Gesundheitswesen: Patientendaten via Blockchain

Max Halder

von Max Halder

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Max Halder

Max Halder kaufte 2011 seinen ersten Bitcoin. Er studierte Chemie und Pharmakologie an der Universität Regensburg und graduierte 2016 mit einem Master of Science. Seither setzt er sich als Pädagoge und freiberuflicher Dozent in einer Suchtklinik und in Förderzentren für Aufklärung und Bildung ein.

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Die Unternehmen Q² Solutions und HSBlox haben sich zusammengeschlossen und eine Machbarkeitsstudie im Gesundheitswesen durchgeführt. Ziel war es, die bei Untersuchungen entstehenden Daten mit einer DL-Technologie – Corda von R3 – abzubilden. Über ein vermarktbares Produkt, das sich als Blockchain ausgibt, keine ist und dennoch einen Mehrwert für die Gesellschaft darstellen kann.

Viele Vertreter des Establishments – insbesondere Banken und Oligopol-artige globale Konzerne – halten den Ursprung einer jeden Blockchain, freilich Bitcoin, für wenig interessant. Wie bei jedem Open-Source-Projekt lässt sich das System nicht abriegeln und somit kein Geld damit verdienen. Denn es gibt keinen Chef, der an der Spitze steht und die Regeln vorgibt. Stattdessen preist das Establishment die DLT-Technologie. Im Prinzip wird dabei das Ideal einer Blockchain um wichtige Eigenschaften wie Transparenz oder Dezentralität gekürzt. Eines dieser Beispiele ist die Pseudo-Blockchain Corda vom Konsortium R3, das von Banken wie J.P. Morgan finanziert wird. Corda wurde nun laut einer Pressemitteilung vom 25. Juni für eine Machbarkeitsstudie (Proof of Concept) in der Aufzeichnung von klinischen Daten im Gesundheitswesen getestet.

Die Spieler

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An diesem Projekt zur Verbesserung des Gesundheitswesens ist zum einen Q² Solutions beteiligt. Das Unternehmen versteht sich als modernes Labor, das auf Bioanalytik, Genomik und Diagnostik im Allgemeinen spezialisiert ist. Der zweite Spieler ist das Tech-Unternehmen HSBlox, das sich die Entwicklung des Gesundheitswesens auf die Fahnen schreibt. Der dritte Spieler im Bunde ist das oben erwähnte Konsortium R3 bzw. deren DLT Corda. Und zu guter Letzt mischt der Softwaregigant Microsoft mit seiner Cloud-Computing-Plattform Microsoft Azure mit. Dass dabei ein vermarktbares Produkt entstehen soll, dürfte klar sein. Diese Form von Zusammenschluss, den wir bereits als Interoperabilität erläutert haben, scheint unternehmerisch ein Gebot der Stunde zu sein.

Die Studie

Das Ziel der Studie bestand in der Erprobung von Echtzeit-Aufzeichnungen von biologischen Proben in der klinischen Praxis. Dass dieses Unterfangen durchaus komplex werden kann, wird deutlich, wenn man sich die beteiligten Parteien und Arbeitsschritte im Gesundheitswesen vor Augen führt: Von Krankenschwestern und Ärzten innerhalb verschiedener Stationen im Krankenhaus, über externe Labore, von Probensammlung, -transport und -lagerung über die Erstellung der Ergebnisse, bis hin zum vertraulichen Umgang mit den erzielten Informationen. Hierzu David E. Rutter, CEO bei R3:

Die Anforderungen dieses Projekts sind sehr komplex: Die Aufzeichnung muss trotz der unter Umständen vielen an der Kette beteiligten Parteien präzise sein. Die Blockchain-Technologie eignet sich exzellent dafür. Der dezentrale Charakter einer Blockchain gewährleistet Transparenz und Vertrauen, während die von Corda ausgeklügelte Datenschutz- und Sicherheitstechnologie den angemessenen Umgang mit sensiblen Daten sicherstellt.

Die Aufgabe

Die dezentrale Ablage von patientenbezogenen Daten macht durchaus Sinn. Nicht jeder Hausarzt, Zahnarzt, nicht jedes Krankenhaus müsste jeweils zentralisiert Akten für jeden Patienten ablegen. Effizienter wäre es, wenn jede Partei im Gesundheitswesen auf ein dezentrales Register zugreifen könnte, um sich die Informationen zu beschaffen, die es benötigt. Dadurch würde die doppelte und dreifache Durchführung von Arbeitsschritten wegfallen und damit mehr Zeit für die eigentliche Pflege übrigbleiben – ein klarer Mehrwert für die Gesellschaft. Brian O‘Dwyer, CEO von Q² Solutions, sieht den Innovationsdruck auch vonseiten des Staates herrühren:

Die FDA und andere Regulierungsinstitutionen werden strenger im Umgang mit der Kontrollkette und der Nachverfolgbarkeit von klinischer Forschung. Es gibt keinen offiziellen Standard beim Austausch von Informationen bezüglich der Kontrollkette. DLT ist eine großartige Technologie, wenn man diese Informationen vertrauenswürdig abbilden will.

Fazit

Im Zusammenführen von einzelnen Bausteinen für die Lösung von komplexen Problemen wie das des Gesundheitswesens liegt der eigentliche Mehrwert solcher Kooperativen. Das Paradigma, das frischen Wind in den Innovationsrummel bringt, lautet Blockchain. Man sollte hier jedoch im Blick behalten, dass es einen Unterschied zwischen reiner Blockchain und der DLT-Technologie gibt. Während sich hinter der Reinform einer Blockchain kein Produkt verbirgt, haben wir es bei DLT-Technologien von Unternehmenskonsortien mit Produkten zu tun. Das soll nicht heißen, dass solche Produkte per se schlecht sind. Doch die Unternehmen nutzen letztlich die Idee einer Blockchain als Strohmann, um ihr Produkt zu bewerben.

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