Ein neues US-Gesetz und die Besteuerung von Kryptowährungen

Quelle: Bitcoin and one cent coins on US dollar bills. Electronic money exchange concept via shutterstock

Ein neues US-Gesetz und die Besteuerung von Kryptowährungen

Der US-amerikanischen steuerrechtlichen Abgabenordnung stehen weitläufige Änderungen bevor. Der Senat hat dahingehen ein knapp 500-seitiges Dekret mit rechtlichen Änderungen herausgegeben. Es ist gut möglich, dass das auch die Besteuerung von Kryptotrades betreffen kann.

Im Gesetzesentwurf ist der Handel mit Kryptowährung und deren Besteuerung zwar nicht explizit erwähnt. Den folgenden Ausführungen zufolge ist es jedoch wahrscheinlich, dass die neuen Gesetze auch die Besteuerung des Handels mit Kryptowährungen betreffen werden.

Like-Kind Exchanges

Den größten Einfluss auf Geschäfte mit Kryptowährungen könnte das Ersetzen von „like-kind exchanges“ durch das „First-in, First-out“-Verfahren haben. Die „like-kind exchanges“ ermöglichte es Tradern bisher, Steuern zu sparen. Denn das Gesetz sieht es vor, dass man Kapital oder Vermögenswerte durch ähnliche Wertträger ersetzen kann, ohne dafür Steuern für den Verkauf bzw. das Ersetzen zahlen zu müssen.

Wenn Trader also bspw. mit dem Halten von Bitcoin Gewinn erzielten, konnten sie sich davon Ether kaufen, ohne für den Bitcoin-Gewinn belangt werden zu können. Damit konnten Trader von Kryptowährungen die Besteuerung der Langzeitgewinne bisher effektiv umgehen und mussten nur Kurzzeitgewinne besteuern.

Das für das nächste Jahr geplante Gesetz sieht es nun allerdings vor, diese Regelung nur noch für Immobiliengeschäfte zu akzeptieren. In der Börse und vermutlich auch am Kryptomarkt tritt dann das Prinzip des „First-in, First out“ in Kraft.

„First-in, First-out“ und die Besteuerung von Kryptos

Laut Gesetzesentwurf will man das „First-in, First-out“-Prinzip für „spezifizierte Wertpapiere“ (specified securities) anwenden. Die Behörden gehen dahingehend davon aus, dass die jeweiligen Waren, Rohstoffe oder Wertpapiere, die zuerst angeschafft worden sind, auch zuerst ausgegeben bzw. veräußert werden. Bei aufkommenden Fragen nach der Besteuerung von Kryptowährungen würde also immer die Differenz zwischen dem ersten angekauften Coin und dem aktuellen Kurs zählen.

Wenn man also beispielsweise heute einen Bitcoin für knapp 17.000 Dollar und in ein paar Wochen einen für 20.000 kauft und sich später dafür entscheidet, einen für 37.000 zu verkaufen, muss man zunächst den verkaufen, den man für 17.000 erworben hat. Man müsste dann für die Differenz von 20.000 Dollar Steuern zahlen.

Da sich dieses Prinzip jedoch bisher auf die (zumindest im Hinblick auf Kryptowährungen) nicht näher spezifizierten Wertpapiere bezieht, bewegen wir uns hier auf spekulativem Boden. Eine genauere Definition der Finanzbehörde steht hier noch aus. Momentan wird der Bitcoin von der U.S. Commodities Futures Trading Commission noch als Rohstoff („Commodity“) eingestuft.

Es bleibt also abzuwarten, bis das Gesetz letztendlich durchgewunken wird und ob noch weitere Definitionen folgen. Da die Mainstream-Adaption von Kryptowährungen jedoch mit jedem Tag voranschreitet, liegt eine baldige Einordnung nahe.

Wenn der für US-amerikanische Trader ungünstige Fall eintritt, dass eine höhere Besteuerung anfällt, sind etwaige Steuerschlupflöcher vorprogrammiert. Das Wechseln zwischen verschiedenen Wallets könnte somit zum Beispiel einen Einfluss auf das Datum des Erhalts der Coins haben. In jedem Fall stehen genauere Definitionen noch aus. Die Lage für die Besteuerung von Kryptowährungen in Deutschland scheint in diesem Zusammenhang (zumindest etwas) klarer.

Besteuerung von Kryptos in Deutschland

In Deutschland fallen Geschäfte mit Kryptowährungen momentan noch unter die Regelungen von „Spekuationsgeschäften“ im Sinne des § 23 Abs. 1 Nr. 2 des Einkommensteuergesetzes. Da man sie nicht  offiziell nicht als Zahlungsmittel anerkennt, stuft man sie als „gewöhnliche immaterielle Wirtschaftsgüter“ ein. Mit diesen wird dann nicht „bezahlt“ – vielmehr handelt es sich um ein Veräußerungsgeschäft.

Zeitliche Abstände spielen auch hier eine Rolle. Es gibt eine Freigrenze von 600 Euro Gewinn pro Jahr, die nicht besteuert wird. Wenn man also einen Coin für 11000 Euro kauft und für 11600 wieder verkauft, ist das steuerlich Problem. Diese Regelung gilt, wenn der Abstand zwischen Einkauf und Verkauf die Zeitspanne von einem Jahr nicht überschreitet. Doch Vorsicht: Die Freigrenze zählt für alle Transaktionen im ganzen Jahr, nicht nur für eine Transaktion.

Wenn die Zeitspanne zwischen Einkauf und Verkauf jedoch länger als ein Jahr ist, greift diese Regelung nicht. Dann muss man keine Steuern abführen.

In allen anderen Fällen greift der gewöhnliche Einkommenssteuersatz.

Kryptowährungen und die Mindesthaltdauer

Die Mindesthaltedauer von einem Jahr gilt allerdings nicht für die gewerbliche Nutzung – wie bei Unternehmen oder Selbstständigen. So können die erzielten Gewinne je nach Einzelfall einkommens-, körperschafts- und/oder gewerbesteuerpflichtig werden. Hier muss also deutlich von Fall zu Fall unterschieden werden.

Sowohl in Deutschland als auch in den USA ist die Lage für Kryptowährungen nicht gänzlich klar. In beiden Fällen zeigt sich einmal mehr, dass man versucht, neue technologische Fragen mit alten Denkmustern zu beantworten.

Disclaimer: Die dargestellten Sachverhalte wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und aufbereitet. Der Autor ist jedoch weder Jurist noch Steuerfachmann, vielmehr Krypto-Enthusiast und Medienwissenschaftler. Daher kann für die Richtigkeit und Vollständigkeit der gemachten Angaben keine letztliche Garantie gegeben werden, eine Haftung wird ausgeschlossen. Der Artikel stellt damit lediglich die Meinung des Autors dar und ist nicht als Handlungsanweisung zu lesen.

BTC-ECHO

Edit Am 15.12.: Abschnitt zu zeitlichen Abschnitten geändert.

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