um unseren  Security Token, den wir in einer Seed-Runde an Investoren verkaufen. In den kommenden Wochen werden unsere Follower hier schon einiges sehen und bestaunen dürfen. Wir haben dafür extra auf Facebook eine Gruppe eingerichtet, in der wir den Entstehungsprozess von FitLeap transparent mit wöchentlichen Live-Streams dokumentieren.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er sammelte während des Studiums mehrjährige Redaktionserfahrung und war danach als freiberuflicher Journalist tätig, bevor er im Januar 2018 begann, als Redakteur bei BTC-ECHO zu arbeiten. Phillip hat einen Master in Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften, für den er an der Uni Konstanz und an der Universidad de Valparaíso studierte.

Bildquellen

  • lars-mueller-PR-fitleap: PR/fitleap

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