Ein kurzer Guide zu mehr Anonymität im Bitcoin-Netzwerk

Quelle: Shutterstock

Ein kurzer Guide zu mehr Anonymität im Bitcoin-Netzwerk

Wie bewege ich mich im Bitcoin-Netzwerk anonym? Wir haben Mittel und Wege für mehr Anonymität für Bitcoin-Nutzer zusammengefasst.

Eines der großen Missverständnisse über Bitcoin ist der Grad der Anonymität, den Nutzer erreichen können. Wer denkt, mit Bitcoin lasse sich absolut privat Handel treiben, der ist schief gewickelt. Bitcoin-Zahlungen, und das muss man in aller Deutlichkeit sagen, sind nicht anonym, sie sind pseudonym.

Denn eines der großen Versprechen der Blockchain ist der Umstand, dass sich Transaktionen, die in der Vergangenheit liegen, im Nachgang nicht mehr ändern lassen. Die Bitcoin Blockchain ist im Grunde ein öffentlich einsehbares Kassenbuch, das alle legitimen, jemals bestätigten Transaktionen abbildet. Das ist gut so, denn auf diese Weise kann jede Netzwerkteilnehmerin völlig unabhängig die Transaktionshistorie auf ihre Tadellosigkeit hin untersuchen.

Allerdings bringt die pseudonymisierte Bitcoin-Transaktionshistorie auch Nachteile mit sich. Für so manchen ist einer dieser Nachteile ein damit einhergehender Mangel an Privatheit. Für ein „Peer-to-Peer electronic cash system“ ist das in den Augen vieler ein Problem. Denn nach wie vor gilt: Das einzige wirklich anonyme Zahlungsmittel ist Bargeld.

Doch auch hierfür gibt es Abhilfe. Wie ihr eure Anonymität auch beim Verwenden von Bitcoin maximieren könnt, haben wir an dieser Stelle zusammengefasst.

Exchanges

Um aus pseudonymen Bitcoin-Adressen eine Verbindung zu realen Personen herzustellen, braucht es einen Link in die analoge Welt. Diesen Link gibt es. Denn um Bitcoin überhaupt habhaft zu werden, müssen Nutzer zunächst Fiatwährungen wie Euro oder Dollar in Bitcoin umtauschen. Dabei greifen sie in aller Regel auf Krypto-Börsen zurück.

Hierzulande geht das allerdings nicht ohne Registrierung – und voheriges Durchlaufen von KYC. Und da haben wir unseren Link.

Sollten Strafverfolgungsbehörden auf die Idee kommen, nach der Exchange-Adresse einer verdächtigen Person zu fragen und diese ausgehändigt bekommen, ist es um die Privatheit geschehen. Dass Exchanges mitunter nicht zögerlich sind, diese sogar ohne gerichtliche Anordnung herausrücken, haben Krypto-Börsen wie bitcoin.de bereits bewiesen.

Was für Möglichkeiten gibt es, um Bitcoin anonym zu erwerben?

Die Antwort lautet dezentrale Exchanges, oder DEX. Dezentrale Exchanges bauen auf einer Blockchain auf und sind daher nicht an einem physischen Ort angesiedelt. Es gestaltet sich also schwierig, DEX regulatorisch fassbar zu machen, da es sich streng genommen nicht einmal um juristische Personen handelt.

Noch stecken solche Börsen in den Kinderschuhen – doch es gibt bereits vielversprechende Projekte. Bisq und die angekündigte Bithumb DEX sind zwei Beispiele.

Adressen wechseln

Die zweite goldene Regel der Privatheit ist das häufige Wechseln von Adressen. Denn durch das Wiederverwenden derselben BTC-Adresse lassen sich Muster viel einfacher ableiten, eine gute Verschleierungstaktik ist daher für jede Transaktion eine neue Adresse zu verwenden.

Mit modernen Wallets wie dem Ledger Nano S ist das auch problemlos möglich. Zudem ist die mögliche Anzahl von generierbaren Bitcoin-Adressen durch den SHA-256-Algorithmus praktisch unbegrenzt.

Bitcoin-Mixer verwenden

Wer nicht will, dass Ein- und Ausgänge von BTC-Transaktionen einander zuzuordnen sind, kann auf sogenannte Bitcoin-Mixer zurückgreifen. Dies funktionieren wie folgt:

Zunächst senden Bitcoin-Nutzer die gewünschte Menge an Bitcoin auf einen sogenannten „Processing Server“. Dieser „mixt“ die eigene Transaktion mit Transaktionen anderer Nutzer des Netzwerks und erstellt am Ende einen finalen Output an die gewünschte Zieladresse. Zu diesem Zeitpunkt ist die ursprüngliche Quelle der Transaktion für Außenstehende aber kaum noch auszumachen. Es ist lediglich eine Reihe von In- und Outputs auf den Server des Mixers abzulesen. Welcher Input welchem Output zuzuordnen ist, lässt sich nicht mehr feststellen. Je nachdem, wie häufig man die eigene Transaktion durch den Mixer jagt, bieten solche Tumbler ein relativ hohes Maß an Anonymisierung.

