Im Vergleich: Die Geldschöpfung von Bitcoin und Euro

Quelle: Bitcoin vs euro coins concept on silver futuristic hands via Shutterstock

Im Vergleich: Die Geldschöpfung von Bitcoin und Euro

In der Kryptoszene ist das Wissen darum, wie der Bitcoin entsteht, relativ weit verbreitet. Doch wie sieht es mit dem Euro aus? Wie genau wird unser gesetzliches Zahlungsmittel geschöpft und welche Auswirkungen hat dies? Diese Materie wird in der Welt der Kryptowährungen nur relativ selten angefasst. Deshalb soll hier die Kryptogeldschöpfung – das Mining – der Entstehungsweise des Euro gegenübergestellt werden.

Wer sich mit dem Bitcoin beschäftigt, wird sich relativ früh auch mit dem Thema der Entstehung der Digitalwährung befassen: Durch das Minen neuer Blöcke entstehen Bitcoin, die als Block-Reward an denjenigen Miner gehen, der als erster den neuen Block errechnen konnte. Weit weniger bekannt ist jedoch, wie genau der Euro entsteht.

In unserem Alltag macht es keinen großen Unterschied, ob wir einen Euro in bar oder auf dem Konto lagern. Für die Banken und den Staat jedoch ist ein Euro nicht gleich ein Euro: Es gibt drei verschiedene Weisen, wie ein Euro entsteht.

Für Staat und Banken ist ein Euro nicht gleich ein Euro

Unsere Währung wird auf drei unterschiedlichen Wegen erzeugt.

Das Münzgeld ist rein staatliches Geld: Es wird von staatlichen Münzprägeanstalten geprägt und in den Umlauf gebracht. Den Gewinn zwischen Prägekosten und dem nominellen Wert der Münzen fließt in die Staatskassen.

Papiergeld, also Geldscheine, werden von der Zentralbank gedruckt. Diese verleiht das Geld dann an die Geschäftsbanken, welche es über die uns bekannten Bankautomaten in den Umlauf bringen.

Die dritte Form der Geldschöpfung ist ein Sonderfall: das Giralgeld. Dies sind die digitalen Euros auf unseren Konten. Giralgeld macht mit etwa 86 Prozent der umlaufenden Geldmenge in der Eurozone den größten Teil des Zahlungsverkehrs aus.

Die Giralgeldschöpfung: Aus 2,50 Euro können Geschäftsbanken 100 Euro kreieren

Dieses Geld wird nicht von einer staatlichen oder öffentlichen Institution erzeugt, sondern von den Geschäftsbanken in Form von Krediten in den Umlauf gebracht. Jedes Mal wenn also ein Kredit aufgenommen wird, erschafft die Bank neues Geld. Dabei kann sie zwar nicht endlos viele Finanzmittel schöpfen, aber um 100 Euro an Giralgeld zu erzeugen, benötigen sie nur etwa 2,50 Euro an„Zentralbankgeld“.

(Die Zentralbank kann Geld entweder in Form von Geldscheinen oder als digitales „Zentralbankgeld“ – welches eine Sonderform des Geldes darstellt – an Banken verleihen).

Über die potentiellen Auswirkungen einer weltweiten Bitcoin-Nutzung als Zahlungsmittel kann natürlich nur spekuliert werden. Trotzdem soll das Gedankenexperiment hier gewagt werden und mögliche Vor- und Nachteile von Bitcoin und Euro, die bereits in deren Geldschöpfung verankert sind, gegenübergestellt werden.

Begrenzte Geldmenge vs. unendliche Geldmenge: Keine Bankenrettung mehr wegen Bitcoin?

Durch die Art der Geldschöpfung des Bitcoin ist dessen maximale Geldmenge von vornherein auf 21 Millionen Bitcoin festgelegt. Das zieht natürlich Stabilität nach sich und es besteht keine Gefahr eines Verlustes der Kaufkraft durch eine Ausweitung der Geldmenge. Allerdings können auch keine großen Geldmengen aus dem Nichts erschaffen werden. Sollte es zu Engpässen bei der Geldversorgung kommen, könnte die Wirtschaft nicht durch das Schöpfen neuer Finanzmitteln gestützt werden. Banken- und Eurorettungen wären wohl keine Option mehr. Da diese Art der Geldversorgung jedoch meistens auf Schulden beruht, könnte massive Verschuldung durch die Geldschöpfung, wie sie beim Bitcoin angewandt werden, verhindert werden.

