Die Lage am Mittwoch – Was wurde eigentlich aus Bitcoin-ATMs?

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Bitcoin ATM (Symbolbild)

Quelle: Shutterstock

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Es ist ein alter Hut: Was der Bitcoin-Adaption fehlt, sind verlässliche On-Ramps. Möglichkeiten also, Bitcoin mithilfe von Investments Teil des täglichen Lebens werden zu lassen. Denn was, wenn nicht die Teilhabe am Bitcoin-Kurs veranlasst Anleger, sich mit den Verheißungen des digitalen Goldes auseinanderzusetzen? Was das Ökosystem also derzeit dringender als alles andere benötigt, sind Mittel und Wege, möglichst einfach BTC beziehen zu können. Eine vieldiskutierte Möglichkeit dafür, sind Bitcoin-ATMs.

Wieso Deutschland immer noch das Nachsehen hat und Dienste wie Athena Bitcoin immer stärker Südamerika in den Fokus nehmen.

Wo stehen all die Bitcoin-ATMs?

Man kann sich Bitcoin-ATMs ähnlich wie herkömmliche Geldautomaten vorstellen, mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie Bares gegen Satoshis tauschen – und umgekehrt. In den USA haben die Automaten bereits einen gewissen Stellenwert erreicht. Allein im Ballungsraum Chicago sind es nach Daten von Coin ATM Radar ganze 132 Stück. Verteilt auf das ganze Land finden US-Amerikaner über 3.000 solcher BTC-On-Ramps vor.

In Deutschland soll es hingegen gerade einmal 49 Stück geben. Wobei Recherchen von BTC-ECHO ergeben haben, dass etwa der ATM im Damla Market in Berlin-Charlottenburg nicht funktionstüchtig ist. Woran liegt diese Rückständigkeit hierzulande?


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Teil des Problems dürfte eine fehlende regulatorische Klarheit in Bezug auf Krypto-Assets und Bitcoin-Automaten in Deutschland sein. An einem Urteil des Kammergerichts offenbart sich diese Grauzone deutlicher denn je: Im Oktober 2018 entschied das Gericht, dass die BaFin nicht befugt sei, Anlegern den Handel mit Bitcoin & Co. via ATMs zu untersagen. Seine Ansicht hatte das Gericht damit begründet, dass Bitcoin kein Finanzinstrument im Sinne des Kreditwesengesetzes und die Behörde deshalb für die Aufsicht überhaupt nicht zuständig sei.

Eine Folge des Urteils war die gesetzliche Neubewertung von Krypto-Assets. Diese gelten nach Inhalt eines Gesetzentwurfs der Bundesregierung ab dem kommenden Jahr als sogenannte Krypto-Werte. Ziel war es, die Regulierungsfähigkeit durch die BaFin rechtlich zu verankern.

BaFin wird zur ATM-Aufseherin

Ab nächstem Jahr erhält die BaFin also genau die Kompetenz, derer sie sich bereits vorher sicher war. Mit anderen Worten: Ab 2020 reguliert die BaFin nach Maßgabe des neuen Anti-Geldwäsche-Gesetzes auch Bitcoin-Automaten.

Das muss nicht zwangsläufig negativ sein. Denn auch bisher war das Aufstellen von BTC-ATMs nicht per se illegal. Der unklare regulatorische Status hat das Wachstum der Branche hierzulande allerdings nicht gerade befördert. Vorstellbar ist etwa, dass sich Krypto-Unternehmer mit Banklizenz mit der BaFin einig werden und sodann Automaten im großen Stil über das Land ausrollen.

Dabei sind verschiedene Modelle denkbar. Viele der ATM-Betreiber sind beispielsweise Franchise-Unternehmen. Das heißt, der Hersteller vermietet oder verkauft die Geräte an Franchisenehmer, die im Gegenzug einen Teil der Gebühren erhalten. Erfahrungsgemäß sind die Gebühren an Bitcoin-Automaten höher als bei Exchanges; ATMs sind folglich eine potenziell attraktive Einnahmequelle für Kiosk- oder Tankstellenbesitzer.

Bitcoin in Südamerika beliebter denn je

Wie wichtig ATMs als Adaptionsinstrument sind, kommt auch in der neuesten Folge des „What Bitcoin Did Podcast“ von Peter McCormack zur Sprache. Zu Gast waren in dieser Woche mit Gil Valentine und Eric Gravengaard nämlich zwei Co-Founder von Athena Bitcoin, einem der größten Betreiber für Bitcoin-ATMs in den USA.

Während sich zwar auch in den Vereinigten Staaten eine wachsende Beliebtheit zeigt, offenbart sich der wahre Use Case vor allem in südamerikanischen Ländern mit dysfunktionalen Währungen.

„Das argentinische Volk musste bei der Entwertung ihrer Währung bereits mehrmals innerhalb der letzten Jahrzehnten zusehen“, heißt es vonseiten Valentines.

„Der Argentinische Peso“, sodann McCormack, „hat allein in diesem Jahr 40 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Du musst nur in Argentinien großgeworden sein, um den Wert von Bitcoin zu erkennen.“

Das mag so sein. Allein die Realität ist eine andere. Wie der argentinische Trader Alex Krüger auf Twitter schreibt, ist die Bitcoin-Verbreitung nicht so hoch, wie es das Narrativ vermuten lässt. Demnach weicht der Großteil der Bevölkerung eher auf den US-Dollar als Bitcoin aus:

Entgegen der weitläufigen Meinung ist die Bitcoin-Verbreitung in Argentinien extrem gering. Der argentinische Bitcoin-Markt ist dementsprechend klein. Argentinien ist ein quasi-Dollar-Markt […].

Bitcoin als Hartgeldalternative?

Trotzdem schneidet der Podcaster einen spannenden Punkt an: Funktionierende Fiatwährungen wie der US-Dollar oder der Euro sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Ein Großteil der Weltbevölkerung lebt in Staaten, in die Bürgerinnen und Bürger täglich mit schleichender oder galoppierender Entwertung der eigenen Währung – und damit auch der Sparguthaben – konfrontiert sind. Umgerechnet in den Argentinischen Peso erreicht Bitcoin als Folge dieser Tage bereits sein Allzeithoch.

In diesen Staaten könnte Bitcoin zunehmend als Rettungsanker dienen – auch wenn die Adaption langsamer vorangeht, als so mancher glauben macht. Da das BTC-Exchange-Volumen in Ländern wie Argentinien äußerst gering ist, dürften Bitcoin-ATMs dabei in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen.

Wie könnte es also Zufall sein, dass einer der profitabelsten Athena-ATMs im kolumbianischen Cúcuta steht. Der Ort liegt direkt an der venezolanischen Grenze.


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