Craig Wright: 1,1 Millionen Bitcoin für immer verloren?

Craig Wright: 1,1 Millionen Bitcoin für immer verloren?

Bei dem seit über einem Jahr laufenden Prozess zwischen Ira Kleiman und Craig Wright ist kein Ende in Sicht. Wright ist der Forderung des Gerichts, seine Bitcoin-Adressen bekanntzugeben, nicht nachgekommen. Die zur Debatte stehenden 1,1 Millionen Bitcoin seien in einem Treuhandvermögen, im sog. Tulip Trust eingebunden. Wer darauf Zugriff hat, ist ein Mysterium.

Kaum eine Figur bekommt im Krypto-Space mehr mediale Aufmerksamkeit als Craig Steven Wright. Der vermeintliche Hochstapler aus Australien gräbt eine Aktion nach der anderen aus, die alle mit seinem Claim „Ich bin Satoshi Nakamoto!“ zu tun haben. Niemand weiß bisher, wer sich hinter dem Pseudonym wirklich verbirgt.

Wright scheut jedoch keine Kosten und Mühen, um auf sich aufmerksam zu machen. So ist er wegen Rufmordes gerichtlich gegen Binance-CEO Zhao, Ethereum-Gründer Buterin und Bitcoin-Influencer Peter McCormack vorgegangen. Doch auch ihm wird seit Februar 2018 der Prozess gemacht. Die Erben seines früheren Freundes und Geschäftspartners David Kleiman bezichtigen ihn, 1,1 Millionen Bitcoin gestohlen zu haben.

Wo ist nur der Geldbeutel?

Ira Kleiman, Bruder von Dave Kleiman, behauptet, dass Wright zusammen mit Kleiman von 2009 bis 2011 die 1,1 Millionen Bitcoin gemint haben soll. Die Hälfte davon fordert Ira Kleiman von Wright. In der Theorie klingt das nach keiner großen Sache. Bei heutigem Kurs wären die Bitcoin gute 11 Milliarden US-Dollar wert. Auch wenn Wright die Hälfte davon abgeben würde, wäre er kein armer Mann.

Also Wallet aufmachen, Bitcoin rausholen, Wallet schließen. Das dachte sich wohl auch die Richterin Beth Bloom, die angeordnet hatte, dass Wright seine Bitcoin-Adressen offenlegen soll. Im Beschluss hieß es, dass er die Bitcoin, die er bis zum 31.12.2013 besessen hat, auflisten soll. Das Problem ist anscheinend, dass die besagten Bitcoin im sogenannten Tulip Trust stecken, auf den Wright keinen Zugriff hat.

Mysterium Tulip Trust

In einem Interview vom 5. Mai 2016, erschienen auf bitcoinmagazine.com, versucht Aaron Van Wirdum herauszufinden, was es mit dem Tulip Trust auf sich hat und welche Funktion Craig Wright darin hat: von Erhellung keine Spur. Der befragte Joseph Vaughn Perling antwortete kryptisch und ausweichend. Als gesichert gelten die frühen Korrespondenzen zwischen Kleiman und Wright.

Ich zog Dave in die ganze Sache rein, weil er ein Freund und forensischer Experte war. Ich wollte, dass er jede Verbindung von mir zu Bitcoin beseitigt,

so Wright vor Gericht. Er wollte sich damals offenbar von Bitcoin distanzieren, als er mit dem kriminellen Milieu in Verbindung gebracht worden war. Das scheint ihn heute jedoch nicht mehr zu interessieren. Woher diese Kehrtwende kommt, bleibt unverständlich. Vielleicht geht es seit Beginn seines Claims „Ich bin Satoshi Nakamoto“ einzig um den Eigentumsanspruch auf diese größte Wallet. Der Tulip Trust erinnert an eine Art Multi-Signature-Wallet, von der nur unter Zustimmung mehrerer Parteien Bitcoin bewegt werden kann. In früheren Anhörungen war von einem „Blind Trust“ die Rede. Ob dieser Blind Trust identisch mit dem Tulip Trust ist, bleibt auch unklar.

Offenbar war Kleiman im Besitz der Private Keys, doch daneben hat es wohl auch andere gegeben, die darüber verfügten. Ähnlich widersprüchlich und kryptisch wie das oben genannte Interview bleiben auch die vorgebrachten Fragen:

Ein Unternehmen, das Sie nicht vor 2014 gekauft haben, ist Teilhaber eines Treuhandvermögens, von dem sie behaupten, es 2012 aufgesetzt zu haben?

fragt Velvel Freedman, Rechtsanwalt von Kleiman. Der Richter Bruce Reinhart resümiert mit folgender Frage zu dem im Tulip Trust gebundenen Vermögen:

Also wissen Sie seit 2016, dass Sie keinen Zugriff auf die Unterlagen haben und dass das auch noch bis 2020 so sein wird? Und das wussten Sie erst im Februar oder März 2019?

Ist Wright Satoshi?

Auch aus diesen Fragen kann man nicht wirklich schlau werden. Bisher gelang es Wright jedenfalls nicht, die Bitcoin aus dieser 1,1 Millionen BTC schweren Wallet zu bewegen, was als Beweis für den wahren Satoshi Nakamoto gelten soll. Auch der verstorbene Dave Kleiman wird sie nicht mehr bewegen können. Im Vertragspapier des Tulip Trust ist der 1. Januar 2020 angegeben – an diesem Tag sollen alle dort gebundenen Bitcoin an Craig Wright zurückgegeben werden. Wir werden uns also noch ein halbes Jahr gedulden müssen, bis Wright den Beweis erbringen kann.

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