Nullsummenspiel vs. Plus-Summenspiel: Kann Bitcoin die Staatsschuldenkrise beenden?

Insbesondere die Giralgeldschöpfung stellt sich als problematisch dar: Wenn man einen Großteil der Euro-Geldmenge durch Kredite in den Umlauf bringt, beruhen beinahe alle im Umlauf befindlichen Euros auf Schulden. Diese muss man früher oder später wieder zurückgezahlen. Sobald dies jedoch passieren würde, gäbe es praktisch keine Euros mehr im Umlauf. Die Summe des gesamten Geldes entspricht also in etwa der Summe der Schulden. Daher spricht man hier auch von einem Nullsummenspiel: Verrechnet man alle Euros mit allen Schulden im Euro-Währungsraum, kommt man auf die Summe Null.

In der Praxis sieht es jedoch etwas anders aus: Da alle Kredite mit Zins- und Zinseszins verliehen werden, gibt es sogar mehr Schulden als Geld im Umlauf. Die Schulden können also niemals zurückgezahlt werden – außer durch das Aufnehmen neuer Schulden mit wiederum neuen Zinsen. Dies kann verheerende Folgen haben, da es die Wirtschaft unter stetigen Wachstumszwang setzt, um die ständig wachsenden Zinsen zu bedienen.

Der Bitcoin entsteht nicht durch Schulden, daher kann man ihn als Plus-Summenspiel bezeichnen. Das angesprochene Problem entsteht folglich beim Bitcoin nicht. Im Gegenteil: Sollte der Bitcoin weltweite Akzeptanz finden, könnte er sogar dazu beitragen, die weltweite Staatsschuldenkrise zu beenden. Es könnte man etwa die Schulden, die man sonst durch die Entstehungsweise des Euro niemals zurückzahlen könnte, nun in Form von Bitcoins bedienen.

Deflationäres Geld vs. inflationäres Geld: Hemmt Bitcoin die Wirtschaft?

Der Einzelanleger freut sich natürlich über Geld, das immer wertvoller wird, wie es beim Bitcoin aufgrund von seiner künstlichen Verknappung auf 21 Millionen Einheiten tendenziell der Fall ist. Ob dies als gesamtwirtschaftliche Währung jedoch förderlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn Geld, das immer mehr wert wird, wird weniger ausgegeben und mehr gehortet. Und die Wirtschaft ist natürlich auf einen stetigen Fluss der Finanzmittel angewiesen. Der Euro mit seiner leicht inflationären Tendenz lädt eher dazu ein, ausgegeben zu werden und könnte daher gesamtwirtschaftlich als Zahlungsmittel sinnvoller sein.

Es macht es auch für Zentralbanken Sinn, sich die Vorteile von Kryptowährungen genauer anzusehen, um mögliche Vorteile in einer Reform des Geldsystems zu übernehmen. Nicht umsonst gibt es immer wieder Ideen, wie staatliches Kryptogeld umgesetzt werden könnte.

Möglicherweise können diese einen wertvollen Beitrag leisten, die Vorteile beider Systeme in Kryptogeld miteinander zu vereinen.

BTC-ECHO

Jetzt in Kryptowährungen investieren: Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder traden – wir haben die besten Broker, Börsen und Zertifikate zusammengestellt: Bitcoin kaufen | Ether kaufen | Ripple kaufen | IOTA kaufen | Broker-Vergleich

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Der BTC-NAVIGATOR ist da: 5 Unternehmen, die ihr kennen solltet
Der BTC-NAVIGATOR ist da: 5 Unternehmen, die ihr kennen solltet
Kolumne

Auf dem BTC-NAVIGATOR finden Krypto- und Blockchain-Begeisterte das gesamte deutschsprachige Blockchain-Ökosystem an einem Ort. Wir listen Unternehmen, Produkte, Jobs, Events und Akzeptanzstellen für Kryptowährungen wie Bitcoin. Zum Einstieg stellen wir fünf Unternehmen vor, die sich die Blockchain-Technologie zunutze machen.

