Die Lage am Mittwoch – Was wurde eigentlich aus Bitcoin-ATMs?

Quelle: Shutterstock

Die Lage am Mittwoch – Was wurde eigentlich aus Bitcoin-ATMs?

Es ist ein alter Hut: Was der Bitcoin-Adaption fehlt, sind verlässliche On-Ramps. Möglichkeiten also, Bitcoin mithilfe von Investments Teil des täglichen Lebens werden zu lassen. Denn was, wenn nicht die Teilhabe am Bitcoin-Kurs veranlasst Anleger, sich mit den Verheißungen des digitalen Goldes auseinanderzusetzen? Was das Ökosystem also derzeit dringender als alles andere benötigt, sind Mittel und Wege, möglichst einfach BTC beziehen zu können. Eine vieldiskutierte Möglichkeit dafür, sind Bitcoin-ATMs.

Wieso Deutschland immer noch das Nachsehen hat und Dienste wie Athena Bitcoin immer stärker Südamerika in den Fokus nehmen.

Wo stehen all die Bitcoin-ATMs?

Man kann sich Bitcoin-ATMs ähnlich wie herkömmliche Geldautomaten vorstellen, mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie Bares gegen Satoshis tauschen – und umgekehrt. In den USA haben die Automaten bereits einen gewissen Stellenwert erreicht. Allein im Ballungsraum Chicago sind es nach Daten von Coin ATM Radar ganze 132 Stück. Verteilt auf das ganze Land finden US-Amerikaner über 3.000 solcher BTC-On-Ramps vor.

In Deutschland soll es hingegen gerade einmal 49 Stück geben. Wobei Recherchen von BTC-ECHO ergeben haben, dass etwa der ATM im Damla Market in Berlin-Charlottenburg nicht funktionstüchtig ist. Woran liegt diese Rückständigkeit hierzulande?

Teil des Problems dürfte eine fehlende regulatorische Klarheit in Bezug auf Krypto-Assets und Bitcoin-Automaten in Deutschland sein. An einem Urteil des Kammergerichts offenbart sich diese Grauzone deutlicher denn je: Im Oktober 2018 entschied das Gericht, dass die BaFin nicht befugt sei, Anlegern den Handel mit Bitcoin & Co. via ATMs zu untersagen. Seine Ansicht hatte das Gericht damit begründet, dass Bitcoin kein Finanzinstrument im Sinne des Kreditwesengesetzes und die Behörde deshalb für die Aufsicht überhaupt nicht zuständig sei.

Eine Folge des Urteils war die gesetzliche Neubewertung von Krypto-Assets. Diese gelten nach Inhalt eines Gesetzentwurfs der Bundesregierung ab dem kommenden Jahr als sogenannte Krypto-Werte. Ziel war es, die Regulierungsfähigkeit durch die BaFin rechtlich zu verankern.

BaFin wird zur ATM-Aufseherin

Ab nächstem Jahr erhält die BaFin also genau die Kompetenz, derer sie sich bereits vorher sicher war. Mit anderen Worten: Ab 2020 reguliert die BaFin nach Maßgabe des neuen Anti-Geldwäsche-Gesetzes auch Bitcoin-Automaten.

Das muss nicht zwangsläufig negativ sein. Denn auch bisher war das Aufstellen von BTC-ATMs nicht per se illegal. Der unklare regulatorische Status hat das Wachstum der Branche hierzulande allerdings nicht gerade befördert. Vorstellbar ist etwa, dass sich Krypto-Unternehmer mit Banklizenz mit der BaFin einig werden und sodann Automaten im großen Stil über das Land ausrollen.

Dabei sind verschiedene Modelle denkbar. Viele der ATM-Betreiber sind beispielsweise Franchise-Unternehmen. Das heißt, der Hersteller vermietet oder verkauft die Geräte an Franchisenehmer, die im Gegenzug einen Teil der Gebühren erhalten. Erfahrungsgemäß sind die Gebühren an Bitcoin-Automaten höher als bei Exchanges; ATMs sind folglich eine potenziell attraktive Einnahmequelle für Kiosk- oder Tankstellenbesitzer.