Es sei aber an dieser Stelle angeraten, sich über den jeweiligen Mixer vorab genau zu informieren. Denn Bitcoin-Mixer haben sich in der Vergangenheit immer wieder als Betrug herausgestellt. Schließlich müssen User ihre Bitcoin zunächst auf den Server des Mixers senden, sie sind also streng genommen ein Single Point of Failure.

Fazit

Diese Liste soll nur einen ersten Überblick über Mittel und Wege für eine gesteigerte Anonymität im Bitcoin-Netzwerk verschaffen. Dies gilt ausdrücklich auch für Nutzer, die sich in der Legalität bewegen. Bei einer zunehmenden Adaption von Bitcoin sollten auch unbescholtene Bürger die Möglichkeit für anonyme digitale Zahlungen haben. Bitcoin bringt dafür die notwendigen Voraussetzungen mit – ein bisschen Mithilfe der User ist aber (noch) notwendig.

Einen umfangreichen Guide über weitere Möglichkeiten, anonym zu bleiben, findet ihr hier.

Du bist ein Blockchain- oder Krypto-Investor?: Der digitale Kryptokompass ist der erste Börsenbrief für digitale Währungen und liefert dir monatlich exklusive Einschätzungen und umfassende Analysen zur aktuellen Lage an den Blockchain- & Krypto-Märkten. Jetzt kostenlos testen

Ähnliche Artikel

5 Formen des Geldes – Eine Übersicht über historische Währungen
5 Formen des Geldes – Eine Übersicht über historische Währungen
Kolumne

Was ist Geld und wieso spielt es so eine große Rolle für uns?

IWF diskutiert Strafzinsen auf Bargeld
IWF diskutiert Strafzinsen auf Bargeld
Insights

Welche Mittel bleiben Zentralbanken, um die nächste Rezession abzufedern, wenn das Pulver bereits verschossen ist?

Newsletter

Die besten News kostenlos per E-Mail

Finde einen Job mit Zukunft

    Aktuell

    Nutzerbetrug bei ALQO? Discord-User auf der Spur
    Nutzerbetrug bei ALQO? Discord-User auf der Spur
    Szene

    Einer kleinen Kryptowährung namens ALQO soll über eine Online-Wallet widerrechtlich Gelder an sich gerissen haben.

    Krypto- und traditionelle Märkte – Seitwärtsphase wirft Bitcoin ins Mittelfeld
    Krypto- und traditionelle Märkte – Seitwärtsphase wirft Bitcoin ins Mittelfeld
    Märkte

    Weiterhin ist nicht Bitcoin, sondern Öl das am besten performende Asset.

    Der Hodl-Guide: 5 Arten von Bitcoin Wallets, die du kennen solltest
    Der Hodl-Guide: 5 Arten von Bitcoin Wallets, die du kennen solltest
    Bitcoin

    Bitcoins kryptographische Absicherung ist bei korrekter Handhabe bombensicher. Aber wie bereits bei Spiderman festgestellt wurde, „kommt mit großer Kraft große Verantwortung“.

    Shorting und Margin Selling in der Kritik: Das Regulierungs-ECHO
    Shorting und Margin Selling in der Kritik: Das Regulierungs-ECHO
    Regulierung

    In Thailand gibt es Aussichten auf eine Bitcoin-Börse für institutionelle Anleger.

    Angesagt

    Free Money! Wie Justin Sun für TRON neue Nutzer kauft
    Altcoins

    Justin Sun ist der Gründer und CEO von TRON. Das Blockchain-Projekt ist unter anderem darauf ausgelegt, der zweitgrößten Kryptowährung Ether und der Ethereum Blockchain den Rang streitig zu machen.

    Die Top Bitcoin-, Blockchain- und Altcoin-News der Woche: Der BTC-ECHO-Newsflash
    Bitcoin

    Ripple beschäftigt eine Privat-Armee an Bots. Das Handelsvolumen von Bitcoin steigt derweil und die Lightning Torch scheint langsam zu einem kleinen Flächenbrand auszuarten.

    Bitmain in Bullenstimmung: 200.000 neue Miner in China geplant
    Mining

    Mining-Gigant Bitmain plant Quellen zufolge große Investitionen im chinesischen Sichuan.

    Cryptopia meldet sich zurück – Die Bitcoin-Börse nimmt den Handel nach Hackerangriff wieder auf
    Invest

    Die neuseeländische Bitcoin-Börse Cryptopia gab die Wiedereröffnung ihrer Handelsplattform bekannt.

    Anzeige
    ×