Bitcoin-Mining Gigant Bitmain startet zweiten Mining-Pool

Pool, water, ring.

Als wenn es nicht schon genug wäre den drittgrößten Bitcoin-Mining Pool zu besitzen, kündigte der chinesische Bitmain gestern den Start eines zweiten Pools an.



Das neue Angebot (durch die Tochtergesellschaft BTC.com) wird aber anders als die bisherigen als Open-Source für die Community gestartet. Laut Bitmain soll der Pool aber nicht als Ersatz für die bekannte Antpool Plattform dienen (welche ungefähr einen Marktanteil von 13 % besitzt), sondern die Stabilität des Bitcoin Netzwerks fördern.

In einem Interview erklärte der International Marketing Manager von Bitmain, Nisthant Sharma, dass das Ziel der Software die “ Verbreitung der Dezentralisierung des Bitcoin Mining Netzwerks“ ist.

Sharma erklärte CoinDesk:

„Wir hoffen, dass der Open-Source Mining Pool neue Benchmarks in Sachen Stabilität, Effizienz und Service für alle Mining Pools setzt.“

Sharma erklärte, dass man sich durch die Einbindung der globalen Community seitens der Firma neue technische Standards für das Mining erhofft.

Profit, Profit

Ein Schlüsselmerkmal der Software ist die Reduzierung von sogenannten „orphan rates“, einer Metrik die einen messbaren Einfluss auf die Rentabilität des Miner hat.

Beim Bitcoin Mining ist es nicht ungewöhnlich, dass zwei Miner denselben Block fast gleichzeitig finden. Das Ergebnis sind dann zwei Blockchains, aber nur die längste Chain kann offiziell vom Netzwerk akzeptiert werden.

Die Blockchain die eliminiert wird heißt „orphan“ (zu deutsch: Waisenkind). Jedes mal wenn dies vorkommt fehlt einem Mitglied des Mining Netzwerks die Belohnung die er durch die offizielle Anerkennung bekommen hätte.

Laut des Analyseanbieters Blockchain ist es nicht ungewöhnlich, dass es in einer Woche zwischen drei und fünf orphan Blocks gib. Zwar macht dies nur 0.5% der gesamten wöchentlich produzierten Blocks aus, doch ist Bitcoin Mining ein Geschäft mit geringer Marge geworden.

Um dies zu bekämpfen ist eine der primären Funktionen des Pools die „PoolWatcher“-Funktion.

Bitmain erklärt, dass sie nach Signalen des anderen Pools sucht, ob dort schon ein Block gefunden wurde. Statt weiterhin für eine mögliche orphan-Chain zu schürfen, wird direkt zum anderen Block gewechselt.

Sharma erklärte, dass Bitmain mehrere Server Cluster auf der ganzen Welt aufzählt, um die Latenz für die Entdeckung eines neuen Blocks gering zu halten. Wenn ein Miner einen Block findet bemerken das die Cluster, welche den Pool direkt anweisen den nächsten Block zu schürfen.

Auch wenn die Software Open-Source ist, haben nur Nutzer des BTC.com Pools Zugang zu den Server Cluster, sagte Sharma.

Zentralisierung möglich

Auch wenn Bitmain die neue Software als Möglichkeit anpreist Bitcoin noch dezentraler zu machen, so besteht damit die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die Firma mit ihren zwei Mining Pool Diensten einen noch größeren Marktanteil bekommen wird.

Auf kurze Sicht mag der Zuwachs noch kaum messbar sein. Da das Unternehmen bereits den Antpool besitzt, kann es sein, dass einige Nutzer aus dem Antpool in den neuen Pool wechseln. Dies kann gerade auf kurze Sicht so sein.

Laut Sharma ist „dies nichts worüber Bitmain nachdenkt“. Der Payout Mechanismus des Pools, „pay per share (PPS)“ könnte aber dabei helfen den Marktanteil kurzfristig zu heben.

PPS bedeutet einfach, dass der Miner einen Prozentsatz der Mining Belohnung bekommt, welche proportional zu der Hashrate ist, die der Miner aufgewendet hat. Stellt ein Miner beispielsweise 1% der benötigten Hash Power um die Mining Reward zu bekommen, so bekommt er auch 1% der Belohnung.

Es könnte sich in Zukunft auch eine Situation herausstellen in der Antpool seine Nutzer behält und andere, teilweise völlig neue Nutzer, dem BTC.com Pool beitreten.

Da der Mining-Belohnungs-Anteil an den geteilten Ressourcen gebunden ist, bedeutet das, dass der größere Pool mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Belohnung schürfen wird. Dies führt wiederum zu Minern die größeren Pools beitreten, weil diese die größere Chance bieten an eine Belohnung zu kommen.

Aus diesen Gründen und wegen der 0%-Gebühr die Bitmain bis zum Ende des Jahres anbietet, könnte der BTC.com Pool die Chance besitzen schnell an einen größeren Marktanteil zu kommen. Dieses Szenario würde das Mining unter Bitmain stärker zentralisieren.

BTC-Echo

Englische Originalfassung von Michael del Castillo via coindesk.com

Über Danny de Boer

Danny de BoerAls Informatiker schaut Danny de Boer kritisch auf die Blockchain-Entwicklung und Kryptographie. Zwischen Komplexität und Hype erklärt er allgemeinverständlich und anwendungsbezogen. Seit 2014 berichtet er für BTC-ECHO aus der Krypto-Szene.

Bildquellen

  • Pool, water, ring.: © BillionPhotos.com - Fotolia.com

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