Ether und Ethereum Weltcomputer, Geld oder ganz was anderes?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Ether - Geld oder nicht?

Quelle: Shutterstock

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Mit Decentralized Finance zeigt sich bei Ethereum ein Paradigmenwechsel. Aus „Build unstoppable applications“ wurde mit der Zeit „Ethereum is Money“. Doch nicht alle sehen das so. Was ist von diesem neuen Wertversprechen Ethereums zu halten?

Was ist Ethereum? Eine kurze Frage, die aber viele Antworten provoziert. Felipe Gaúcho Pereira sinnierte darüber schon in dem Artikel Visions of Ether, einer Analyse der unterschiedlichen Narrative, die sich lose an einer ähnlichen Betrachtung über Bitcoin orientierte. In den Kryptokompass-Ausgaben von Dezember 2018 und Januar 2019 haben wir ein Framework vorgestellt, mit welchem die unterschiedlichen Narrative bewertet werden können.

Dennoch: Gerade im Fall von Ethereum scheinen Kritiker wie Fans ein Problem zu haben, die eigentliche Aufgabe von Ethereum wirklich zu definieren. Lange vorbei sind die Zeiten der „Build unstoppable applications“. Zynisch gesprochen zeigte das Fanal um den DAO-Exploit und den sich daran anschließenden State Change, dass unstoppable applications vieles sind – aber nicht unaufhaltbar. An den jüngsten Problemen rund um Flash Loans sah man ebenso, dass derartige Ansprüche vielleicht auch nicht zielführend sind.

Ethereum ist (gutes) Geld

Im Zuge von Decentralized Finance und mit Blick auf Ethereum 2.0 sahen mehr und mehr Ethereum-Freunde Geld als den Haupt-Use-Case. Was genau ist damit gemeint? Sicher, zum einen meinen Anhänger damit, dass Ether als Zahlungsmittel verwendet werden kann. Zwar ist die Anzahl an Ethereum-Akzeptanzstellen geringer als bei Bitcoin, aber prinzipiell können Zahlungen in Ethereum abgewickelt werden.

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Das alleine wäre jedoch ein schwacher Abklatsch von Bitcoin. Die Möglichkeiten, die Smart Contracts bieten, wären in den Wind geschossen. Die Anhänger der oben genannten These verstehen unter Geld jedoch mehr. Sie sehen Ethereum als ein dezentrales, weltweites Wirtschaftssystem, in welchem Ether als eine Währung genutzt werden kann. Das Pendant zum Euro im EU-Wirtschaftsraum für Ethereum wäre Ether.

Auch das greift zu kurz. Tatsächlich kann man in Ethereum ein Asset mit mehreren Funktionen sehen. Ryan Sean Adams hat dies in einem Artikel auf The Defiant genauer ausgeführt:

  • Ether ist die Basiswährung, mit der das Gas, also die Transaktionskosten im Ethereum-Ökosystem bezahlt werden. In der Hinsicht ähnelt Ether Öl.
  • Ether ist durch ein begrenztes Angebot und eine steigende Nachfrage Gold sehr ähnlich.
  • Dank verschiedener DeFi-Plattformen kann man schon jetzt Ethereum staken – ein Use Case, der mit Ethereum 2.0 nur noch präsenter wird. In der Hinsicht ähnelt Ether dann einer Anleihe. Eingelagertes Ether kann die Liquidität einer dezentralen Börse erhöhen. Nach dem Wechsel auf Proof of Stake kann über die Einlagerung von Ether das gesamte Ethereum-Netzwerk gesichert werden. Für die Anleger springen dabei Zinsen oder Anteile an den Gebühren in Ether heraus.

Ethereum is Fiatgeld

Man sieht hier schon: Jene, die Ether als Geld sehen, haben eine sehr komplexe Vorstellung von Geld. Sie geht über die klassische Aufteilung in Wertspeicher, Zahlungsmittel und Rechnungseinheit hinaus.

Entsprechend sind nicht alle von der These überzeugt. Sehr kritisch äußerte sich jüngst Anthony Pompliano in seinem Newsletter Off the Chain. In diesem sagt er, dass Ethereum Geld ist – aber Fiatgeld, also die Form von Geld, die Bitcoin eben nicht sein möchte.

Eine Fiatwährung hat laut Anthony Pompliano drei Eigenschaften:

  • Eine Fiatwährung hat keinen begrenzten Supply
  • Die Geldemission ist inflationär
  • Eine überschaubare Gruppe von Leuten trifft monetäre Entscheidungen

Diese Punkte sind seiner Meinung nach bei Ethereum gegeben. Zwar räumt er ein, dass die Inflationsrate bisher rückläufig war. Anders als im Fall von Bitcoin, dessen Inflationsrate in das Bitcoin-Protokoll eingegossen ist, waren diese Reduktionen jedoch Entscheidungen einer zentralen Gruppe von Akteuren.

Seine Argumentation ist nicht eine Pauschalkritik an Ethereum oder an Decentralized Finance. Tatsächlich sieht er in DAI und tBTC Ansätze, diese Fiat-Problematik zu überwinden. Seiner Meinung nach sind also DAI und tBTC (gutes) Geld, Ether selbst jedoch nicht.

Ethereum ist mehr

Wer hat nun recht? Etwas unbefriedigend: alle – und kein einziger. Ethereum ist mehr als all das, was Enthusiasten und Kritiker sehen. Der Anspruch „Build unstoppable applications“ gilt weiterhin, auch nach TheDAO oder bZx. Ethereum ist eine Plattform, auf dessen Basis Entwickler unterschiedliche dezentrale Anwendungen schreiben können. Die Möglichkeiten, wie auch die Nutzung Ethers, erschöpfen sich nicht in den oben genannten Anwendungsfällen. Zu sagen, dass Ether Geld, oder auch Fiatgeld wäre, ist ebenso kurzsichtig, wie wenn man sagt, dass Baumwollpapier Geld wäre. Richtig, Baumwollpapier ist der Hauptbestandteil moderner Euro-Banknoten, aber andere Anwendungsfälle sind ebenfalls möglich.

Ethereum ist noch nicht einmal zehn Jahre alt. Vielleicht ist es noch zu früh, endgültige Statements wie „Ethereum ist Geld“ zu fällen? Es heißt „Neuer Wein gehört in neue Schläuche“. Ethereum, wie auch Bitcoin, ist nicht einfach in klassische Vorstellungen und Schemen zu pressen. Disruptive Technologie geht immer über klassische Begrifflichkeiten hinaus. Ein Auto war deutlich mehr als ein Pferd, das Internet deutlich mehr als eine Wissensdatenbank und Künstliche Intelligenz mehr als angewandte Statistik. Dieses „mehr“ herauszufinden ist die Herausforderung und Aufgabe aller Nutzer und Entwickler.

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