Handelskrieg: Facebook Coin treibt Währungspläne der Chinesischen Volksbank voran

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Handelskrieg: Facebook Coin treibt Währungspläne der Chinesischen Volksbank voran

Angesichts Facebooks Währungsprojekts Libra könnte die Chinesische Volksbank ihr eigenes Währungsvorhaben wegweisend beschleunigen. Entsprechende Pläne bringt ein Vertreter der Zentralbank in dieser Woche ins Spiel. Im Zuge des schwelenden Handelskrieges mit den USA sei die künftige Rolle des US-Dollars für Libra hierbei entscheidende Triebfeder. Sollte Libra in weiten Teilen vom US-Dollar gedeckt sein, würde dies eine ausgleichende Anstrengung von Seiten Chinas fordern, ließ ein Vertreter der Währungsbehörde anklingen.

Ob im Bankenwesen, in der Geldpolitik oder in der Entwicklungshilfe – längst wird Facebooks Währungsprojekt Libra als möglicher Game-Changer für Politik und Wirtschaft gehandelt. Dass sich der Stable-Coin künftig sogar im internationalen Währungswettbewerb und damit vor allem in den schwelenden Konflikten rund um den Welthandel zum strategischen Spielstein mausern könnte, eine solche Prognose bringt nun die Chinesische Volksbank (PBOC) ins Spiel.

Wie ein Vertreter der Zentralbank am Montag, den 08. Juli auf einer Konferenz an der Universität Peking andeutete, könnte Libra dabei die eigenen Währungspläne des staatlichen Geldhauses wegweisend beschleunigen. Dies berichtet die Zeitung South China Morning Post.

Entscheidende Triebfeder hierfür sei die künftige Rolle des US-Dollars bei der Herausgabe von Libra. Wie der Social-Media-Konzern bei der Veröffentlichung des Währungsprojektes Mitte Juni verkündete, soll Facebooks Coin in Zukunft von einem Korb nationaler Währungen und Staatsanleihen gedeckt sein. Welches Gewicht dem US-Dollar dabei zukommt, ist derzeit jedoch noch unklar.

Für Wang Xin, den Forschungsleiter der PBOC, stellt dies Grund zur Sorge dar. Er fürchtet, der Facebook-Coin könne zum Teil eines von den USA dominierten globalen Finanzsystems für Digitalwährungen werden, die dann mit nationalen Währungen konkurrieren.

Sollte [Libra] eng mit dem US-Dollar verknüpft sein […]. würde es im Wesentlichen einen Chef geben, nämlich den US-Dollar und die Vereinigten Staaten. Dieses Szenario würde eine Reihe wirtschaftlicher, finanzieller und sogar internationaler politischer Konsequenzen mit sich bringen,

warnte Wang in Peking vor einem Machtgefälle, wie es bis in die 1970er-Jahre Bestand hatte. Damals dominierte der US-Dollar, gedeckt mit den internationalen Goldreserven, als Ankerwährung die Weltwirtschaft. Eine Wiederholung im digitalen Bereich könnte China nicht tatenlos hinnehmen.

Kommt der chinesische Zentralbank-Coin?

Nun müssten die chinesischen Behörden weitere Forschung und Entwicklung gegenüber einer eigenen souveränen Digitalwährung vorantreiben. An einer solchen feilt Peking Berichten zufolge bereits seit Jahren. Wang bestätigte dieses Vorhaben am Montag und verkündete in diesem Zuge zudem den Startschuss eines entsprechenden Forschungskooperation führender chinesischer Universitäten.

Wir haben früh begonnen […]. Aber es steht viel Arbeit ins Haus. um unsere Führung zu behaupten,

bekräftigte er. Wie weit das Projekt des digitalen Yuan derzeit fortgeschritten ist, ließ er jedoch offen. Zunächst liege es nun an China, mit „großer Aufmerksamkeit“ den Einfluss von Libra auf die globale Finanzstabilität, Währungspolitik und den grenzübergreifenden Zahlungsverkehr zu beobachten.

Angefangen beim Bitcoin verfolgt Peking gegenüber sämtlichen Kryptowährungen ein striktes Verbot. Offizielle Begründung hierfür sind mutmaßliche Risiken für die Finanzstabilität. Bisweilen gilt diese Regelung auch für Libra.

Ob sich dies jedoch ändert, sollte Facebooks Coin sich am Massemarkt etablieren, ist fraglich. Zwar hat Facebook im Reich der Mitte viele User, offiziell jedoch ist das soziale Netzwerk für Chinesen gesperrt. Viele greifen hier zu lokalen Diensten wie WeChat und Baidu Tieba. Hier könnte ein chinesischer Pedant zu Libra auf eine breite Nutzerbasis treffen.

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