Bitcoin in Südamerika beliebter denn je

Wie wichtig ATMs als Adaptionsinstrument sind, kommt auch in der neuesten Folge des „What Bitcoin Did Podcast“ von Peter McCormack zur Sprache. Zu Gast waren in dieser Woche mit Gil Valentine und Eric Gravengaard nämlich zwei Co-Founder von Athena Bitcoin, einem der größten Betreiber für Bitcoin-ATMs in den USA.

Während sich zwar auch in den Vereinigten Staaten eine wachsende Beliebtheit zeigt, offenbart sich der wahre Use Case vor allem in südamerikanischen Ländern mit dysfunktionalen Währungen.

„Das argentinische Volk musste bei der Entwertung ihrer Währung bereits mehrmals innerhalb der letzten Jahrzehnten zusehen“, heißt es vonseiten Valentines.

„Der Argentinische Peso“, sodann McCormack, „hat allein in diesem Jahr 40 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Du musst nur in Argentinien großgeworden sein, um den Wert von Bitcoin zu erkennen.“

Das mag so sein. Allein die Realität ist eine andere. Wie der argentinische Trader Alex Krüger auf Twitter schreibt, ist die Bitcoin-Verbreitung nicht so hoch, wie es das Narrativ vermuten lässt. Demnach weicht der Großteil der Bevölkerung eher auf den US-Dollar als Bitcoin aus:

Entgegen der weitläufigen Meinung ist die Bitcoin-Verbreitung in Argentinien extrem gering. Der argentinische Bitcoin-Markt ist dementsprechend klein. Argentinien ist ein quasi-Dollar-Markt […].

Bitcoin als Hartgeldalternative?

Trotzdem schneidet der Podcaster einen spannenden Punkt an: Funktionierende Fiatwährungen wie der US-Dollar oder der Euro sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Ein Großteil der Weltbevölkerung lebt in Staaten, in die Bürgerinnen und Bürger täglich mit schleichender oder galoppierender Entwertung der eigenen Währung – und damit auch der Sparguthaben – konfrontiert sind. Umgerechnet in den Argentinischen Peso erreicht Bitcoin als Folge dieser Tage bereits sein Allzeithoch.

In diesen Staaten könnte Bitcoin zunehmend als Rettungsanker dienen – auch wenn die Adaption langsamer vorangeht, als so mancher glauben macht. Da das BTC-Exchange-Volumen in Ländern wie Argentinien äußerst gering ist, dürften Bitcoin-ATMs dabei in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen.

Wie könnte es also Zufall sein, dass einer der profitabelsten Athena-ATMs im kolumbianischen Cúcuta steht. Der Ort liegt direkt an der venezolanischen Grenze.

JETZT NEU: DER BTC-NAVIGATOR

Das deutschsprachige Blockchain-Ökosystem an einem Platz vereint:

HANDELSPLÄTZEJOBSEVENTSUNTERNEHMENPRODUKTEAKZEPTANZSTELLENWEBSEITEN

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

A1 Telekom Austria akzeptiert Bitcoin-Zahlungen
A1 Telekom Austria akzeptiert Bitcoin-Zahlungen
Bitcoin

Die „Telekom Österreichs“, A1 Telekom Austria, ermöglicht Kunden seit 19. August das Bezahlen mit Kryptowährungen. Der Feldversuch des österreichischen TelCo-Marktführers erfolgt in Zusammenarbeit mit dem FinTech-Start-up Salamantek und wird zunächst in sieben ausgesuchten A1 Filialen durchgeführt.