Libra Flop, Bitcoin Top: US-Kongress debattiert zu Kryptowährungen – das Regulierungs-ECHO
Libra Flop, Bitcoin Top: US-Kongress debattiert zu Kryptowährungen – das Regulierungs-ECHO
Kolumne

Während die US-Kongressabgeordneten Libra argwöhnisch beäugen und Facebook-Manager David Marcus mit kritischen Fragen löchern, scheint die Politik Bitcoin gegenüber vergleichsweise aufgeschlossen. Einer der Abgeordneten bezeichnet Bitcoin gar als „unaufhaltsame Macht“.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

IOTA veröffentlicht Roadmap für Coordicide
IOTA veröffentlicht Roadmap für Coordicide
Altcoins

Am 29. Mai dieses Jahres hat IOTA den Coordicide angekündet, dahinter verbirgt sich die Abschaltung des Koordinators, der IOTA-Transaktionen überwacht. Nun hat die IOTA Foundation eine Roadmap vorgestellt.

Steve Wozniak: Apple-Mitgründer will nach Malta
Steve Wozniak: Apple-Mitgründer will nach Malta
Tech

Der Apple-Mitgründer Steve Wozniak gab bei einer Podiumsdiskussion seine Zukunftspläne bekannt. Was ihn bewegt, nach Malta zu gehen und welche Unternehmensidee er unterstützen will.

Datenleak bei Bitcoin-Börse QuickBit enthüllt Kundendaten
Datenleak bei Bitcoin-Börse QuickBit enthüllt Kundendaten
Sicherheit

Die Bitcoin-Börse QuickBit hat versehentlich große Datenmengen geleakt. Über Tage kursierten sensible Kundendaten ohne Firewall für jedermann einsehbar im Internet. QuickBit-Kunden wird geraten, ihr Passwort zu ändern.

Deutsche Bundesbank sieht Bitcoin als „spekulatives Nischenprodukt“
Deutsche Bundesbank sieht Bitcoin als „spekulatives Nischenprodukt“
Unternehmen

Für die Deutsche Bundesbank hat das Kursgebaren von Bitcoin & Co. in den letzten Jahren vor allem eines gezeigt: Dass Kryptowährungen weder als Zahlungsmittel noch als Wertspeicher taugen. Anders blickt die Zentralbank auf das Potenzial von Stable Coins. Gegenüber dem Facebook-Coin Libra nimmt die Bundesbank eine argwöhnisch-abwartende Haltung ein.

Angesagt

Trading-App Robinhood sammelt 323 Millionen US-Dollar ein
Invest

Die Trading-Plattform Robinhood sammelt in einer Series-E-Funding-Runde 323 Millionen US-Dollar ein. Damit ist das Unternehmen mit 7,6 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Geld soll auch in den Ausbau der Krypto-Sparte fließen, diese ist jetzt bereits in 30 US-Bundesstaaten verfügbar.

Bitcoin-Gerüchteküche: Justin Sun in China angeklagt
Szene

Neues aus der Bitcoin-Gerüchteküche. Gegen Justin Sun soll aktuell ermittelt werden. Die Gerüchte kamen auf, als der Gründer und Vorsitzende der Kryptowährung TRON sein Krypto-Dinner mit Warren Buffet und „Größen“ aus dem Bitcoin-Ökosystem abgesagt hat.

Bitcoin-Börse BitFinex und Tether ziehen sich aus der Verantwortung
Krypto

Der Gerichtsprozess rund um die in Verruf geratene Bitcoin-Börse BitFinex und den Stable-Coin-Anbieter Tether geht in eine neue Runde. Nun sagt einer der Anwälte der Firmen, dass weder BitFinex noch Tether Kunden in den USA betreuen würden.

BaFin genehmigt ersten Immobilien-Token
STO

Die BaFin genehmigt das erste deutsche Security Token Offering (STO) für blockchainbasiertes Immobilieninvestment und das zweite deutsche STO überhaupt. Damit gibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Startschuss für digitale Wertpapiere im Real-Estate-Bereich. Ein neues Anlagevehikel?

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: