China Test digitaler Staatswährung bis Jahresende

Jutta Schwengsbier

von Jutta Schwengsbier

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Jutta Schwengsbier

Jutta Schwengsbier arbeitet seit rund 30 Jahren als Journalistin und berichtet aus vielen Ländern über Themen, die die Welt verändern. Auch beherrscht sie mehrere Programmiersprachen und ist im Zuge dessen auf die Blockchain-Technologie aufmerksam geworden.

Quelle: Shutterstock

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Das Wettrennen um die Einführung digitaler Staatswährungen geht in die nächste Runde. Kurz nachdem Frankreich den Test eines digitalen Euro angekündigt hatte, zieht China nun nach. In Shenzen und Suzhou sollen sieben Institute ausprobieren, wie und wofür eine digitale Staatswährung genutzt werden könnte.

Chinas Zentralbank wird noch Ende dieses Jahres seine digitale Staatswährung in den Städten Shenzhen und Suzhou testen. Das berichtete das chinesische Finanznachrichtenportal Caijing.
Laut Bericht will China sein bisheriges Programm damit deutlich beschleunigen, um als erste Zentralbank eine digitale Staatswährung anbieten zu können. Damit reagiere die Volksbank von China (PBOC) auf neuere Entwicklungen am Krypto-Markt.


Die Zentralbank startete ihre Initiative für digitale Währungen bereits im Jahr 2014. Richtig Fahrt aufgenommen hatte das Projekt aber erst, nachdem Facebook seine Währung Libra angekündigt hatte.

Der Direktor der PBOC-Tochtergesellschaft für digitale Währungen, Mu Changchun, sieht in dem Facebook-Projekt eine ernsthafte Bedrohung für das internationale Währungssystem und die eigene nationale Währungssouveränität. Außerdem vermute er dabei Probleme mit Geldwäsche, Kapitalflucht, Untergrundtransaktionen sowie dem Datenschutz. Vergangene Woche kündigte Frankreichs Notenbank den Test eines digitalen Euro im Interbankenhandel an. China folgt nun kurz darauf mit einem lokal auf zwei Städte und sieben staatliche Unternehmen begrenzten Test, der offiziell den Titel „Pferderennen“ trage.

Chinas „Pferderennen“ um die Währungshoheit

An dem Pilotprogramm der PBOC sollen vier Geschäftsbanken und drei Telekommunikationsunternehmen um die besten Ideen konkurrieren. Einige Banken entwickeln dabei etwa gemeinsam mit den Telekom-Diensten SIM-Karten mit integrierten digitalen Geldbörsen. Andere bieten eigene Geldbörsen-Apps an. In der Testphase sollen die Banken zunächst Angebote für Branchen wie Verkehr, Bildung, Handel und medizinische Versorgung entwickeln.

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Ein von der chinesischen Zentralbank gegründetes FinTech-Institut soll für Forschung und Entwicklung der digitalen Währung verantwortlich sein und den Test begleiten. Nach einer kurzen Testphase Ende dieses Jahres soll die digitale Staatswährung dann in Shenzhen und Suzhou groß beworben werden.

Im Pilotprojekt erhalten Geschäftsbanken die digitale Währung von der Zentralbank im Tausch gegen Renminbi-Reserven. Kundinnen und Kunden können dann ihre digitalen Geldbörsen bei diesen Geschäftsbanken registrieren.

Unser Projekt für digitale Währungen heißt DCEP (Digital Currency Electronic Payment), also Tools für digitale Währungen und elektronische Zahlungen. Seine Designlogik ähnelt an vielen Stellen Libra. Aber lassen Sie mich klarstellen, dass es nicht so ist, dass wir Libra imitieren. Tatsächlich schlug der damalige Gouverneur Zhou Xiaochuan diese Idee für Chinas eigene digitale Zentralbankwährung bereits 2014 vor. Die digitale Währung der Zentralbank ist ein Ersatz für Papiergeld,

schreibt dazu Mu Changchun als Verantwortlicher für Chinas Digitalwährung in seinem eigenen Blog.

Einlagensicherung für Digitalwährung DCEP

Wie bei Bargeld könnten auch bei DCEP Nutzer Werte tauschen, ohne ein Bankkonto oder eine Bank als Mittler zu benötigen. Im Unterschied zu anderen Kryptowährungen gehörten DCEP-Einheiten aber zu sogenannten Fiatwährungen und könnten systemübergreifend genutzt werden. Niemand könne also die Annahme von DCEP als Zahlungsmittel verweigern, schreibt Mu Changchun. Ausserdem sei der Wert von DCEP staatlich durch eine Einlagensicherung garantiert und gehe auch nicht bei Insolvenz einer Ausgabeinstitution verloren.

Mit dem beschleunigten Test seiner eigenen digitalen Staatswährung DCEP gehen die Bemühungen Chinas weiter, den Einfluss unabhängiger Kryptowährungen weiter zurückzudrängen und gleichzeitig neue Überwachungsmöglichkeiten einzuführen. Wenn China wie geplant Bargeld komplett abschafft, könnte die Regierung mithilfe des vor Kurzem gegründeten Blockchain Services Network (BSN) bald alle Zahlungen seiner Bürgerinnen und Bürger lückenlos nachverfolgen.


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