Die Top Bitcoin- und Blockchain-News der Woche
Die Top Bitcoin- und Blockchain-News der Woche
Kolumne

Der Bitcoin-Kurs rutscht nervös zwischen verschiedenen Markern hin und her und alle fragen sich: Warum? Der BTC-ECHO-Newsflash. Alles, was du letzte Woche verpasst hast.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

A1 Telekom Austria akzeptiert Bitcoin-Zahlungen
A1 Telekom Austria akzeptiert Bitcoin-Zahlungen
Bitcoin

Die „Telekom Österreichs“, A1 Telekom Austria, ermöglicht Kunden seit 19. August das Bezahlen mit Kryptowährungen. Der Feldversuch des österreichischen TelCo-Marktführers erfolgt in Zusammenarbeit mit dem FinTech-Start-up Salamantek und wird zunächst in sieben ausgesuchten A1 Filialen durchgeführt.

Israelische Behörden schalten auf Turbo: Finanzaufsicht will FinTech-Lizenzen im Eilverfahren vergeben
Israelische Behörden schalten auf Turbo: Finanzaufsicht will FinTech-Lizenzen im Eilverfahren vergeben
Regulierung

Die israelische Finanzmarktaufsicht CMA will Marktzulassungen für FinTech-Unternehmen im Eilverfahren erteilen. Damit zielt die Behörde darauf, den Wettbewerb im Land anzukurbeln und die gesamte Branche zu fördern. Besonders die israelische Krypto-Industrie steckt derzeit noch in den Kinderschuhen.

INX Limited plant den Börsengang – unterstützt von Samson Mow, Fluffypony & Co.
INX Limited plant den Börsengang – unterstützt von Samson Mow, Fluffypony & Co.
Funding

Die geplante Krypto-Handelsbörse INX Limited will die Erlaubnis der US-Börsenaufsicht zum Verkauf ihres plattformeigenen Hybrid-Tokens INX Token. INX Limited verfügt über prominente Unterstützung – von Samson Mow bis „Fluffypony“. Ein Audit der Geschäftsbücher offenbart jedoch „erhebliche Zweifel“ an der Wirtschaftlichkeit der Krypto-Exchange in spe.

Indischer Bundesstaat Maharashtra setzt auf großangelegte Blockchain-Initiative
Indischer Bundesstaat Maharashtra setzt auf großangelegte Blockchain-Initiative
Regierungen

Maharashtra, der zweitgrößte indische Bundesstaat, will mit einer großangelegten Initiative dem Einsatz von Blockchain-Technologien den Weg ebnen. Helfen soll dabei eine sogenannte „Regulatory Sandbox“, die innerhalb der kommenden Monate eingerichtet werden soll. Künftig will die Regierung Blockchain-Technologien unter anderem im Agrarsektor sowie in der öffentlichen Verwaltung einsetzen.

Angesagt

Rakuten: Japanischer E-Commerce-Gigant startet Bitcoin-Börse
Unternehmen

Rakuten Wallet geht mit seiner Bitcoin-Börse online. Kunden können ab sofort Krypto-Assets handeln und verwalten. Hierfür bietet Rakuten Wallet den Nutzern verschiedene Sicherheitsstandards. Denn neben der Verwaltung des Kundenvermögens in einer Treuhandgesellschaft, werden aktuelle Cyber-Sicherheits-Verfahren eingesetzt.

Binance kündigt Stable-Coin-Projekt Venus an
Unternehmen

Binance will mit Venus ein neues Stable-Coin-Projekt ins Rollen bringen. Die Bitcoin-Börse spricht von einer „regionalen“ Version des Facebook Coins Libra. Mit Details geizt Binance bislang.

Altcoin-Marktanalyse – Litecoin-Kurs gibt trotz Halvings stark ab
Kursanalyse

Alle Top-10-Coins haben in der vergangenen Woche abermals Kursverluste zu verzeichnen.

Wegen Libra: US-Delegation besucht Schweiz
Krypto

Eine sechsköpfige Delegation des US-Repräsentantenhauses reist in die Schweiz – offenbar auch, um über den „Facebook Coin“ Libra zu reden. Schließlich will sich Libra auch im schweizerischen Genf ansiedeln. Für Freitag, den 23. August, ist ein Treffen mit dem eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten Adrian Lobsiger angesetzt.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: