Ethereum-Mitgründer Joseph Lubin: „Alle Preise auf unserem Planeten werden manipuliert“

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Ethereum-Mitgründer Joseph Lubin: „Alle Preise auf unserem Planeten werden manipuliert“

Bitfinex, Tether, 850 Millionen US-Dollar, Anklage, Prozess: Der Mitbegründer von Ethereum, Joseph „Joe“ Lubin, hat sich im Rahmen der Fluidity Summit zur derzeit hitzigsten Debatte geäußert. Zwar sieht er zentralisierte Exchanges problematisch, dennoch räumt er Tether und anderen Stable Coins einen gewissen Platz ein.

Jedem aufmerksamen Beobachter zweier befeindeter Lager wird schon einmal die effektive Strategie der Spaltung aufgefallen sein. Die Devise lautet: Sorge dafür, dass sich die Gegner untereinander bekriegen und du wirst gewinnen. Einiges an den krypto-internen Anfeindungen rund um Bitfinex und Tether erinnert an diesen Sinnspruch. So wird sich wohl jeder Bitcoin-Skeptiker die Hände reiben, wenn er sieht, wie diese alte Taktik immer wieder aufgehen kann.

Justiz gegen Konzern

Aufsehen hat in jüngster Zeit eine Anklage des obersten Gerichtshof des Bundesstaates New York in den USA erregt. Angeklagter ist die iFinex Inc., die gemeinsame Mutter von Bitfinex und Tether. Nach aktuellen Informationen hat der Konzern insgesamt 850 Millionen US-Dollar veruntreut. Dabei soll der Stable Coin Tether eine zentrale Rolle gespielt haben. Auch Joe Lubin, Mitbegründer von Ethereum, äußerte sich in einem kurzen Interview im Rahmen des Fluidity Summit zu Wort:

Es scheint ein echt großes Chaos zu sein und wahrscheinlich wird das nicht besser werden. [Dabei] ist Tether durchaus wichtig für unser Ökosystem, weil [der Stable Coin] von verschiedenen Institutionen verwendet wird, um das Trading flüssiger zu machen. Es gibt andere preisstabile Token – viele andere – und ich denke, dass diese nun an Beliebtheit gewinnen werden. Ich halte das für eine sehr gute Sache.

Joe Lubin

Lubin, dessen Philosophie ihm den Spitznamen Mr. Dreamy eingebracht hat, profilierte sich bereits letztes Jahr mit seiner ruhigen, souveränen Art, in einer Diskussion mit dem US-amerikanischen Ökonomieprofessor Nouriel Roubini:

Ich argumentiere so, dass das Internet eine bahnbrechende Erfindung ist, die die globale Gemeinschaft transformiert hat, aber dieses System ist kaputt. […] Wir brauchen bessere, sprich vertrauenswürdige Systeme […] Einer der Gründe dafür ist die Tatsache, dass wir keine Identitäts- und Geldentsprechungen eingeführt haben.

Demgegenüber erschien das Problemverständnis des ehemaligen Beraters des Finanzministeriums der USA recht dünn. Mit viel Temperament, aber wenig aktuellem Wissen waren die damaligen Attacken Roubinis durchzogen. So verglich er die Ungerechtigkeit der Bitcoin-Verteilung mit der Ungerechtigkeit der nordkoreanischen Währung. So mutig sein Auftritt 2018 auch war, ein Jahr später ließ er sich nicht mehr blicken. Anders Joe Lubin, der sich auch dieses Jahr wieder als einer der ganz großen Visionäre des gesamten Ökosystems zeigte:

Alle Preise auf unserem Planeten werden manipuliert. Wann immer ein gut aufgestellter Akteur einsteigen und etwas bewegen kann, muss man auch damit rechnen. Also müssen wir bessere Systeme konstruieren. Der Zustand [von Ethereum] ist großartig. Seit die Preiskorrektur eingesetzt ist, hat das System einen gewaltigen Zuwachs erfahren, weil diejenigen, die die Systeme aufsetzen, [und] aufgrund ihrer Begeisterung über den Preiszuwachs eingestiegen sind, dabei geblieben sind. Wenn man einmal das Potential entdeckt hat, kann man nicht wieder zurück.

Fazit

Interessant an dem beim Nachrichtendienst Bloomberg veröffentlichten Beitrag ist sicherlich die nebensächliche Abhandlung der Furore um Bitfinex und Tether. Anstatt das Feuer weiter zu schüren, erkennt Lubin offenbar die bisherige Nützlichkeit von Tether und bietet damit eine versöhnliche Erzählung an. In Analogie zu Game of Thrones kann man sagen: Um gegen die White Walkers zu gewinnen, mussten sich schließlich auch die freien und die kultivierten Völker miteinander vertragen. Denn eines darf man nicht vergessen: The Night is dark and full of Terrors!

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