Ethereum-Kurs: Manipulationsvorwürfe gegenüber BitMEX

Quelle: shutterstock, PR/BitMEX

Ethereum-Kurs: Manipulationsvorwürfe gegenüber BitMEX

Bevor der Ether am 13. September um satte 19 Prozent steigen konnte, musste der Ethereum-Kurs einen starken Kurssturz verkraften. Ein Teil der Community hält die Börse BitMEX für verantwortlich. Was steht hinter diesen Vorwürfen? 

Am 8. September 2018 ist der Ethereum-Kurs unter 200 US-Dollar gefallen. Damit liegt der Kurs auf Tiefen, die das letzte Mal im Juni 2017 auffielen. Am 12. September 2018 hat der Ethereum-Kurs mit 166,99 US-Dollar sein bisheriges Jahresminimum erreicht.

Bisher gab es dafür die generelle Marktlage, die Difficulty Bomb und selbstkritische Aussagen von Vitalik Buterin als mögliche Gründe. Nun reiht sich BitMEX als Marktmanipulator in die Reihe der Verdächtigen. Dabei handelt es sich nicht um den ersten Manipulationsvorwurf gegenüber der Kryptobörse.

Fest steht: Arthur Hayes, der CEO von BitMEX, ist kein Anhänger von Ethereum. Mitte August bezeichnete er Ethereum als einen Shitcoin, dessen Kurs bald zweistellig sei. Noch direkter äußerte er sich in der BitMEX-eigenen Trollbox:

In diesem Dialog sieht man die Brisanz seiner Meinung. Es geht nicht einfach um eine Haltung zu Ethereum, die man auch unter Geschmackssache verbuchen könnte. Arthur Hayes sagt, dass über sogenannte ETH/USD Perpetual Swaps der Kurs von Ethereum ohne Nutzung von Ethereum manipuliert werden kann.

Perpetual Swaps: Sich ständig erneuernde Terminkontrakte

Perpetual Swaps sind Handelsinstrumente von BitMEX. Sie erinnern an Futures, sind jedoch Terminkontrakte, die nie auslaufen. Trader können also mit einem bis zu 50-fachen Hebel handeln, ohne dass diese Position nach einer bestimmten Zeit geschlossen wird. Stattdessen wird ein Perpetual Swap alle acht Stunden erneuert. Das Aufrechterhalten eines Perpetual Swaps ist nicht kostenlos: Wer mit dem Trend tradet, muss für ein Aufrechterhalten seiner Position zahlen, wer gegen den Trend handelt, verdient solange Geld. Auf BitMEX Handelnde können Perpetual Swaps prinzipiell konstant als Short Positions nutzen.

Short Positions, sprich das Wetten auf einen fallenden Kurs, können Trader nicht nur für spekulative Ziele nutzen. Auch ein Langzeitinvestor kann durch eine Short Position den Wert seines eigentlichen Investments absichern. Zwar kostet dies dem Langzeitinvestor alle acht Stunden etwas, jedoch kann er im Fall eines Kurssturzes, bei intelligent gewählter Leverage, den Verlust so minimieren.

Perpetual Swaps für Ethereum taugen zum Hedging nichts

Derartige Perpetual Swaps sind, auch wenn sie unter ETH/USD geführt sind, auf Basis der Tauschrate zwischen Ethereum und Bitcoin festgelegt. Weder für Long noch für Short Positions muss man Ether erwerben. Trader auf BitMex wetten also tatsächlich nur auf einen Index. Noch wichtiger: Auch für die Bemessung des ETH/USD-Wechselkurses zählt nur die Tauschrate zwischen Bitcoin und Ethereum, jene zwischen Ethereum und dem US-Dollar ist irrelevant. Das bedeutet aber auch umgekehrt, dass der für Ethereum berechnete Wert nicht nur von den Schwankungen innerhalb des Ethereum-Kurses, sondern auch von denen des Bitcoin-Kurses abhängt.

Diese doppelte Abhängigkeit macht den Perpetual Swap ETH/USD als Hedging-Instrument unnütz. Shorting ist also nur für Spekulanten und andere an sinkenden Kursen Interessierte sinnvoll.

Im August war es auffällig, dass die Kaufkurse für ETH/USD-Swaps deutlich größer waren als der Index für Ethereum. Vermutlich haben nach Einführung dieser Perpetual Swaps einige Trader Long Positions eröffnet mit dem Gedanken, dass Ethereum aktuell unterbewertet sei. Wirkliche Gegenpositionen, die einen Hedge aufbauen, sah man nicht.

Das Resultat war eine gewaltige Kluft zwischen Kauf- und Verkaufspositionen. Die Gebühren für Kaufpositionen überstiegen 50 Prozent pro Jahr. Die Positionen konnten nicht mehr aufrechterhalten werden. Zu irgendeinem Zeitpunkt haben vermutlich Wale den Markt betreten und extrem preiswerte Short Positions eröffnet – und den Kurs damit zum Fallen gebracht.

Wie realistisch ist die BitMEX-These?

Soweit sind die Auffälligkeiten erwähnenswert. Auch Arthur Hayes’ Position gegenüber Ethereum ist bekannt. Dass Trader die dargestellten Mechanismen von Perpetual Swaps gegen Ethereum genutzt haben, ist ohne Zweifel eine Möglichkeit. Doch ist der Einfluss des Ethereum-Kurses auf BitMEX auf andere Kurse lediglich ein psychologischer. Denn Trader auf der Exchange BitMEX kaufen und verkaufen sogenannte Quanto-Derivate, die an den Ethereum-Kurs gebunden sind, keine einzelnen Ether-Token.

Einen derartigen psychologischen Einfluss darf man nicht unterschätzen, speziell nicht, wenn er mit einer allgemein pessimistischen Marktlage, verschiedenen Kritiken an Ethereum und einer weiteren Verschiebung der Difficulty Bomb zusammenfällt. BitMEX mag zu einem Gesamtbild beigetragen haben, aber sicherlich nicht allein den Kurs beeinflusst haben.

Erste Zeichen einer Erholung vom Ethereum-Kurs

Inzwischen hat sich die Lage um Ethereum deutlich entspannt. Seit dem 12. September ist der Kurs um über 20 Prozent gestiegen und steht aktuell bei über 200 US-Dollar:

Alles also wieder auf dem Weg aufwärts? Nicht so schnell: Der EMA200 im Stundenchart (rote Linie) bildet aktuell eine Barriere, der Kurs ist vor wenigen Stunden daran abgeprallt. Zwar ist der seit dem 12. September erreichte Kursgewinn schön, aber bevor man von einer Trendumkehr sprechen kann, muss der Ethereum-Kurs den EMA200 nachhaltig überwinden.

BTC-ECHO

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