Finanzamt Bonn forderte angeblich Umsatzsteuer bei Bitcoin-Veräußerung

Tobias Schmidt

von Tobias Schmidt

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Tobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Fachgebiet im Krypto-Bereich sind die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

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Das Finanzamt Bonn fordert angeblich die Errichtung einer Umsatzsteuer beim Verkauf von Kryptowährungen. Unter Bezugnahme auf das Bundesfinanzministerium soll Krypto-Handel voll umsatzsteuerpflichtig sein. Damit widerspricht das Finanzamt einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Phillip Horch

Laut der Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen (BaFin) und dem Bundesfinanzministerium sind Kryptowährungen in Deutschland nicht als gesetzliche Zahlungsmittel angesehen, sondern als sogenannte immaterielle Wirtschaftsgüter. Genauere Informationen zur Versteuerung von Krypto-Gewinnen findet ihr in unserem Artikel Kryptowährungen und Steuern.

Die Umsatzsteuer spielte bisher bei der Besteuerung von Krypto-Gewinnen keine Rolle. Der Grund dafür war die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs EuGH aus dem Jahr 2015. In der Sache Hedqvist hatte der EuGH entschieden, bei Bitcoin-Umtausch Umsatzsteuerfreiheit geltend zu machen. Der EuGH geht damit eher in die Richtung der britischen Lesart der Mehrwertbesteuerung des Bitcoin-Tausches, während die Bundesregierung sich gegen das Urteil positionierte.

Nach aktuell kursierenden Meldungen wird die bisher gängige Praxis nun jedoch in Frage gestellt. So soll etwa das Finanzamt Bonn am 24. Januar einen Bericht vorgelegt haben, in dem die Umsatzsteuerfreiheit angezweifelt wird. Stattdessen sollen Handel mit und Veräußerung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen voll umsatzsteuerpflichtig sein. Als Grundlage für diese Forderung beruft sich das Finanzamt Bonn auf die Auffassung des Bundesfinanzministeriums.


Laut des Finanzministeriums kommt

„eine Befreiung der Umsätze aus dem Handel mit virtueller Währung von der Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) nicht in Betracht. Es handelt sich beim Handel mit und bei der Verwendung der Umsätze von virtueller Währung insbesondere nicht um Umsätze oder die Vermittlung der Umsätze von gesetzlichen Zahlungsmitteln. Der Einkauf und der Verkauf von Bitcoins sind daher zunächst in vollem Umfang mehrwertsteuerpflichtig zu behandeln.“

Würde man diese Auffassung anwenden, hätte dies unkalkulierbare Folgen für den weiteren Handel mit Kryptowährungen in Deutschland. So würde jeder Verkauf von Kryptowährungen mit 19 % Mehrwertsteuer besteuert werden. Diese Maßnahme hätte erhebliche Auswirkungen auf das Krypto-Geschäft kleinerer Investoren und könnte bei ungünstigen Kursentwicklungen schnell dazu führen, dass die zu erbringende Steuerlast die realisierten Gewinne übersteigt.

Bevor die Forderung des Finanzamts Bonn nun jedoch auf die Goldwaage gelegt wird, heißt es erst einmal Ruhe bewahren. Auch unter Berufung auf eine Auffassung des Bundesfinanzministeriums kann sich ein deutsches Finanzamt nicht über das Urteil des höchsten europäischen Gerichts hinwegsetzen. Das Urteil aus dem Jahr 2015, bei dem die Umsatzsteuerfreiheit beim Verkauf von Kryptowährungen festgelegt wurde, gilt weiterhin. Demnach ist die Forderung des Finanzamts Bonn auf der Basis geltenden europäischen Rechts nicht haltbar.

BTC-ECHO


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