Ein Land mistet aus Estland entzieht 500 Krypto-Unternehmen die Genehmigung

Moritz Draht

von Moritz Draht

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Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

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Handschellen und Dollanoten auf estnischer Flagge

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Im kleinen Estland kommen auf knapp 1,3 Millionen Einwohner rund 1.400 Krypto-Unternehmen. Besser gesagt: kamen. Das Land räumt mit einer ganzen Industrie auf.

Estland ist in puncto Digitalisierung das Epizentrum Europas. Der kleine baltische Staat tut sich bereits seit einigen Jahren als Taktgeber bei der Einführung innovativer Technologien hervor. Kein Wunder also, dass das Land auch die Wiege vieler Krypto-Unternehmen ist. Doch seit letztem Jahr steht Estland im Zentrum eines der größten Geldwäscheskandale auf europäischen Boden – und die estnische Krypto-Branche unter Generalverdacht.

Geldwaschküche Europa

Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass Estland lange Jahre als Knotenpunkt für Geldwäsche im Osteuropäischen Raum fungierte. Über eine estnische Filiale der dänischen Danske Bank sind über einen Zeitraum von acht Jahren zwischen 2007 und 2015 rund 230 Milliarden US-Dollar gewaschen worden. Der Vorfall hat für einen politischen Eklat gesorgt, angeblich floss ein Teil dieser Gelder auf indirekten Wege zum Kreml.

Wie Bloomberg berichtet gehen Estlands Behörden im Kampf gegen die Finanzkriminalität nun entschieden gegen die Krypto-Industrie vor. Demnach geraten Börsen und Kryptoverwahrer zur Zielscheibe der jüngsten Säuberungsaktionen. Bloombergs Darstellung beruft sich dabei auf Aussagen von Madis Reimand, Leiter der Financial Intelligence Unit (FIU), der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen im Land.

Estland mistet aus


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Demnach haben die estnischen Aufsichtsbehörden in diesem Jahr bereits mehr als 500 Krypto-spezifische Unternehmen die Genehmigung entzogen. Dies ist mehr als ein Drittel der rund 1.400 registrierten Krypto–Dienstleister im Land.

Reimand zufolge sei dies „ein erster Schritt zur Bereinigung des Marktes“. Im Anschluss könne man sich der Einführung wichtiger Gesetzgebungen widmen und „nur Unternehmen zulassen, die der estnischen Aufsicht und Zwangsmaßnahmen unterworfen werden können“.

Um welche Unternehmen es im Konkreten geht, ist nicht bekannt. Da es sich vornehmlich um Dienstleister handelt, die ihre Geschäftstätigkeit nach erhaltener Genehmigung nicht aufgenommen haben, dürften die wenigsten von ihnen bekannt sein.

Krypto-Hype hat Trittbrettfahrer angelockt

Reimand zufolge kam es infolge des Krypto-Booms und der Einführung entsprechender Gesetzgebungen zur Krypto–Regulierung 2017 zu einer Welle neuer Anbieter. Dieses „extrem schnelle“ Wachstum habe der Industrie jedoch mehr geschadet als geholfen.

Dieses rasche Wachstum hat demnach eine Vielzahl schwarzer Schafe angelockt. 34 der insgesamt 56 durchgeführten Inspektionen der Aufsichtsbehörden im vergangenen Jahr betrafen Krypto-Unternehmen. An oberster Stelle stehen Delikte wie Veruntreuung von Kundengeldern und die rechtswidrige Durchführung von Finanzdienstleistungen im Ausland ohne entsprechende Genehmigungen.

Ein Stein kommt ins Rollen

Die Razzien betrafen vor allem Unternehmen, die es versäumt hatten, nach Erhalt einer Genehmigung innerhalb von sechs Monaten ihre Geschäftstätigkeit aufzunehmen. Wie Reimand weiter erläutert, könnten mehr als der Hälfte der verbleibenden Krypto-Unternehmen ebenfalls die Lizenz entzogen werden, da sie keine Geschäftsstellen in Estland haben.

Dahingehend habe das Parlament bereits neue Vorschriften verabschiedet, die strengere Regeln bei der Genehmigung von Krypto-Unternehmen vorsehen. Die neue Strategie Estlands im Umgang mit Krypto–Dienstleistern könnte das einst kryptofreundlichste Land zur Servicewüste austrocknen.


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